Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


am Persischen Golf spitzt sich die Lage nach dem Angriff auf zwei Tanker weiter zu. Die USA haben den Zerstörer "USS Mason" in das Gebiet geschickt. Das Schiff sei auf den Weg dorthin, wo die beiden Tanker angegriffen worden seien, teilte das US-Militär mit. Der Zerstörer "USS Bainbridge" stehe zudem in engem Kontakt mit einem der beschädigten Tanker, der "Kokuka Courageous". Man habe zwar kein Interesse an einer Einbindung in einen neuen Konflikt im Nahen Osten. Das Militär sei aber bereit, US-Interessen zu verteidigen, etwa das der freien Schifffahrt. Die USA machen Iran für die Angriffe verantwortlich.

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Heft 24/2019
Sprengkommando Kühnert - warum SPD und GroKo den Juso-Chef fürchten müssen

Die Krise ist ein Problem für Donald Trump. Der US-Präsident weiß, dass seine Wähler eigentlich keinen militärischen Konflikt mit Iran wollen, er selbst hat darauf auch wenig Lust. Das hat er in den vergangenen Wochen immer wieder betont. Gleichzeitig muss er aber auch seinen Ruf als starker Mann verteidigen. Das macht die Sache so gefährlich: Jeder Vergeltungsschlag der Amerikaner gegen Iran könnte schnell zu einem großen Krieg führen. Die Vereinten Nationen, Deutschland und Großbritannien warnten vor einer Eskalation. Die Welt könne sich keine große Konfrontation in der Golfregion leisten, sagte Uno-Generalsekretär António Guterres.

Der US-Präsident hat schon wieder Personalprobleme

Kevin Lamarque/ REUTERS

Eine der wichtigsten Beraterinnen von US-Präsident Donald Trump, Kellyanne Conway, wird vom Ethikbeauftragten der Regierung beschuldigt, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben, das es Bundesangestellten untersagt, in ihrer offiziellen Funktion in Wahlkämpfen mitzumischen. Conway habe sich vom Weißen Haus aus mehrfach in TV-Interviews und über Social Media abfällig über demokratische Präsidentschaftsbewerber geäußert, was Behördenmitarbeitern nicht gestattet sei, so der Beauftragte.

Zugleich wurde bekannt, dass der Präsident seine Pressesprecherin verliert. Sarah Huckabee Sanders geht mit ihrem Mann und ihren kleinen Kindern zurück in ihren Heimatstaat Arkansas, wo sie womöglich als Gouverneurin kandidiert. Sanders war für Trump Gold wert, denn so wie Trump hat sie nachfragende Reporter zurechtgewiesen, von "Fake News" gesprochen und jede Kritik am Präsidenten wie eine Majestätsbeleidigung behandelt. Ein großes Geheimnis verbirgt sich nicht hinter ihrem Abschied, er erfolgt wohl vor allem aus privaten Gründen und war schon länger erwartet worden. Wer sie ersetzt, ist noch offen.

SPD-Frauen fordern Doppelspitzen

Filip Singer / EPA-EFE / REX

Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) fordert, ab sofort sämtliche Gliederungen der SPD von je einem Mann und einer Frau führen zu lassen. Das Prinzip müsse in der Parteisatzung verankert werden und künftig "auf allen politischen Ebenen" der Partei gelten, heißt es in einem ASF-Beschluss. Die Doppelspitze solle "vom Ortsverein über die Kreisverbände, Bezirksverbände und Landesverbände bis hin in die Bundestagsfraktion Regel sein", sagte die Vorsitzende der ASF, Maria Noichl, dem SPIEGEL.

Die Sozialdemokratinnen erhöhen damit den Druck auf die Interimsvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel, Malu Dreyer und Manuela Schwesig. Das Trio will am Montag mit dem Parteipräsidium Beratungen über das Verfahren zur Kür der künftigen SPD-Spitze führen; am 24. Juni soll es der Vorstand beschließen. Der Ruf nach Doppelspitzen ist parteiintern umstritten. Im Landesverband Nordrhein-Westfalen gilt die Idee als problematisch; auch der Hesse Schäfer-Gümbel warnte kürzlich, Doppelspitzen seien kein Selbstzweck. Die ASF fordert in ihrem Beschluss zudem eine Urwahl für die Parteispitze allein durch SPD-Mitglieder, getrennte Geschlechterlisten sowie eine Bewerbungsfrist für Kandidatinnen und Kandidaten. Ein Vorziehen des für Anfang Dezember geplanten Parteitags lehnt die ASF ab.

Merkel besucht Mieter

Allison Dinner / AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will heute als Gastrednerin bei der Jahresversammlung des Deutschen Mieterbundes in Köln sprechen. Das wird interessant: Die steigenden Mieten und der knappe Wohnraum in Deutschland sind das Aufregerthema, vor allem in Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg. Merkel dürfte bei ihrem Auftritt einigen Unmut der Mieter-Vertreter zu spüren bekommen. "Wir brauchen dringend bezahlbare Wohnungen", sagt der scheidende Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips und setzt damit schon einmal den Ton. "Die Menschen verlieren die Hoffnung, dass Politik willens und in der Lage ist, tatsächlich vorhandene Probleme zu lösen."

Rezo trifft Böhmermann

Julia Hütner/ZDF/ DPA

Vor gut drei Wochen hat der Influencer Rezo mit seinem 55-Minuten-Video "Die Zerstörung der CDU" der christdemokratischen Partei und auch fast allen anderen Parteien ordentlich die Leviten gelesen. Nun war er in der Sendung von Moderator Jan Böhmermann erstmals zu einem längeren TV-Interview zu Gast. Mein Kollege Christian Buß hat sich die Show angeguckt. Sein Fazit: "Böhmermann wollte herausfinden, wie dieses disruptive, komplett ungeplante Zusammenwirken von Rezo und den Medien passieren konnte. Rezo wollte zeigen, dass er nur ein ganz normaler, blauhaariger Influencer-Typ ist." Hier geht es zu der TV-Besprechung.

