Janko Tietz

Die Lage am Abend Sie können Ihre Rechnungen nicht zahlen? Das sind nur dornige Chancen!

Janko Tietz
Von Janko Tietz, Ressortleiter Deutschland/Panorama

Guten Abend, die drei Fragezeichen heute:

  1. Warum stieg Rauch über dem Ferienparadies der Russen auf?

  2. Warum ist die Bundesregierung beim Belasten einiger als beim Entlasten?

  3. Warum heucheln die US-Republikaner Empörung über das FBI?

1. Krimsekt in Kiew

»Der Krieg begann auf der Krim und wird dort enden.« Was für ein Zitat! Gesagt vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei seiner täglichen Videoansprache vergangene Nacht. Zuvor kam es auf der 2014 von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel zu heftigen Explosionen auf einem russischen Stützpunkt. Es waren surreale Bilder, am Strand sonnten sich Urlauber auf weißen Lounge-Liegen, leichter Wind wehte die Vorhänge beiseite und gab den Blick frei auf mächtige Rauchwolken im Hintergrund. Touristen zückten ihre Handys und filmten das Spektakel.

Wer für die Detonationen verantwortlich ist, steht noch immer nicht fest. Das ukrainische Militär will es offiziell nicht gewesen sein, macht Partisanen dafür verantwortlich. Einem Bericht der »New York Times« zufolge hat die ukrainische Armee den wichtigen russischen Luftwaffenstützpunkt mit einer nicht genannten, selbst entwickelten Waffe attackiert. Es könnte ein erstes Signal einer ukrainischen Offensive sein, die Militärexperten längst erwarten. Ende Juli sagte Ed Arnold vom britischen Thinktank Royal United Services Institute (Rusi), die Ukrainer müssten den russischen Vorteil, nämlich die Artillerie, zunichtemachen. »Die wichtigen ukrainischen Ziele sind deswegen im Moment: Munitionslager, Kommando- und Kontrollzentren. Orte, an denen sich hochrangige Offiziere versammeln und Planungen durchführen«, so Arnold. Genau das scheint jetzt passiert zu sein. Wer auch immer hinter dem Angriff steckt, der ukrainischen Regierung scheint er sehr gelegen zu kommen. »Die Krim ist ukrainisch, und wir werden sie niemals aufgeben«, so Selenskyj. »Die Schwarzmeerregion kann nicht sicher sein, solange die Krim besetzt ist.«

Inzwischen scheint der Krieg allerdings in die Phase des »weapon-count« eingetreten zu sein, menschliche Schicksale treten in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund, obwohl bei der Schlacht im Donbass immer noch jeden Tag viele Soldaten auf beiden Seiten sterben. Doch das spielt immer weniger eine Rolle. Vielmehr vermelden beide Seiten, welche Waffen wo und auf welche Weise zerstört worden seien. Bei den Explosionen auf der Krim seien mindestens zehn Flugzeuge zerstört worden, sagen die Ukrainer. Um nicht komplett blamiert dazustehen, beeilten sich die Russen zu behaupten, sie hätten wiederum einen deutschen Gepard-Panzer und sieben Himars-Raketen vernichtet. Bestätigt ist das nicht. Es ist die Tragik eines Krieges, dass irgendwann aller Schrecken beschrieben scheint und die Gefahr besteht, die militärischen Aktionen zu bewerten wie Gamer das in einem Videospiel tun. Können wir also bald von einem Ende des Krieges ausgehen, wie Selenskyj mit seinem Satz insinuiert? Ich wünschte es, fürchte aber, wir werden weiter wachsende und schrumpfende Waffenarsenale vermelden müssen.

Und hier weitere Nachrichten und Hintergründe zum Krieg in der Ukraine:

  • Ungarn zahlt Rechnung für Nutzung der Druschba-Pipeline: Der Öltransport durch die Druschba-Pipeline ist vorerst gesichert. Der ungarische Mineralölkonzern MOL hat nach eigenen Angaben die ausstehenden Zahlungen geleistet. Der Ölpreis reagiert umgehend.

