Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


die Welt redet diese Woche über die "Panama Papers" - das große Datenleck in einer Anwaltskanzlei in Panama und die Geschichte einer Mammut-Recherche von Hunderten Journalisten, Terabyte an Daten und monatelanger Arbeit. Es ist eine große Erzählung, die auch groß erzählt wird, über Tage hinweg, mit Text, Videos, Grafiken und ab morgen auch als Buch. Wann kommt der Spielfilm? Nur in Russland wird wenig berichtet: Die dortigen Staatsmedien zogen es vor, die aufgedeckten Milliarden-Verbindungen von Putins Freunden nach Panama zu verschweigen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 14/2016
Präsident Erdogans Feldzug gegen Freiheit und Demokratie

Nach neuesten Berichten sind auch Tausende deutsche Kunden betroffen. Was uns die vielen Enthüllungen über die schiere Wucht der vielen Enthüllungen hinaus lehren, wird sich zum Teil erst noch zeigen müssen: Wo geht es um Straftaten, um Steuerbetrug, um kriminelle Geschäfte? Behörden von Australien bis Frankreich haben Ermittlungsverfahren eingeleitet. SPD-Chef Sigmar Gabriel möchte nun am liebsten Briefkastenfirmen weltweit verbieten lassen, Finanzminister Wolfgang Schäuble nannte die Berichte "nicht überraschend", will aber bis Mitte April - unabhängig vom Fall Panama - neue Vorschläge für den Kampf gegen Steuerflucht unterbreiten.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

AFP
Lagarde bei Merkel

Um ein ganz anderes Leak wird es heute Nachmittag gehen, da ist Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), zu Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die beiden werden über ein Thema sprechen, das mancher schon fast vergessen hatte: Griechenland. Am Wochenende hatte Wikileaks das Protokoll eines Telefongesprächs von genervten IWF-Mitarbeitern veröffentlicht, die sehr wenig von den Reformfortschritten der griechischen Regierung halten. Gestern ist die Troika in Athen zu Gesprächen eingetroffen - es geht nun um die Frage, ob das Land die nächste Kreditzahlung erhält, damit es seine Schulden zahlen kann. Griechenland sieht sich außerstande noch mehr zu sparen, der IWF von Christine Lagarde möchte deshalb, dass die Europäer einen Teil der Schulden erlassen. Das will Angela Merkel nicht, sie möchte aber auch nicht, das der IWF aus der Gruppe der Kreditgeber austritt. Wie immer, wenn es um Griechenland geht, lässt sich der Streit auch diesmal nur lösen, wenn sich alle Seiten bewegen. Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein.

AP
Zurück in die Türkei

Die befürchteten Schreckensbilder aus Lesbos blieben gestern aus: 202 Migranten aus Pakistan und Bangladesch wurden im Morgengrauen auf der griechischen Insel auf eine Fähre gebracht - sie waren die ersten, die im Rahmen des EU-Flüchtlingsdeals in die Türkei zurückgeschickt wurden. Das verlief unerwartet reibungslos, war aber wohl auch vor allem symbolisch zu verstehen. Wie die umstrittenen Massenabschiebungen wirklich verlaufen, wird sich erst in den kommenden Tagen und Wochen zeigen. Übrigens: Am gleichen Tag setzten auch 339 neue Migranten von der Türkei auf die griechischen Inseln über.

AP
Letzte Hoffnung der Trump-Gegner

Wissen Sie, wo Wisconsin liegt? Der unscheinbare US-Bundesstaat, der sich auf der Karte zwischen Chicago und der kanadischen Grenze befindet: Die republikanischen Gegner von Donald Trump sehen hier ihre letzte Chance, den größenwahnsinnigen Milliardär auf dem Weg zur Nominierung im Juni doch noch zu stoppen. Nach fast allen Umfragen wird Trump seinem Gegner Ted Cruz in Wisconsin unterliegen - und das, so hoffen viele Republikaner, könnte der Auftakt zu weiteren Niederlagen sein, die am Ende dazu führen, dass Trump beim Parteitag im Juli nicht auf die benötigte Zahl an Delegierten kommt. In diesem Fall könnte ein anderer Kandidat gekürt werden. Bis dahin dauert es noch ziemlich lang, aber vielleicht müssen wir dann Wisconsin danken.

REUTERS
Gewinner des Morgens

Gestern hat Bundeskanzlerin Merkel den Komiker Jan Böhmermann kritisiert. Dessen vom ZDF aus der Mediathek gelöschtes Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sei "bewusst beleidigend" gewesen. Ähnlich deutliche Worte von Merkel zu den jüngsten Verletzungen der Pressefreiheit in der Türkei habe ich bisher vermisst. Erdogan ist für mich aus diesem Grund der klare Gewinner des Morgens.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Mathieu von Rohr, stv. Ressortleiter Ausland DER SPIEGEL

Korrektur: In der ersten Fassung der Lage hieß es, Wisconsin liege zwischen Chicago und der kanadischen Hauptstadt Ottawa. Richtig ist natürlich: zwischen Chicago und der kanadischen Grenze.