Was wird aus Julian Assange?

Matt Dunham / AP

Im Ringen um die Auslieferung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange steht heute erneut ein wichtiger Termin an. In London prüfen Richter den Auslieferungsantrag der USA für Assange. Der Australier wird daran wohl per Videoschalte aus dem Gefängnis teilnehmen. Die britische Regierung hat das Auslieferungsersuchen bereits zugelassen, nun muss das Gericht darüber entscheiden. Die USA werfen Assange vor, der amerikanischen Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen.

Gewinner des Tages...

Dieter Mayr/ DER SPIEGEL

... ist Jan Fleischhauer. Nicht, weil er nach vielen Jahren beim SPIEGEL zu einem Magazin in München wechselt, das ist seine Sache. Gewinner ist er, weil er in den vergangenen Jahren etwas getan hat, was vorbildlich ist: Er hat immer geschrieben, leidenschaftlich, bei Wind und Wetter, bei Tag und Nacht. Allein 438 Kolumnen sind so erschienen, seine letzte für SPIEGEL ONLINE können Sie hier nachlesen.

Wer selbst schreibt, weiß, was das für eine Arbeit ist, wieviel Anfänge verworfen, Schlusspointen umgeschrieben und Dinge überprüft werden müssen. Oft rief er aus dem Urlaub an, um eine Idee zu besprechen, Leitungen brachen zusammen, Dokumentare verzweifelten, aber die Kolumne erschien trotzdem. Man muss mit Fleischhauer nicht einer Meinung sein, wirklich nicht, aber er hat wenigstens eine, und er hat keine Scheu, sie aufzuschreiben.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
StefanZ. 14.06.2019
1. Gewisse Geheimdienste werden immer dreister
So wie Herr Fleischhauer, so habe auch ich eine klare Meinung, hier zu dem letzten bizarren Verbrechensvorfall und möchte diese meine Meinung hier gerne mitteilen. Es ist für mich als Normalbürger nur noch schwer erträglich wie weit Dienste gewisser Staaten gehen, um zwischenstaatliche Beziehungen zu zerstören, um künstliche Ängste zu schüren, um Kriegsgründe zu inszenieren. Diese Dreistigkeit geht auch davon aus, daß der Masse der Bevölkerungen ihr logisches Denken schon abhanden gekommen ist. Nach meiner Meinung mich fallen die grob unlogischen Vorfälle vom Chemiewaffeneinsatz durch Regierungstruppen in Syrien nach vorherigem Vernichten dieser Waffenkategorie, der Mordversuch an einem Ex-Spion in Rente oder auch das schamlose Verwenden des berüchtigten Steele-Dossiers alle in die gleiche völlig Scham- und Gewissensbefreite Kategorie von menschlicher Ausartung.
Hibiskus 14.06.2019
2. Fleischhauer
Gewinner sind diejenigen Leser, die froh sind, dass Fleischhauer nicht mehr für den Spiegel schreiben wird. Hoffentlich wird nicht jemand sein Nachfolger, der so eine ähnliches Weltbild hat wie er.
haresu 14.06.2019
3. Gewinner?
Nein! Nachlesen? Niemals! Er hat wenigstens eine Meinung? Nein, tut mir leid, auch das nicht. Also vielleicht hat er eine, seine Kolumnen aber waren vor allem beifallheischend. Opportunistisch, populistisch, bösartig verkürzend, Vorurteile fördernd, spaltend und von all dem profitierend. Seine Anhänger mögen ihm Ausweis sein.
Alternator 14.06.2019
4. Sehe ich anders
Trump hat ein Iran-Problem? Die Welt hat jetzt ein Trump-Iran-Problem! Trump kommt es eher gelegen, dass es eine Gelegenheit für ihn gibt, sich auf die Brust trommelnd den Feldherren zu spielen, jetzt, wo das Wort "Impeachment" immer lauter in den Nachrichten wird und die Untersuchungskomissionen die ganzen kleinen und großen Sauereien seiner Unterstützer ans Tageslicht bringen. Nicht kann ihm jetzt besser helfen, als eine Krise, die "gute Patrioten" in Pathos vereint gegen einen gemeinsamen Gegner anstehen lässt, und die Berichterstattung über sein korruptes Team von der ersten Seite verdrängt. Iran war für ihn der leichteste Knopf, auf den er drücken konnte, um eine Krise anzutriggern, die so etwa leisten würde. Sie reagieren scheinbar genau so, wie es in diesen Polt passen würde. Sie sind sehr berechenbar in ihrer Aggression.
vormaerz 14.06.2019
5. Fleischhauer
Wenn "eine Meinung haben" schon ein Wert an sich ist, verzweifeln Dokumentare vielleicht am ehesten daran, Rechtfertigungen für misogynes Geschreibsel zu konstruieren. Selten hat jemand, der seine Texte zusammenassoziiert, dermaßen den Sprachstil der "neuen" Rechten in einem, manche sagen auch daher "ehemaligen" Nachrichtenmagazin, propagiert. Gut, dass er hingeht, wo er eher hingehört, für Focus-Autoren gehört das Zusammenstoppeln von mit Vorurteilen und übertriebenen Verallgemeinerungen getragenen Texten ja eher zur Basisqualifikation. Wobei Tichys Eingemachtes oder Compact als neuer Arbeitgeber am adäquatesten gewesen wären.
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