  • Käufer will Ladung der »Razoni« nicht mehr haben: Wochenlang haben die Kriegsparteien um die freie Fahrt des Getreidefrachters »Razoni« gefeilscht. Dem Käufer aus dem Libanon dauerte das offenbar zu lang.

  • Was Kinder am meisten vermissen: Die Puppe, der Hund, Oma und Opa: Wer in ein anderes Land flieht, muss viel zurücklassen. Was fehlt besonders? Die Fotografin Rebecca Hoppé hat ukrainische Kinder in Hamburg gebeten, es aufzumalen.

  • Marionette in Putins Händen: Er war einst das freundliche Gesicht des liberalen und reformwilligen Russland. Heute fällt Ex-Präsident Dmitrij Medwedew nur noch damit auf, gegen die Ukraine und den Westen zu hetzen. Was nur treibt diesen Mann an?

  • Kriegsgewinner Erdoğan: Recep Tayyip Erdoğan inszeniert sich im Ukrainekrieg als Friedensstifter. Im eigenen Land jedoch verliert er rasant an Unterstützung. Überschätzt der türkische Präsident seine Möglichkeiten? 

  • Ukraine macht widersprüchliche Angaben zu Explosionen auf der Krim: Wer ist für die Detonationen auf einem russischen Luftwaffenstützpunkt auf der Krim verantwortlich? Es gibt unterschiedliche Angaben aus Russland und der Ukraine. Eine Zeitung bringt eine weitere Variante ins Spiel.

  • Hier finden Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine: Das News-Update

2. Dornige Chancen

Zehn Milliarden Euro. Das klingt nach sehr viel Geld – ist es aber nicht mehr, wenn man runterrechnet, auf wie viele Menschen es verteilt wird. Um diesen Betrag jedenfalls will Finanzminister Christian Lindner rund 48 Millionen Bürgerinnen und Bürger steuerlich entlasten, um die steigenden Preise irgendwie zu kompensieren. Im Schnitt kommen jährlich 192 Euro dabei heraus. Im Juli lag die Inflationsrate bei 7,5 Prozent plus gegenüber dem Vorjahresmonat. »Wir sind in einer Situation, wo gehandelt werden muss«, so Lindner. Was genau hat er also vor? Zunächst möchte er den Effekt der kalten Progression abmildern. Der tritt ein, wenn wegen der steigenden Preise höhere Gehälter vereinbart werden. Diese gleichen die Teuerungsrate allerdings nicht komplett aus, wer bekommt schon mehr als sieben Prozent Gehaltserhöhung, außer vielleicht Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, der man gleich 16 Prozent gegönnt hatte, als sie noch im Amt war? Die Kaufkraft steigt also durch mehr Lohn nicht automatisch. Zudem rutschen viele durch höhere Gehälter in höhere Besteuerungen, sodass am Ende unter Umständen netto sogar weniger auf dem Konto ankommen kann als vor der Gehaltserhöhung. Entsprechende Grenzwerte will Lindner nun nach oben verschieben.

Mein Kollege David Böcking hat in seiner Analyse  detailliert aufgelistet, um welche Beträge es geht und warum Lindner glaubt, die Gutverdiener nicht zu schonen. Das hängt auch mit der Erhöhung des Kindergelds zusammen. Um 14 Euro monatlich – von gegenwärtig 219 Euro für das erste und zweite Kind auf 233 Euro für die ersten drei Kinder – will Lindner den Betrag ab kommendem Jahr erhöhen, zudem soll die Freibetragsgrenze steigen. Familien also – so Lindners Argumentation – würden über die Maßen von seinen Maßnahmen profitieren.

Interessant ist allerdings, dass nicht nur die CDU und die Linken (Koalition der Schmerzen) von einem »Lindner-Plan« sprechen und nicht von einem »Regierungsplan«, sondern auch der Koalitionspartner, die Grünen. Während SPD-Co-Chef Lars Klingbeil Zustimmung signalisierte, schimpfte Grünenfraktionsvize Andreas Audretsch, hohe und höchste Einkommensgruppen würden »mehr als dreimal so viel erhalten wie Menschen mit kleinen Einkommen, welche die Entlastungen jetzt eigentlich am dringendsten brauchen«. Lindners Entlastungspaket sei nicht »auf der Höhe der Zeit«, kritisiert auch die finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Beck. Überhaupt wirken die steuerlichen Erleichterungen angesichts der finanziellen Herausforderungen, die viele schon jetzt und noch mehr ab Herbst mit steigenden Heizkosten zu meistern haben, ein wenig wie ein Trostpflaster.

