Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


bei der Europawahl, heißt es, gehe es um sehr viel. Es gehe darum, den Rechtspopulismus und die EU-Gegner in die Schranken zu weisen. Es gehe darum, die liberale Demokratie zu verteidigen. Das ist in der Tat viel.

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Heft 16/2019
Was uns schwarze Löcher über die Geheimnisse des Universums verraten

Was tut die SPD? Sie stellt Justizministerin Katarina Barley als Spitzenkandidatin auf, zudem einen Mann namens... ich komme gleich drauf. Barley wäre lieber Justizministerin geblieben. Sie steht nicht gern im Vordergrund, sie führt nicht gern (hat sie selbst gesagt). Aber sie soll Europa und die liberale Demokratie retten.

Will uns die SPD verschaukeln? Warum nicht Andrea Nahles, Martin Schulz, Sigmar Gabriel, Kevin Kühnert? Warum nicht ein Schwergewicht, ein Zugpferd, einen, der führen will und den jeder kennt? Sie sind nicht gewollt oder wollen nicht, weil ihnen ein Sitz im EU-Parlament zu piefig ist. Aber dann macht uns nicht weis, dass diese Wahl so wichtig ist (ist sie aber).

Heute tritt Barley bei der Bertelsmann Stiftung in Berlin auf. Udo Bullmann ist nicht angekündigt, so heißt ihr Kompagnon als Spitzenkandidat.

Absolution für den Schulstreik?

REUTERS

Heute trifft eine ganz alte Macht auf eine ganz neue. 2000 Jahre Einfluss treffen ein paar Monate Einfluss. Der Papst empfängt in Rom Greta Thunberg, die junge Klimaaktivistin. Sie werden sich verstehen. Wie man die Schöpfung bewahrt, ist ja ein Thema von beiden.

Interessant wird auch, wie die katholische Sicht aufs Schuleschwänzen ausfällt. Gibt's die Absolution von ganz oben?

Unheile Welt

AFP

Bislang war ich dafür, zwischen Autor und Werk zu trennen. Wir hatten da zuletzt einige Diskussionen. Darf Kevin Spacey in einem Film vorkommen? Dürfen Bilder des Antisemiten Emil Nolde im Kanzleramt hängen?

Gestern Abend fuhr ich auf einer Autobahn durch Bayern und hörte im Radio ein Lied von Michael Jackson. Heal the world, sang er, make it a better place. Das war nicht zu ertragen. Jackson hat offenkundig Kinder sexuell missbraucht, hat die Welt für sie zu einem Schreckensort gemacht. Später habe ich mir das Video zu diesem Lied angeschaut, das geschundene Kinder zeigt. Und jetzt finde ich, dass es mindestens zynisch ist, dieses Lied, Ausgeburt einer widerlichen Scheinheiligkeit, im Radio laufen zu lassen. Leider blieb mir das Lied bis spät in die Nacht als Ohrwurm erhalten.

Gewinnerin des Tages

Soeren Stache/ DPA

Wer in diesen Tagen den Bundespräsidenten trifft, könnte manchmal den Eindruck haben, es gibt zwei. Denn Frank-Walter Steinmeiers Frau Elke Büdenbender mischt kräftig mit.

Ich habe die beiden kürzlich bei einem Gespräch mit Ärzten und Pflegern des Universitätsklinikums Leipzig beobachtet, und sie hat mindestens so engagiert gefragt wie ihr Mann. Auch sonst machte sie nicht den Eindruck, eine Begleiterin zu sein. Sie war extrem präsent, und sie war gut. Ob das mit der Verfassung zu vereinbaren ist, soll halt Karlsruhe klären.

Heute hält Steinmeier die Eröffnungsrede bei der Bundesgartenschau in Heilbronn. Oder spricht Elke Büdenbender? Hier ist schon mal ein Strauß Blumen: Sie ist meine Gewinnerin des Tages.

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
dragondeal 17.04.2019
1. Der Autor
dieser Zeilen hat offensichtlich die Prinzipien von Unschuldsvermutung und Rechtsstaat nicht verstanden. Ja, das tut manchmal weh, aber es sind Grundpfeiler unseres Zusammenlebens. Davor von der Wichtigkeit der Demokratie zu schreiben, könnte man glatt als zynisch beschreiben.
PeterAlef 17.04.2019
2. ....in Wahrheit kommt der heutige 'Überblick'...
...offenbar on Ulf Poschardt....
Maulverbot 17.04.2019
3. Greta
Stockholm - Rom, ca. 30h. Alle Achtung.
lomexx 17.04.2019
4. zu Michael Jackson
Interessant und auch ein bisschen beängstigend zu sehen, welche Negativ-Karriere die gute alte Unschulds-Vermutung in den letzten Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung hingelegt hat. Nun ist es also soweit: aus eonseitig vorgetragenen Vorwürfen wird eine „offenkundige“ Tatsache und schon wird ein Lebenswerk unhörbar. Man muss es nochmal hinschreiben, weil der Autor es so leichthin übersieht: Ja, es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich das alles oder vieles so tragisch zugetragen hat, wie in der Doku dargestellt - und ja, dass hört und fühlt sich alles sehr überzeugend an. Und dennoch: Niemand außer Wade Robson und James Safechuck weiß heute, was und ob da wirklich etwas war. Die Doku ist in ihrer extrem emotionalisierenden Art letztlich auch unredlich: Kein einziger Gegen-Zeuge kommt zu Wort, die unzweifelhaft vorhandenen finanziellen Interessen der Protagonisten (schon bevor die Idee zur Doku entstand, hatten die beiden teure Zivilklagen mit damals geringen Erfolgsaussichten gegen die Familie laufen) werden ausgespart - trotzdem wird am Ende als Tatsache dargestellt, was zumindest hätte offen gelassen werden müssen. Die Folgen sind nun u.a. hier auf SPON zu besichtigen: Medienmenschen fallen auf ein simuliertes, durchemotionalisiertes Netflix-Strafgericht von anderen Medienmenschen herein...
querdeutsch 17.04.2019
5. SPD-Schwergewichte?
der Morgen beginnt lustig. Kevin, Siggi, Mardin und Nahles als SPD Schwergewichte für Europa? Krasser kann man die Personalfrage nicht fehleinschätzen. Fehlt nur noch Stegner. Barley ist zwar keine " Rampensau", aber im Gegensatz zu allen genannten Namen kompetent, seriös und sympathisch. In der SPD ist diese Kombination äusserst selten anzutreffen.
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