Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


wie viel Radikalität darf es sein? Um diese Frage wird es gehen, wenn sich heute die Grünen in Berlin zu ihrem Parteitag treffen. Wann soll der letzte Verbrennungsmotor zugelassen werden? Wie lange dürfen Kohlekraftwerke noch rauchen? Der linke Parteiflügel wünscht sich möglichst konkrete Ansagen, die Realos und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann finden das völlig unnötig.

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Heft 24/2017
Wie Paare friedlich auseinandergehen

Kretschmann hat sich gerade privat einen neuen Diesel gekauft. Und was Wahlprogramme angeht, denkt er wie die Kanzlerin: Warum sich Ärger einhandeln, wenn man auch so regieren kann?

REUTERS

Brexit aus Schwäche

Es gibt eine Entschlossenheit, die auf Schwäche gründet. Am kommenden Montag werden die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der EU beginnen, es werden die wohl kompliziertesten Gespräche in der Geschichte der Diplomatie. Die britische Premierministerin Theresa May hätte gut daran getan, sich erst einmal auf der Insel neu zu sortieren. Der Aufstand bei den Tories nach den verlorenen Parlamentswahlen ist noch nicht abgeflaut, und niemand weiß, ob May ihn überlebt. Doch nun will sie zeigen, dass sie noch Herrin der Lage ist. Nur kommt dabei leider die Vernunft unter die Räder.

DPA

Toter Indianer, guter Indianer

Ralf Stegner hat in den vergangenen Wochen viele Prügel einstecken müssen. Sein bisweilen übellauniges Gesicht wurde von noch übellaunigeren Genossen zum Symbol der ganzen Misere der SPD erklärt. Nun haben meine Kollegen Marc Hujer und Michael Sauga den stellvertretenden SPD-Chef für den neuen SPIEGEL interviewt. Sie erlebten einen Mann, der sich nicht die Laune verderben lässt. Stegner sagte: "Es ist in der Politik so. Sie werden in ihrem Leben zweimal uneingeschränkt positiv gewürdigt: Wenn sie zurücktreten und wenn sie gestorben sind."

Lernen aus der Geschichte

Kann man aus der Geschichte lernen? Und wenn ja, was? Mit dieser Frage beschäftigt sich das History Forum der Körber-Stiftung heute und morgen auf einer Tagung im Berliner Humboldt Carré. Angesagt haben sich der ehemalige Außenminister Joschka Fischer, Finanzminister Wolfgang Schäuble und Wolfgang Ischinger, der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz. Mit ihm und drei Nahost-Experten diskutiert mein Kollege Dietmar Pieper über die Frage, ob der Westfälische Friede von 1648 ein Vorbild für die Befriedung des Nahen Ostens sein könnte. Wenn Sie zuhören möchten: Wir haben einige Freikarten für Sie zur Seite gelegt. Schicken sie einfach eine E-Mail an: spon.assistenz.berlin@spiegel.de

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

AFP

Gewinner des Tages...

... ist Frank-Walter Steinmeier. Viele haben schon ganz vergessen, was der ehemalige Außenminister den ganzen Tag so treibt. Zur Erinnerung: Vor vier Monaten wurde Steinmeier zum neuen Staatsoberhaupt gewählt, danach verschwand er. Keine Rede, keine Ermahnung, nicht mal ein Grußwort, das für größere Aufregung gesorgt hätte. Nun endlich die Schlagzeile: Der Personalrat im Präsidialamt ist mit einem großen Knall zurückgetreten. Ihm passt offenbar nicht, dass Steinmeier einige alte Bekannte im Schloss Bellevue untergebracht hat. Das ist irgendwie peinlich. Aber man kann die Sache auch so sehen: Schlechte Nachrichten sind besser als gar keine.

Einen schönen Tag wünscht,

René Pfister

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
herbert 16.06.2017
1. Deutschland braucht keine grünen Politiker
Die Leistungsbilanz der Überalldagegenpartei die Grünen sind mit Pleiten, Pech und Pannen zu bezeichnen und die Wahlergebnisse bestätigen das sehr genau. Zudem sind die politischen Führungsfiguren der Grüenen einfach nur lächerlich!
StefanZ.. 16.06.2017
2. Erscheinungsbild der Grünen sehr prägnant formuliert
Als Ex-Grünenwähler finde ich es zutiefst traurig, wie weit die Partei sich bereits von ihren ehemaligen Hauptzielen und Grundsätzen entfernt hat. Es scheint wirklich so, daß man mittlerweile vor allem drauf bedacht ist im Politgeschäft mitschwimmen zu können. Richtig, die Kanzlerin macht es vor, nur fleißig vor sich hin wursteln, öffentlich so wenig wie möglich konkretes sagen und versprechen. Und mangels Herz und Idee bei der Konkurrenz, kommt man in dieser Zeit sogar mit dieser entmündigenden Politik durch. Bitte keine Visionen, Ambitionen, nur keine neuen Wege. Kretschmann kauft einen neuen Diesel, während ein ernsthafter Umweltschützer sich zur Rettung des Klimas um den schnellstmöglichen Ausstieg aus dem Öl- und Kohlezeitalter kümmern sollte – das wäre nämlich in 10 Jahren machbar.
i.dietz 16.06.2017
3. Guten Morgen
Der politische Selbstmord der Grünen ist nicht mehr zu stoppen ! Zuviel Gender- und Blockiererpolitik verträgt der Wähler eben nicht mehr ! Längst überfällig: Austausch des Führungspersonals ! Das gleiche Problem haben die Spezialdemokraten: überall "alte" Köpfe mit alten Ideen und daher unglaubwürdig !
Braveheart Jr. 16.06.2017
4. Ich glaube nicht ...
... daß die Position der EU in den Brexit-verhandlungen dadurch beeinflußt wird, wer für Großbritannien spricht. Die EU kann nicht anders als auf einem "harten" Brexit bestehen, alles Andere würde sie zerreißen (z.B. würde Polen und Ungarn aufbegehren, daß ihre Null-Immigration-Politik vom Rest der EU verurteilt wird, während man GB in dieser Frage Zugeständnisse macht). Auch in der Frage, in welchem Umfang das Königreich seinen vertraglichen Verpflichtungen im Rahmen des EU-Haushalts nachkommen muß, gibt es wenig Spielraum; Polen will z.B. bis 2020 ca. 80 Mrd. aus dem EU-Topf abgreifen, da wird Warschau sich sehr hartleibig zeigen. In jedem Fall wird das Ergebnis der Brexit-Verhandlungen den Briten nicht schmecken. Und dann gilt: "No deal is better than a bad deal!".
hevopi 16.06.2017
5. Die Grünen waren gestern
und werden von Menschen gewählt, die unsere Entwicklung der letzten Jahre einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Es geht nicht mehr um die früheren Ideale (Umweltschutz), sondern nur noch um Punkte für "Verhinderungspolitik". Vielleicht wäre für die nächsten 10 Jahre eine Quote unter 5 % besser, dann kann man sich ja mit neuen, engagierten Mitarbeitern neu bewähren.
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