Beim Belasten ist die Regierung jedenfalls einiger als beim Entlasten. Erst vor sechs Tagen hat die Bundesregierung die sogenannte Gasumlage beschlossen. Mit der Umlage sollen Unternehmen, die Gas aus Russland importieren, Zusatzkosten durch die Beschaffung von Gas aus anderen Quellen an ihre Kunden weitergeben können. Bei einem durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden können die Mehrkosten allein aus der Umlage bis zu 1000 Euro jährlich betragen – die anderen Preiserhöhungen der Versorger sind dabei noch nicht mal mitgerechnet. In vielen Haushalten dürften sich die Heizkosten ab dem Herbst vervierfachen. Ob da 14 Euro mehr Kindergeld wirklich eine spürbare Entlastung sind? Der Präsident des thüringischen Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, rechnet wegen der hohen Energiepreise im Herbst und Winter schon mit Krawallen. Die Coronaproteste seien dagegen »eher ein Kindergeburtstag« gewesen. Aber wie sagte Lindner schon 1997 als ambitionierter Jungunternehmer: »Ran an die Arbeit, Arbeit bewältigen, Probleme sind nur dornige Chancen.«

3. Die verpeilten Staaten von Amerika

Es waren spektakuläre Bilder. Die Sirenen der Polizeifahrzeuge färbten die Mauern des Anwesens in Mar-a-Lago in Florida in Rot und Blau. Der Hausherr weilte in New York. Als das FBI am Winterwohnsitz des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump anrückte, um nach widerrechtlich entwendeten Unterlagen aus dem Weißen Haus zu suchen, schien das Schicksal von Trump besiegelt. Der hatte immer wieder kokettiert, bei der kommenden Wahl erneut anzutreten. Doch nach dieser Aktion – so Beobachter – sollten seine Chancen auf Erfolg rapide sinken. Würde gar eine Anklage wegen des Sturms auf das Kapitol folgen, könnte sein Traum von einer zweiten Amtszeit endgültig zerplatzen.

Entsprechend nervös zeigt sich seine republikanische Partei. Und das »seine« ist in diesem Fall wörtlich gemeint. Längst hat Trump sich die Grand Old Party untertan gemacht. Kaum jemand distanziert sich, die überwiegende Mehrheit schwenkte auf seinen populistischen Kurs ein. Entsprechend harsch fielen die Reaktionen auf die FBI-Razzia aus. Der Gouverneur von Florida Ron DeSantis witterte eine Verschwörung, das »Regime« in Washington habe Bundesbeamte in Marsch gesetzt, um einen politischen Gegner zu verfolgen. Sein Tweet gipfelte in dem Wort »Bananenrepublik«. Das Justizministerium sei an einem Punkt angekommen, »an dem es zu einer unerträglichen politischen Waffe geworden ist«, polterte der Fraktionschef der Republikaner im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy. Und Trumps Vizepräsident Mike Pence sprach von einer »beispiellosen Aktion« des FBI. Mein Kollege René Pfister ging der Empörung auf den Grund. Denn sie ist in weiten Teilen geheuchelt. Vielen führenden Republikanern scheint ungewiss, ob ihr Idol wieder ins Rennen um das höchste Staatsamt gehen wird oder kann. Und wenn nicht, möchten sie selbst kandidieren – und dürfen es sich daher nicht mit der Anhängerschaft des Populisten verscherzen.

