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Die Lage am Abend Was taugt Europas neue Anti-Corona-App?

Liebe Leserin, lieber Leser, guten Abend,

seit heute wissen wir, wie Europas Gegenentwurf zu den Corona-Apps in Asien aussehen soll: datensparsam, pseudonym, freiwillig. Nur: Ist der Tracker auch wirksam?

Das Thema des Tages: Pepp-PT, die technische Grundlage für eine datenschutzfreundliche Corona-App 

Als die Debatte um die Verwendung von Handydaten in der Coronakrise losging, lief sie umgehend auf eine unangenehme Frage hinaus: Müssen die Deutschen ihre Privatsphäre vorübergehend beim Staat abgeben, im Tausch für mehr vermeintliche Sicherheit vor dem Virus? 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte das in seinem Entwurf für das erneuerte Infektionsschutzgesetz mit Ja beantwortet. Er wollte unter anderem die Mobilfunkbetreiber zwingen, Standortdaten ihrer Kunden an die Gesundheitsbehörden herauszugeben, damit diese Kontaktpersonen von Infizierten ermitteln können. Es war ein Schnellschuss, der auch nicht mehr im letztlich beschlossenen Entwurf auftauchte. Funktioniert hätte es ohnehin nicht - die Daten der Provider hätten dazu schlicht nicht getaugt. 

Dass es aber auch anders ginge, ohne größere Grundrechtseingriffe nämlich, aber dafür präzise genug, um wirksam zu sein, das soll nun Pepp-PT beweisen. So heißt der neue technische Standard, den 17 europäische Institute, Organisationen und Firmen gemeinsam entwickelt haben. Marcel Rosenbach und Hilmar Schmundt haben mit einigen der Entwickler gesprochen.   

Foto:

Kay Nietfeld/ DPA

Die wichtigsten Merkmale von Pepp-PT, dem "Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing": Wo sich Nutzer aufhalten, wird gar nicht erfasst. Apps, die auf Pepp-PT basieren, stellen lediglich fest, ob sich zwei Nutzer in unmittelbarer Nähe befinden. Wenn ja, wird ein Kontakt in Form von Zufallszahlen in beiden Geräten gespeichert. Wird einer von beiden später positiv auf Sars-CoV-2 getestet, kann die App alle pseudonymen Kontakte warnen, damit auch sie sich testen lassen. Wer der oder die Infizierte war und wann oder wo genau der Kontakt stattgefunden hat, steht nicht in der Warnung. In diesen Infografiken erklären wir die Funktionsweise noch einmal etwas anschaulicher. 

Ziel der Initiatoren ist es, neue Infektionsketten möglichst frühzeitig zu unterbrechen, sobald das gewohnte Leben schrittweise wieder in Gang kommt. Das aber kann nur klappen, wenn möglichst viele Menschen freiwillig eine Pepp-PT-App installieren, und wenn diese sich als alltagstauglich erweist. Denn die zugrunde liegende Technik – Bluetooth Low Energy – hat ihre Tücken. Welche das sind und was sie von anderen, in diversen Anti-Corona-Apps eingesetzten Methoden unterscheidet, erläutere ich in diesem Artikel ausführlich

Eine Wunderwaffe gegen das neue Coronavirus wird auch Pepp-PT nicht, wie die Macher selbst sagen. Bestenfalls wird die Technik ein Baustein von vielen auf dem langen Rückweg in den gewohnten Alltag. 

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