Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


zehnmal größer ist die Volkswirtschaft Italiens als die Griechenlands. Damit ist ungefähr ausgedrückt, was der Eurozone bevorstehen könnte, wenn die italienische Regierung ihr Vorhaben wahrmacht und sich weitaus stärker verschuldet als geplant und von der EU genehmigt. Wir erinnern uns ja alle noch gut an die Jahre der Griechenland-Krise, als Europa auseinander zu brechen drohte, in Nord und Süd, als Deutschland von anderen als hartherziger Hegemon wahrgenommen wurde, und es nur noch um den Euro zu gehen schien.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 44/2018
Italien greift an. Europa droht die nächste Schuldenkrise.

Niemand kann sich jene Zeiten zurückwünschen. Nein, diesen Satz ziehe ich zurück. Den Links- und Rechtspopulisten in der italienischen Regierung scheint es ganz recht zu sein, Europa zu chaotisieren und speziell Deutschland herauszufordern. Dann können sie zu Hause sagen: Seht Ihr, wir haben es immer gewusst, dieses Europa taugt nichts, wir müssen uns auf unsere nationalen Interessen besinnen. Das würden die Rechtspopulisten in den anderen Ländern unterstützen. Es könnte sie stärker machen.

Eine neue Eurokrise birgt eine Menge Risiken, politisch wie ökonomisch, und sie trifft auf eine Union, die schon geschwächt ist, durch den Streit um die Flüchtlinge und den Brexit. In der Titelgeschichte des neuen SPIEGEL analysieren wir die aktuelle Lage, beschreiben mögliche Szenarien und erzählen von einer Begegnung mit Italiens Ministerpräsident Conte, der davon spricht, Italien zu "revolutionieren".

Im Video: Die Rückkehr der Eurokrise? Die italienische Regierung stellt sich gegen Brüssel. Doch kommt sie damit durch? SPIEGEL-Wirtschaftsredakteur Armin Mahler erklärt die neuesten Entwicklungen in der italienisch-europäischen Politik.

DER SPIEGEL

Erkenntnisse aus des Waldes Tiefe

Björn Höcke ist eine der unheimlicheren Figuren der deutschen Politik. Manchmal gibt er den braven Mann, manchmal nutzt er Hitler als Dämonen, um eine überaus rechte Gesinnung zu zeigen und Angst im liberalen Bürgertum zu verbreiten. Die AfD hatte ihn fast schon verstoßen, nun ist er mächtiger denn je.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Meine Kollegin Melanie Amann hat mit Höcke einen Waldspaziergang gemacht, in seiner thüringischen Heimat. Es ging gleich damit los, dass er sie verunsichern wollte mit unverschämten Bemerkungen, aber das zog natürlich nicht, und Amann konnte im Wald und später bei einer Brotzeit viel über Höckes Gedankenwelt erfahren. Hitler kam natürlich auch vor, auf der sogenannten Teufelskanzel über dem Werratal.

Björn Höcke
Sven Doering/ DER SPIEGEL

Björn Höcke

Bessere Welt, nächster Versuch

Die euphorischen Zeiten sind vorbei, das Internet gilt derzeit eher als Problem denn als Verheißung. Es sollte helfen, eine bessere Welt zu schaffen, aber die Realität sieht anders aus. Hier ist ein Auszug aus unserer Geschichte über die Probleme der Digitalisierung:

"Facebook hilft Demagogen, Airbnb überfüllt die Städte, Uber verstärkt das Verkehrschaos, Apple macht Kinder von Smartphones abhängig. Die Gesellschaften wachsen nicht zusammen, sondern reißen auseinander. Wenige Konzerne monopolisieren die Digitalisierungsgewinne."

Das klingt übel und ist natürlich stark gerafft, aber selbst den Internetkonzernen ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Thomas Schulz analysiert in einer großen Geschichte die Probleme und zeigt auf, was passieren müsste, damit das Internet doch noch dazu beitragen kann, eine bessere Welt zu schaffen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg
David Paul Morris / Bloomberg / Getty Images

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Wer hat die Längste?