Blöd nur, wenn sich die geheuchelte Empörung über die US-Justiz als Bumerang erweist. Mein Kollege Marc Pitzke lebt seit mehr als 20 Jahren in den USA – er vergisst nichts. Sofort erinnerte er sich an einen Tweet, den Pence am 28. Oktober 2016 absetzte: »@realdonaldtrump und ich loben das FBI für die Wiederaufnahme einer Untersuchung in Bezug auf Clintons persönlichem E-Mail-Server, weil niemand über dem Gesetz steht.« Der Tweet ist bis heute nicht gelöscht.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

(Sie möchten die »Lage am Abend« per Mail bequem in Ihren Posteingang bekommen? Hier bestellen Sie das tägliche Briefing als Newsletter.)

Podcast Cover
__proto_kicker__
__proto_headline__

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Neuer Wirtschaftsweiser fordert höheres Renteneintrittsalter: Er ist kaum einen Tag in seiner neuen Funktion als Wirtschaftsweiser tätig – und schon meldet sich Martin Werding zu Wort: mit Vorschlägen, die für Beschäftigte und Rentner spürbare Folgen hätten.

  • Facebook gab private Chats von 17-Jähriger an die Polizei: Im US-Bundesstaat Nebraska wird gegen eine Minderjährige und ihre Mutter wegen einer mutmaßlich verbotenen Abtreibung ermittelt. Zentrales Beweismittel sind wohl Nachrichten, die Facebook herausgeben musste.

  • Shisha als Brandursache an der Bastei? Vier Verdächtige ermittelt: Mitte Juli war nahe der Basteibrücke ein Feuer ausgebrochen. Nun werden vier Männer verdächtigt, den Brand fahrlässig ausgelöst zu haben. Ihnen droht eine Gefängnisstrafe.

  • Fachleute warnen vor massivem Eisverlust in der Ostantarktis: Das Eis der Ostantarktis galt lange als besonders widerstandsfähig gegen den Klimawandel. Doch auch es schwindet. Eine Studie zeigt: Gelingt es nicht, die Eismassen zu sichern, droht große Gefahr.

  • »Den größten Titel kann man nicht gewinnen, er wird verliehen von den Fans«: Ein Fußballer, der nicht nur ein Star ist, sondern Vorbild? Er war so einer: »Uns Uwe« Seeler. Im Hamburger Volksparkstadion wurde mit einer Trauerfeier dieses legendären Sportlers gedacht.

Meine Lieblingsgeschichte heute:

Das ist nicht Oliver Trenkamp!

Das ist nicht Oliver Trenkamp!

Foto:

Zeljko Dangubic / imago/Westend61

Es wird wieder wärmer, morgen sollen in Hamburg 29 Grad werden, am Freitag 30 Grad. Wäre mein Kollege Oliver Trenkamp nicht im Urlaub, würde er – wie jeden Freitag – wieder mit Krawatte vor seiner Teams-Kachel sitzen. Weil: Friday ist Tie-Day. Es ist sein Konter-Statement gegen den »Casual Friday«. Vielleicht trägt er das Utensil sogar im Urlaub, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall sollte er – und Sie natürlich auch – das schöne Interview meiner Kollegin Katharina Hölter mit Antonella Giannone lesen, Professorin für Modetheorie, -geschichte und Bekleidungssoziologie. Sie sagt nämlich, dass sich unser Kleidungsstil im Arbeitsumfeld signifikant gewandelt hat. Sie ahnen es: coronabedingt. Inzwischen sei jeder Tag »Casual Day«. Oli müsste dementsprechend jetzt also jeden Tag Krawatte tragen. Jeder leistet Widerstand auf seine Weise.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

  • Was Johannes Kahrs mit dem Kanzler verbindet – und was nicht: Woher stammen die mehr als 200.000 Euro im Schließfach des früheren SPD-Abgeordneten Kahrs? Welche Rolle spielt er im Cum-ex-Skandal? Fragen, die nun auch für Olaf Scholz unangenehm werden könnten .

  • Der Court ist längst zu klein für sie geworden: Dass Serena Williams bald nicht mehr auf den Tennisplätzen dieser Welt stehen wird, ist eine Zäsur. Sportlich hat sich die Szene von ihr emanzipiert. Als ikonische Figur aber bleibt die 40-Jährige einzigartig. 

