Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,

in den letzten 14 Tagen vor der Stimmabgabe am 6. November erreicht der Midterm-Wahlkampf in den USA dank Donald Trump wieder das übliche Gaga-Stadium. Um eine drohende Wahlniederlage seiner Republikaner abzuwenden, verspricht Trump zum Beispiel mal eben eine zehnprozentige Steuererleichterung für Amerikaner mit mittlerem Einkommen. Wer das bezahlen soll, lässt er offen. Er droht Russland und China mit einer Aufrüstung des US-Atomwaffenarsenals. Und er nutzt den Marsch von gut 3000 Migranten, die durch Mexiko in Richtung US-Grenze ziehen, zur Angstmacherei. Unter den Migranten in der "Karawane" seien auch "Gangmitglieder" und Leute aus dem Nahen Osten, behauptet Trump. Ganz so, als stehe Amerika kurz vor einer neuen Terrorattacke.

Bei einer Kundgebung in Texas rief Trump seinen Anhängern in der Nacht zu: "Ich bin ein Nationalist. Echt jetzt, kein Quatsch." Die Menge jubelte begeistert. Aus dem letzten Wahlkampf weiß er: Je verrückter seine Behauptungen klingen, desto mehr Wirbel verursacht er - und desto begeisterter sind seine Fans.

In einer neuen Umfrage des Senders NBC und des "Wall Street Journals" sind Trumps Beliebtheitswerte gerade angestiegen: 47 Prozent der Befragten sind demnach mit seiner Arbeit zufrieden, 49 Prozent sind unzufrieden. Das ist der beste Wert für Trump in dieser Befragung seit Beginn seiner Amtszeit. Die Wahlen sind noch nicht entschieden.

Konferenz der Bösewichte

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Es sollte alles so schön werden: In Riad beginnt heute die große Konferenz, bei der das saudische Königshaus für ausländische Investitionen werben will. Wegen der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi haben etliche Big Shots ihre Teilnahme aber abgesagt, zuletzt nach einigem Zaudern auch Siemens-Boss Joe Kaeser. Sie wollten nicht Teil einer Konferenz der Bösewichte sein. Kronprinz Mohammed bin Salman darf sich trotzdem über den Besuch einiger besonders hartgesottener Konzerne freuen. Die französische Ölfirma "Total" ist zum Beispiel mit ihrem Chef weiter dabei.

In der Türkei wird derweil mit Spannung der Auftritt von Präsident Recep Tayyip Erdogan erwartet. Er will heute die Öffentlichkeit in einer Rede über die Untersuchungsergebnisse seiner Behörden in der Affäre unterrichten. Kanzlerin Angela Merkel nannte die Ermordung Khashoggis im hessischen Wahlkampf eine "Ungeheuerlichkeit" und versprach, dass es keine weiteren Rüstungsexporte aus Deutschland nach Saudi-Arabien geben werde, solange der Fall nicht aufgeklärt sei. US-Präsident Donald Trump erklärte in einem Interview, er sei weiterhin gegen einen Lieferstopp für Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien, wolle aber bald mit dem Kongress besprechen, welche möglichen Strafen gegen die Saudis verhängt werden könnten.

EU-Kommission berät über Italien

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Immer wieder Italien: Die EU-Kommission will heute in Straßburg erneut über die umstrittenen italienischen Budgetpläne für 2019 beraten. Die Populisten-Regierung von Giuseppe Conte und Matteo Salvini will die Neuverschuldung auf 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweiten, damit sollen Sozialleistungen und Pensionen erhöht werden. Eigentlich ist Italien nach den EU-Regeln wegen seines enormen Defizits aber verpflichtet, rasch seine Schulden zu reduzieren. Brüssel könnte die Pläne der Italiener deshalb schon heute zurückweisen und Nachbesserungen verlangen, das wäre eine Premiere. Bislang ist das noch keinem Euroland passiert. Rom hätte dann drei Wochen Zeit, den Haushalt nachzubessern. Ob die Regierung dazu überhaupt bereit wäre, ist jedoch offen.

Gewinner des Tages...

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... ist die amerikanische Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS). Das Haushaltsdefizit der USA beträgt in diesem Jahr etwa 779 Milliarden US-Dollar, da können die Steuersammler jeden Cent gut gebrauchen. Heute dürfen sie sich auf saftige Einnahmen freuen. In der Lotterie Mega Millions wird der größte Jackpot aller Zeiten ausgespielt, märchenhafte 1,6 Milliarden US-Dollar sind zu gewinnen, die Steuerkasse wird davon einen gehörigen Anteil abbekommen. Steht ein Gewinner fest, und verzichtet er oder sie auf eine Auszahlung in Raten, beträgt der Sofortgewinn 900 Millionen Dollar. Davon gehen etwas mehr als 400 Millionen Dollar an den Staat. Immerhin.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Roland Nelles

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