Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


die Nachrichten aus Texas sind dramatisch. Zehntausende Menschen sind evakuiert worden, mehr als ein Dutzend gestorben, die Millionenstadt Houston ist zu weiten Teilen überflutet, die Schäden belaufen sich auf mehr als 40 Milliarden Dollar - und es gießt weiterhin in Strömen. Der Sturm "Harvey" wütet nun seit sechs Tagen in Folge in der Gegend.

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Heft 35/2017
40 Jahre Deutscher Herbst - Der einstige RAF-Mann Peter-Jürgen Boock über Terror damals und heute

Obwohl die Rettungsarbeiten noch im Gang sind, hat Präsident Trump die Krisenregion mit seiner Frau Melania besucht. Trump verzichtete auf jede Demonstration von Anteilnahme, ließ die Texaner wissen, dass alles wieder gut werde - und freute sich vor allem über die paar hundert Anhänger, die ihn jubelnd begrüßten. Trump will offenbar mit aller Macht beweisen, dass er sich des Sturms persönlich annimmt und damit die Fehler von George W. Bush vermeiden: Der wirkte 2005 beim Hurrikan "Katrina" ziemlich desinteressiert und seine Beliebtheitswerte erholten sich davon nie mehr. Lesen Sie auf SPIEGEL ONLINE die umfassende aktuelle Berichterstattung zu dem Thema.

Kims Rakete

KCNA/REUTERS

Die Krise um Nordkorea hat sich noch einmal verschärft: Herrscher Kim Jong Un ließ eine Rakete über japanisches Festland hinweg ins Meer feuern und löste damit in Tokio einen gewaltigen Schock aus. US-Präsident Trump betont einmal mehr, alle Optionen lägen auf dem Tisch - auch militärische. Doch die militärischen Drohgebärden aus den USA lösen in der Region Ängste aus, die Sorge vor einem versehentlichen Krieg mit schrecklichen Folgen steigt - und damit auch die Bereitschaft, mit Nordkorea zu verhandeln. Das wäre nicht das Schlechteste, denn eine gute Lösung gibt es ohnehin nicht und eine militärische schon gar nicht. Ein Krieg würde zu Hunderttausenden, wenn nicht gar Millionen Toten führen.

DER SPIEGEL live mit Sigmar Gabriel

DPA

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat heute ein dichtes Programm vor sich. Vormittags besucht er in Paris Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und spricht bei der Jahreskonferenz der französischen Botschafter. Am Abend kommt er zu uns nach Hamburg für ein Gespräch in der Reihe DER SPIEGEL live. In unserem Foyer an der Ericusspitze wird er ab 18 Uhr mit SPIEGEL-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer und Auslandsressortleiterin Britta Sandberg sprechen - über sein neues Amt, aber natürlich auch über den Wahlkampf. Resttickets für die Veranstaltung sind unter diesem Link und auch an der Abendkasse erhältlich. Das Gespräch wird auch live gestreamt werden, auf unserer Homepage und über Facebook Live.

Sag mir, was ich wählen soll

DPA

Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bestreiten ausdrücklich, dass der Wahlkampf langweilig sei. Ein eindeutigeres Zeichen dafür, dass der Wahlkampf tatsächlich langweilig ist, gibt es übrigens nicht. Ab heute ist nun immerhin wieder Wahl-O-Mat-Zeit. Die Bundeszentrale für politische Bildung schaltet ihr Wahl-Tool heute Mittag live. Es hilft Unentschlossenen bekanntlich dabei, herauszufinden, welche Partei sie eigentlich wählen wollen und stellt ihnen dazu 38 Fragen - anschließend erhält man eine Parteipräferenz angezeigt. Das ist eine nützliche Hilfestellung, um seine Positionen mit Parteien abzugleichen, aber Vorsicht: Der Wahl-O-Mat ist nicht unfehlbar. Erreichbar ist er ab der Mittagszeit unter diesem Link, aber auch auf SPIEGEL ONLINE.

Der Hadsch beginnt

AP

Heute beginnt die große muslimische Pilgerfahrt, der Hadsch. Mehr als 1,7 Millionen Muslime sind nach Saudi-Arabien gereist, um bei Mekka zu beten. Der Hadsch steht dieses Jahr im Zeichen der Verwerfungen zwischen Saudi-Arabien und Iran, sowie der Katar-Krise. Im vergangenen Jahr konnten Iraner nicht nach Saudi-Arabien reisen, weil die beiden Staaten ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen hatten. Dieses Jahr sind die Iraner dank einer Einigung zwischen den Regierungen wieder dabei. Auch die Katarer können trotz der Golfkrise am Hadsch teilnehmen. In Mekka werden die Pilger überall auf riesige Porträts des saudischen Königs stoßen und daran erinnert werden, dass Saudi-Arabien dank der Kontrolle über die heiligen Stätten über einen wichtigen Trumpf im regionalen Streit der Mächte verfügt.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Verlierer des Tages...