  • Das Sparrad: Wer E-Bike statt Auto fährt, hält in Zeiten kaum gebremster Teuerung sein Geld zusammen. Hersteller NCM hat gar ein wahres Günstig-Pedelec im Programm. Genügt es zumindest niedrigen Ansprüchen? 

  • »Klischees in der Mode sind gefährlicher, als man denkt«: Holger Hähle mag es untenrum gern luftig. Frauen können alles anziehen, sagt der Biologe, Männer müssen sich erst noch emanzipieren. In manchen Situationen bevorzugt er aber nach wie vor Hosen .

Was heute weniger wichtig ist

  • Tour de Trance: Ganz im Liebestaumel ist derzeit der frühere Radrennstar Lance Armstrong. Nach 14 Jahren Beziehung hat der US-Amerikaner seine Lebensgefährtin Anna Hansen geheiratet. Auf Facebook veröffentlichte Armstrong Fotos der Zeremonie und bekannte, dass Hansen ihm das Leben gerettet habe. Armstrong litt zwischenzeitlich an Krebs, wurde des systematischen Dopings überführt und verlor infolgedessen alle seine Titel. »Anna, du warst in den letzten 14 Jahren mein absoluter Fels in der Brandung, und ich muss ganz klar sagen, dass ich sie ohne dich nicht überlebt hätte. Ich bin so stolz auf das Paar, das wir geworden sind.« Armstrong ist ein enger Freund des einzigen deutschen Tour-de-France-Gewinners Jan Ullrich. Auch er hatte mehrere selbst verursachte Tiefpunkte in seinem Leben. Erst Ende letzten Jahres musste der gebürtige Rostocker in eine Klinik in Mexiko eingeliefert werden, nachdem er in einem Flugzeug die Fassung verlor. Vielleicht gelingt es Armstrong ja, auch Ullrich das Leben zu retten und ihm zu dem Glück zu verhelfen, das er nun selbst erfährt.

Tippfehler des Tages, inzwischen korrigiert: »Tschirsich fordert Konksequenzen«

Cartoon des Tages: Putins Gas

Illustration: Thomas Plaßmann

Und heute Abend?

Ich gestehe, ich bin beim Thema Radsport, Armstrong und Jan Ullrich befangen. Als Kind war ich selbst im Radsportverein, bin an Wochenenden oft auf Wettkämpfen gewesen, einmal sogar auf einem mit Jan Ullrich gemeinsam, als er 1983 mit dem Sport gerade anfing. Er startete für den SG Dynamo Rostock-West, ich für die BSG Einheit Freiberg. Es gibt Fotos, da tragen wir die gleiche »Sturzkappe«, wie die Helme damals hießen. Ich war daher immer fasziniert von Ullrichs Karriere, war erschüttert, als die Dopingvorwürfe Gewissheit wurden, litt, als Ullrich das Leben aus der Hand glitt und er unter Alkohol- und Drogeneinfluss immer häufiger ausfällig wurde.

Ich will Ihnen daher gern die viel gelobte ARD-Dokumentation »Being Jan Ullrich«  der Autoren Ole Zeisler und Uli Fritz ans Herz legen. Mein Kollege Peter Ahrens schrieb darüber : »An Jan Ullrich war alles groß. Der Triumph, die Abgründe, das Drama. Wie kann man die Geschichte von Jan Ullrich ignorieren, ohne selbst zum Ignoranten zu werden?« Die Reihe ist seit Ende Juni in der Mediathek zu sehen, es sind fünf Folgen, keine länger als 30 Minuten, sie zeichnen Ullrichs Anfänge nach und schonen ihn auch nicht bei der Beschreibung seines Absturzes. Wie auch immer Sie zu Ullrich stehen, sich diese außergewöhnliche Doku anzusehen, lohnt sich auf jeden Fall! Peter urteilte in seinem Text: »Es ist auch eine Geschichte über Deutschland.« Und am Ende zeigt die Doku auch, dass die ARD eben mehr zu bieten hat als Schlesinger und Einrichtungsorgien für knapp 1,5 Millionen Euro, sondern vor allem wunderbaren Journalismus mit solch famosen Nahaufnahmen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Janko Tietz

Hier können Sie die »Lage am Abend« per Mail bestellen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.