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
GSYBE 05.04.2016
1. Axt vs Florett
"Ähnlich deutliche Worte von Merkel zu den jüngsten Verletzungen der Pressefreiheit in der Türkei habe ich bisher vermisst. Erdogan ist für mich aus diesem Grund der klare Gewinner des Morgens." Jan Böhmermann benutzte die Axt, Mathieu von Rohr nimmt das Florett; gemeint haben beide das Gleiche. Und nun, oh Du grosse Über-Merkel?
huebif 05.04.2016
2. Wieso ist Cruz besser als Trump?
Wenn Cruz Präsident werden sollte, dann kann sich die Welt warm anziehen. Das ist genau so ein "Gotteskrieger" wie Bush (der Sohn). Der Irak Krieg und seine Folgen, vom destabilisierenden arabischen Frühling bis zum Syrien Krieg... das haben wir Bush jun. zu verdanken! Wieso möchte irgendjemand eine noch radikaler Variante? Lieber auf die Einschätzung von Kornblum hören, der das Beraterteam von Trump als sehr moderat bezeichnet! Trump würde viel gemäßigter sein, als Cruz! Fragt bitte mal Tom Buhrow - der hat Ahnung von Amerika. ... dann wird nicht weiter so ein Unsinn verbreitet. ..
citi2010 05.04.2016
3.
Wer Trump mit Cruz stoppen will hat die US Politik weder verfolgt noch verstanden. In manchen Bereichen ist Cruz noch übler als Trump. Die einzige Hoffnung ist Bernie Sanders. Er wird noch für einige Überraschungen sorgen.
SirTurbo 05.04.2016
4.
Nur in russland wurde wenig berichtet? Wo ist denn die Liste mit den deutschen Namen? Oder meint er mit "Bericht" etwa den Versuch politisch missliebigen Ausländern und solchen die unwichtig sind an die Karre zu fahren?
Peter Bernhard 05.04.2016
5. Trump und das Hippie-Mädchen
Das Foto könnte auch Nixon mit Mitchell "sein". Im Kontext des Kuba-Events erinnert mich das an meine Jungend, die 60er und 70er und auch 80er - all das war genau nach Kennedys Ermordnung. Vor diesem Erreignis ist für mich vor Nixon-Mitchell, wie folgt, was eine Rekapitulation für mich ist: auszugehen ist von einer Subsistenz-Wirtschaft - wenn was übrig bleibt, geht es einvernehmlich an den König, mit dem sich per Wahl ist egal Hauptsache jedermann identifizieren kann. -Das ist unser Schatz - die Abgaben dem Staatswesen werden nicht als Zang empfunden, es entstehen Pyramiden und Towers, als Leuchttürme ganz anderen Gesellschaften gegenüber, denen es nicht so gut geht. Das ist mein Bild heute von diesem Foto Trump mit Hippi-Weitärmel-T-Shirt-Frau. Da genau verläuft die Grenze zum Ritterschaffigen: noch vor den "Dead Kennedys" war nämlich USA in wichtigen Aspekten wie Kuba - deshalb also ganz ungleichgültig gegeneinander: für das Militärische war es - vielleicht bauten Sklaven Pyramiden- Dienste zu erbringen für Rüstung und Vaterland, ganz uneigennützig. Wenn man also solchen mörderischen Uneigennutz ablehnt, angesichts des Vietnam Wars, war eine logische Alternative der Rückschritt zur Natur, den ich hier als schrebergärtnerische Subsistenz verunglimpfe. Das ist als Egoismus von Gesundheit, nicht Altruismus des Make War. Nun sehe ich doch Kuba anders als bisher: von vornherein wurde da stillschweigend eben kein "Dienst" verlangt, trotz Raketenstationierung bzw. gerade so ermöglicht!, sondern gleich Subsistenz und Hippitum zugelassen, "alles aus einer Hand": aus der eigenen. Wie also hier heraus zu etwas was ja nur panamaesk "eine Hand wäscht die andere" sein kann. Ohne weiter in meinen Vorschriften nachzukramen meine ich da, dass eine möglichst freie Berufswahl das A und O sei. Logisch wäre also im Hinblick auf freie Definition von Herstellung und Bedarf also auch das Zulassen von Bedürfnissen. Letzteres ist einfacher - auch in der Verbilligung. Heute sehe ich da den Aspekt Werbung - da bin ich noch relativ nahe bei Trump als gerade neben Hippiefrau gestellt geradezu ein Symbol für "falsche Bedürfnisse" - absolut im Thema, in meinem, wie ich meine, bin ich im Thema noch: ich muss etwa Werbung und Manipulation als ein Weg einer Verteuerung von Bedarfsdeckung sehen. Das empfinde ich allemal besser als eine Subventionierung von Grundbedarf (etwas weiter weg also mein Nachdenken darüber, warum in dieser Zeit die Butterberge der EG nicht quasi gratis ans Volk abgegeben wurden). Wenn also Trump mit Marihuana-Verboten käme, und dies Hintergrund des Fotos wäre - no Problem. Jedes Konsumverbot kommt in Frage. USA war mal der Staat der Prohibition.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.