Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


einen Tag vor dem Besuch von Kanzlerin Merkel in einem Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze kommt sie heute in Berlin mit den 16 deutschen Länderchefs zusammen. Es geht um Flüchtlinge und Integration, das Thema hat die Kanzlerin also weiter fest im Griff. Gleichzeitig treffen sich Merkels Gegner in der EU, die Visegrad-Staaten und die Länder des Baltikums im lettischen Jurmala. Merkels Hauptproblem dürfte aber der türkische Präsident Erdogan bleiben. Der legt sich immer mehr auf die Visumsfreiheit für Türken in der EU ab Juni fest, die er innenpolitisch dringend braucht. Erdogans Botschaft an Merkel: Entweder es kommen die Türken in die EU oder die Flüchtlinge.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:
dpa

Hoffen auf Wunder

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 16/2016
ZDF-Skandal, Staatsaffäre, persönliche Tragödie

In New York wird heute feierlich das Klimaabkommen unterzeichnet, das im vergangenen Dezember in Paris ausgehandelt wurde. Es soll die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzen, dafür soll der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2060 auf Null heruntergefahren werden. Dass sich die 195 Staaten der Erde überhaupt auf den Klimavertrag einigen konnten, ist schon ein Wunder. Es wird aber ein weiteres Wunder brauchen, damit er sein Ziel erreicht: Dass sich alle an das Abkommen halten, obwohl bei Verstoß keine Strafen drohen.

DPA

In Zukunft arm

Mich treibt weiter das Thema Rente um, vor allem die Frage, wie die junge Generation auf die neue Rentendiskussion blickt (vielleicht auch, weil ich Mutter zweier Teenager bin). Warum wehren sie sich nicht gegen die Umverteilung zu ihren Lasten? Ist sie ihnen egal? Einfach zu weit weg? Der ARD-Deutschlandtrend hat jetzt herausgefunden: Die Jugend macht sich jedenfalls keine Illusionen, im Gegenteil. Je jünger die Befragten, desto größer ist sogar ihre Sorge vor Altersarmut. Andererseits belegt eine neue Studie von TNS Infratest den ungebrochenen Optimismus der Jungen: 95 Prozent sehen ihre persönliche Zukunft rosig (gut oder sehr gut), das sind noch einmal fünf Prozent mehr als vor einigen Jahren.

AP

Verlierer des Tages

ist für mich Wladimir Putin, denn der Kremlherr hat es offenbar nötig, sich in Deutschland mit der AfD zu verbünden. Meine Kollegin Melanie Amann hat für den neuen SPIEGEL recherchiert, wie eng die Verbindungen zwischen dem Kreml und den Rechtspopulisten inzwischen sind, zuletzt reiste Marcus Pretzell, Lebensgefährte von Parteichefin Frauke Petry, zu einer Konferenz auf die annektierte Krim, wo er im Kreise von Putin-Vertrauten über die Ukraine und die EU herzog. Amann fand heraus, dass sich die AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" offiziell mit Putins "Junger Garde" verbündet. Die ganze Geschichte lesen Sie heute ab 18 Uhr in der SPIEGEL-App.

AFP

Prince ist tot

Ein Funkmusiker, der Rockfans zum Hüftschwung verhalf. Ein Kunstgeschöpf, das der Musikindustrie den Mittelfinger zeigte. Er mischte Prüderie mit der Phantasie eines Pubertierenden. Jetzt ist Prince im Alter von 57 Jahren gestorben. Lesen Sie dazu den Nachruf von Tobi Müller.

Mit herzlichem Gruß,

Ihre Christiane Hoffmann, stellvertretende Leiterin Hauptstadtbüro, DER SPIEGEL

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stefan.p1 22.04.2016
1. Voll auf Linie , Wenig überraschendes
Was die Visumfreiheit für die Türken bedeutet war ja bekannt - aber Merkel har auch hier wieder ihr außenpolitsches Talent bewiesen. Zur Rentendiskussion kann ich nur eine Aktuelle Statistik im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zitieren , das nicht einmal 1 Drittel der Jugendlichen vorsorgen - soviel zum Interesse. Und wie immer wird das Anliegen der aktuell hart Arbeitenden Ü50 nicht erwähnt-wie wäre es mit intelligenteren Ansätzen -zB Bemessungsgrenze , Beamten und Selbstständigen Beteiligung.... Das sich der Spiegel keine Chance ausläßt gegen die AfD und Putin zu stänkern ist ebenfalls nichts neues.
blitzunddonner 22.04.2016
2. putins unterstützung gilt allen rechtspopulistischen ...
... parteien innerhalb der eu. da muss man nicht raten, warum.
VolleHosen 22.04.2016
3. Klimaabkommen
160 Unterschriften unter ein Abkommen sind ganz nett....aber die Frage ist doch, ob dieses Abkommen in den einzelnen Ländern auch ratifiziert wird. Siehe USA und Kyoto-Abkommen. Alles eine Luftnummer, obwohl sich die Durchschnittstemperatur im letzten Jahr um 1,2 Grad im Vergleich zu den letzten 100 Jahren erhöht hat. Arche Noah lässt grüßen. Ich vermisse in der Diskussion hier die Auswirkungen der Festsetzung des ARD-Korrespondenten Schwenck. Bleibt das jetzt einfach so stehen? Was sagt Merkel konkret zu dieser unglaublichen Einschränkung der Pressefreiheit? Nirvana Merkel. Unfassbar
ackergold 22.04.2016
4.
Das sich die Nazis weltweit verbrüdern, ist zwar aus Sicht des Demokraten bedauerlich, aber leider erstens längst bekannt und zweitens kaum zu verhindern. Bedenlich ist es aber, wenn ein Europa-Abgeordneter in ein widerrechtlich annektiertes Gebiet reist und dort gegen die rechtmäßigen Besitzer hetzt, während die EU gleichzeitig aus eben diesem Grund Sanktionen durchsetzt. Herr Pretzel sollte seinen Hut nehmen, er ist dieses Europas nicht würdig. Er kann sich ja in ein anderes Parlament wählen lassen.
m.gu 22.04.2016
5. Die Themen sind gut gewählt und verständlich von Frau Hoffmann geschrieben. Danke.
Doch Frau Merkel sollte im Gespräch mit Herrn Erdogan vorsichtig sein. Warum? Die Visapflicht ab Juni 2016 für Türken, gefordert vom Diktator Erdogan, beinhaltet auch, siehe Quelle: "Neue Zürcher Zeitung: Erdogan will seine Gegner ausbürgern." Jeder, der die Politik des Herrn Erdogan kritisiert, wird als Gegner der heutigen Politik in der Türkei abgestempelt. Derzeitig sind wieder mehrere Wissenschaftler, die das unmenschliche System des Herrn Erdogan verurteilen, das Ziel der staatlichen Organe. Hoffentlich wird Frau Merkel für die wahren Patrioten der Türkei eintreten. Die sofortige Einstellung der Verfahren muss das Ziel sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.