DPA

... ist Gerhard Schröder. Er soll nach russischen Medienberichten nicht nur Aufsichtsrat des mehrheitlich staatlichen russischen Ölkonzerns Rosneft werden, er wird nun gar als Aufsichtsratsvorsitzender gehandelt. Das ist so oder so ungeheuerlich. Ein Altkanzler, der deutsche und europäische Interessen verrät, um sich vom russischen Staat als Lobbyist kaufen zu lassen - über diesen Skandal wird leider immer noch nicht genug geredet. Schröder ist nicht irgendein Privatmann, der bei irgendeinem Wirtschaftsunternehmen anheuert: Er ist der einzige lebende Altkanzler, und er wird von Wladimir Putin aus genau diesem Grund für eine Firma eingekauft, die allein Putins politischen Zielen dient. Schröder hat sich als Reformer einst um Deutschland verdient gemacht, aber sein jetziges Verhalten ist schändlich.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Cochrane 30.08.2017
1. Schröder
ist der einzige mit Anstand, wie auch der einzige, der Eier in der Hose hat, und sich zu unseren besseren Freunden bekennt.
boba 30.08.2017
2.
daß sich Schröder "als reformer einst um deutschland verdient gemacht" hätte ist und bleiben neoliberale "fake-news"! verdient gemacht hat er sich um die beschneidung von arbeitnehmer-rechten und um die gewinne von unternehmen. für die arbeitnehmer (vor allem des unteren drittels) besteht sein verdienst in der tatsache, daß Schröder mit seiner agenda die schere zwischen arm und reich weit aufgerissen hat. kein wunder also, daß er sich selber nun an Putin verkauft: oligarchien nach russischem muster (mehr noch: eine kommando-wirtschaft nach chinesischem vorbild), in welcher das wohlergehen der arbeitenden menschen nichts und die profite alles zählen, sind der heimliche "feuchte traum" von Schröder und seinen neoliberalen spießgesellen! Schröder bei Rosneft? Passt!
StefanZ.. 30.08.2017
3. Hysterie zu allem was Russland betrifft
Wer hat hier ernsthaft die Hosen voll vor Russland? Ich finde, dass die Bundesregierung eher darüber nachdenken sollte, ob man Herrn Schroeder nicht im Nebenjob zum Botschafter in Moskau bestellt. Und das meine ich ganz im Ernst. Konstruktive Außenpolitik findet nicht mehr statt. Man beschränkt sich auf Drohen und Bestrafen. Was für Nordkorea nichts außer stetig steigender Gefahr gebracht hat muss doch für die Angriffsangst gegenüber Russland funktionieren, oder? Vielleicht sollten wir Außen- und Verteidigungsministerium gleich konsolidieren, da lassen sich doch Kosten sparen. USA, EU und Bundesregierung befinden sich in einem Überbietungswettkampf im Schlechtmachen von allem was östlich von Polen passiert. Kaum dass die letzte Runde von Extrasanktionen durch ist, wird krampfhaft an den nächsten gearbeitet. Traurig.
thequickeningishappening 30.08.2017
4. # Gerhard Schröder
Schröder ist vor allem verantwortlich für Sozialabbau und Leiharbeit, die Spaltung der SPD und deren Niedergang! Sein neuer Aufsichtsratsposten ist nicht mehr oder weniger ungeheuerlich als z.B. die Anschlussverwendung eines Herrn Barroso bei Goldman Sachs (Der war uebrigens nicht nur Ministerpräsident in Portugal sondern Kommissionspräsident der EU)!
keine Zensur nötig 30.08.2017
5. Ein wirklich schöner Morgen -
bis auf den Artikel weiter oben. Herr Rohr hat es gut - er hat ein klares Feindbild (von Trump bis Putin) und sein Tag hat damit Struktur. Dass ein ehemaliger deutscher Bundeskanzler im Aufsichtsrat eines der größten Energiekonzerne auch deutsche Interessen wahrnimmt, kann man leider mit einem klaren Feindbild nicht sehen. Dass der kleine Dicke da wieder rumpöbelt - bekannt. Dass er dazu die Raketentriebwerke aus der Ukraine bezieht wohl eher nicht. Dass die faschistische Junta in Kiew als unser Freund einem nervigen Zündelbruder beliefert ist offenbar genauso unbekannt, wie die mehrfachen Gesprächsangebote des kleinen Dicken, die durch unseren Oberchanger allesamt ignoriert wurden. Hoffe ich nur, dass nach dem Raumschiff Berlin nun nicht auch noch Hamburg in den Orbit einschwenkt.
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