In unserer beliebten Rubrik "Der Wahnsinn der Milliardäre" schauen wir in diesem Heft auf ein skurriles, aber irgendwie auch verheißungsvolles Wettrennen. Ziele sind Mond und Mars. Die Milliardäre Jeff Bezos (Amazon), Richard Branson (Virgin) und Elon Musk (Tesla) erfüllen sich ihre Jungsträume und lassen Raketen bauen. Damit wollen sie Touristen ins All schicken, umweltschädliche Industrien auslagern oder neue Siedlungsgebiete für die Menschheit erschließen. Und klar, jeder der drei will als erster oben sein. Die alte Männerfrage, bei der es um einen gewissen Längenvergleich geht, wird hier mit größtmöglichem Größenwahn neu interpretiert.

Start der "Falcon Heavy"
Gene Blevins/ ZUMA Press

Start der "Falcon Heavy"

Schröders Kontrollverlust

Ein Mann rastet aus, schlägt auf einen anderen Mann ein, tritt ihn, als der am Boden liegt. Dieser Mann ist mutmaßlich Dennis Schröder, 25, eigentlich vorgesehen als Deutschlands nächster Basketballheld, als Nachfolger von Dirk Nowitzki, der in der amerikanischen Liga NBA seine letzte Saison spielt, als 40-Jähriger. Der Methusalemdunk ist seine Spezialität.

Für Schröder fing es hervorragend an, er spielte gut im schlechten Team von Atlanta und wechselte vor dieser Saison ins bessere Team nach Oklahoma City. Aber er schleppt etwas mit. Ermittlungen in jener Sache, eine Schlägerei vor einer Bar, ein Kontrollverlust. Mein Kollege Thilo Neumann hat sich in Atlanta umgehört und weitere Dinge erfahren, die nicht für Schröder sprechen. Er ist eher auf dem Weg zum Enfant terrible als zum Nachfolger von Nowitzki, der ein Weltstar und Gentleman ist. Vielleicht hat das Schicksal auch keinen Nachfolger vorgesehen, damit Nowitzki immer weiter machen kann.

Dennis Schröder
Michael J. LeBrecht II/ NBAE/ Getty Images

Dennis Schröder

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr Dirk Kurbjuweit

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
omanolika 27.10.2018
1. Angebrachte Sorgen?
Es wurde vieles vereinfacht und verkürzt, aber, was einen eben trotzdem bestürzt, sind die "Digitalisierungskolatteralschäden", denn manches hängt an seidenen Fäden, wie die Fähigkeit zur direkten Kommunikation, die ja fast abgehen wird einer Generation, denn die "Sphombies" mal in Anbetracht, ist ein bisschen Sorge schon angebracht.
haresu 27.10.2018
2. Deutschland trägt die Hauptschuld am Zustand der EU
Jetzt geht es wieder los mit dem gefährdeten Geld der deutschen Steuerzahler. Diese italienische Regierung und ihre Spielchen sind aber doch In Wirklichkeit nur ein Symptom dafür, dass die EU zunehmend ihre Seele verliert. Schuld daran ist im wesentlichen Deutschland. Wir sind wirklich der Hegemon, wir profitieren überproportional und wir weigern uns Macht abzugeben. Wieso sollten es dann andere tun? Zumal Deutschland ja immer gerne bezahlt um seinen Einfluss zu wahren. Aus der Verhaltensforschung kennt man die Auswirkungen von Belohnungen auf die Hilfsbereitschaft von Kindern. Sie nimmt ab, sie wird komplett abhängig von der Belohnungserwartung, sie verschwindet ganz wenn die Belohnung ausbleibt. Genau so ist die EU heute, mittlerweile nimmt man das Geld und verweigert die Solidarität, verwehrt sich gegen Einmischung, nutzt die EU als Feindbild. Und das ist Deutschlands Werk, Deutschland hat dieses System etabliert, Deutschland kann es sich leisten. Nur geht dabei die EU vor die Hunde.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.