Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,

seit mehr als zwei Jahren hängt die Russlandaffäre wie eine Gewitterwolke über Donald Trump. Vergangene Woche zählte die "New York Times" über hundert Kontakte von Trump und dessen Verbündeten zu Russland - Treffen, E-Mails, Textnachrichten, allein im Zeitraum zwischen Kandidatur und Amtseinführung.

Inzwischen hat Sonderermittler Robert Mueller 34 Verdächtige angeklagt, darunter Trumps früheren Wahlkampfchef Paul Manafort. Bald könnte Muellers Bericht veröffentlicht werden. Im Zentrum von Trumps Russlandaffäre steht fast seit Beginn ein geheimnisvolles Dossier, das der britische Ex-Spion Christopher Steele zusammengetragen hat. Seine Mutmaßungen hängen dem Präsidenten bis heute nach. Meine Kollegen Christoph Scheuermann und Jörg Schmitt haben für den SPIEGEL die Geschichte des Dossiers nachgezeichnet  und stellen fest - vieles davon hat sich bewahrheitet.

Foto: [M]; Nicholas Kamm/ AFP; Mikhail Klimentyev/ AP

INF-Abrüstungsvertrag

Wer im Deutschland der Achtzigerjahre gelebt hat, kann sich noch daran erinnern: Sirenen wurden getestet für den Atomalarm, im Kino lief der Kriegsfilm "The Day After", Hunderttausende demonstrierten gegen Raketen, die Gefahr eines nuklearen Angriffs schien allgegenwärtig. Und heute?

Nach einer Phase der relativen Ruhe kehren die alten Geister zurück: Mit dem Ausstieg der US-Regierung von Präsident Donald Trump aus dem INF-Abrüstungsvertrag droht ein neues Wettrüsten, an dem sich neben den USA, Russland und China diesmal auch kleinere Staaten beteiligen könnten. Im neuen SPIEGEL erklärt ein Team von Redakteuren , was das für die Welt bedeutet - gerade auch für Europa und Deutschland. Schon heute verfügt etwa ein Dutzend Staaten über eigene Mittelstreckenraketen, die Arsenale wachsen rasant. Militärstrategen planen regional begrenzte atomare Konflikte, Nuklearwaffen scheinen kein Tabu mehr zu sein. Die neue Generation von Atomraketen lässt sich nur noch schwer abfangen, die Vorwarnzeiten werden so kurz, dass der Mensch kaum mehr eingreifen kann. Keine schöne neue Welt.

Gorch F*ck

"Gorch Fock" (Archiv)

"Gorch Fock" (Archiv)

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Es ist ein armseliger Anblick: Die "Gorch Fock", der einstige Stolz der Marine liegt in einem Trockendock in Bremerhaven in seine Einzelteile zerlegt. Der Reparaturpreis hat sich von zehn auf 135 Millionen Euro verdreizehnfacht. Die Rechnung darf der Steuerzahler begleichen. Wie konnte es zu diesem Skandal kommen? Ein Team von SPIEGEL-Redakteuren ist dem Fall nachgegangen. Ihr Fazit: Die Instandhaltung der "Gorch Fock" liefert Anschauungsmaterial für die Abgehobenheit einer Beamtenelite, die jedes Augenmaß zu verlieren scheint, wenn prestigeträchtige Rüstungsprojekte zu verhandeln sind. Zugleich steht sie für die Unmöglichkeit, den logistischen und bürokratischen Koloss namens Bundeswehr in Schach zu halten. Den Bericht lesen Sie hier .

Im Video: SPIEGEL-Redakteur Matthias Gebauer erklärt, wie die Reparatur der "Gorch Fock" zum Desaster werden konnte und welche Konsequenzen die Affäre für Verteidigungsministerin von der Leyen hat.

REUTERS

"Die Fußballmafia ist überall"

Drei Jahre lang erschütterte er unter dem Decknamen John das Fußballbusiness. Seine Daten sorgten für spektakuläre Enthüllungen und führten europaweit zu zahlreichen Ermittlungsverfahren. Über 70 Millionen Dokumente, viele davon als streng vertraulich markiert, übergab er dem SPIEGEL, der das Material mit dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) teilte. Nun steht John nach seiner Festnahme in Ungarn vorvergangene Woche unter Hausarrest. Er ist 30 Jahre alt und heißt mit bürgerlichem Namen Rui Pinto. Der SPIEGEL ist gemeinsam mit einem Team des NDR und einem Reporter des französischen Investigativportals Mediapart nach Budapest gereist und hat ihn interviewt. Entstanden ist so ein eindringliches Gespräch  über sein Leben in der Anonymität, die Sprengkraft seiner Dokumente und die Vorwürfe, er sei ein Hacker. "Die Fußballmafia ist überall", sagt Pinto.

Rui Pinto

Rui Pinto

Foto: Maria Feck/ DER SPIEGEL

Kinos in der Krise

Gut 1700 Kinos gibt es in Deutschland, sie stecken in der größten Krise seit Jahren. Die Besucherzahlen sind stark rückläufig, 2018 wurden in Deutschland nur rund hundert Millionen Tickets verkauft, das ist ein Schwund von über 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von fast 30 Prozent gegenüber 2015. In anderen Ländern gab es 2018 Rekordeinnahmen. Woran liegt das? Und was tun die Kinos dagegen? Mein Kollege Lars-Olav Beier hat sich auf einer Reise durch die deutsche Kinolandschaft  umgehört. Eine seiner Erkenntnisse: Die Kinokrise führt zu einer Renaissance des Kinoerlebnisses. Allerdings immer öfter ohne Film. Bei der Übertragung von Giuseppe Verdis Oper "La Traviata" aus der New Yorker Met kamen im Dezember an einem einzigen Abend 42.000 Zuschauer in rund 230 deutsche und österreichische Kinos, bei Preisen von fast 30 Euro pro Ticket.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr Roland Nelles