Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


Bayern München hatte offenbar Pläne, die Bundesliga zu verraten. Die Führung des Vereins hat überlegt, mit anderen europäischen Spitzenklubs eine Luxusliga zu gründen, nur noch gegen Real Madrid, Manchester City und ähnliche Kaliber zu spielen, nicht mehr gegen Fortuna Düsseldorf oder Werder Bremen. Es wäre dann auch fraglich gewesen, ob die Bayern Spieler für die Nationalmannschaft abgestellt hätten. Es sollte ein exklusiver Zirkus des ganz großen Geldes werden.

Im Video: SPIEGEL-Investigativreporter Rafael Buschmann über die neuen Veröffentlichungen des Projektes "Football Leaks".

Olaf Heuser / Der Spiegel
Titelbild
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Heft 45/2018
Geheimsache Luxus-Liga. Neue Football Leaks Enthüllungen

Die Belege dafür finden sich im größten Datenleck in der Geschichte des Sports: 3,4 Terabyte Material, über 70 Millionen Dokumente, zur Verfügung gestellt von der Enthüllungsplattform Football Leaks. Der SPIEGEL hat diese Daten gemeinsam mit 14 Partnern des internationalen Recherchenetzwerks EIC ausgewertet. 80 Rechercheure waren damit acht Monate lang befasst, auch Journalisten vom NDR.

Neben der Geschichte über Bayern München finden Sie im neuen SPIEGEL Enthüllungen über das seltsame Amtsgebaren von FIFA-Präsident Gianni Infantino sowie über illegale Finanzierungen von Paris Saint-Germain und Manchester City. Auch in den kommenden Heften werden wir aus den Dokumenten von Football Leaks schöpfen.

Am Sonntag zeigt die ARD um 21.45 Uhr, nach dem Tatort, auf dem Sendeplatz von Anne Will, eine Dokumentation zu diesem Thema: "Football Leaks - von Gier, Lügen und geheimen Deals". Dort können Sie meinen Kollegen Rafael Buschmann bei seinen Recherchen beobachten. Er hält den Kontakt zu John, dem Mann hinter Football Leaks.

Die Rache der Rivalen

Bundeskanzlerin Angela Merkel
Stefan Boness / Ipon

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Man sieht sich immer zweimal im Leben - dies ist ein irgendwie blöder, floskelhafter Satz, der oft als Drohung ausgesprochen wird. Ich mag diesen Satz nicht, aber er fiel mir ein, als ich die Geschichte unseres Hauptstadtbüros über die Hintergründe des Rückzugs von Angela Merkel las. Sie hat ihren Verzicht auf das Amt der Parteivorsitzenden nicht ganz freiwillig beschlossen. Sie wusste, dass ihre alten Rivalen auf Rache sinnen, dass Wolfgang Schäuble und andere den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz nach vorne schieben würden, um Merkel aus ihren Ämtern zu drängen.

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Schäuble und Merz haben beide offene Rechnungen mit Merkel. Über Jahre haben sie gewartet, gewartet, gewartet, bis ihre Stunde kam. Nun ist sie da. Nach den Wahlschlappen der Union in Bayern und Hessen sahen sie die Chance, Merkel aus ihren Ämtern zu drängen. Jawohl, Mehrzahl, Ämter. Merz wird sich kaum damit zufrieden geben, Merkel den Parteivorsitz abzujagen. Es geht natürlich um den großen Preis: die Kanzlerschaft.

Verdorbene Journalisten

Jaron Lanier mit Tochter Lilibell
Kevin Hagen/ NYT/ Redux/ laif

Jaron Lanier mit Tochter Lilibell

Ein bisschen erinnert Jaron Lanier an einen Tintenfisch. Seine hüftlangen Rastas hängen von seinem Kopf wie Tentakeln. Das war der Eindruck meiner Kollegen Helene Laube und Guido Mingels, die Lanier in Berkeley zu einem SPIEGEL-Gespräch getroffen haben. Er ist ein Pionier, aber auch ein Kritiker des Internets, zum Beispiel von Twitter. "Hören Sie", schimpft er, "dieser Mist verdirbt uns alle. Auch euch Journalisten."

Interessant ist auch dieser Gedanke: "Historisch betrachtet sieht es schon danach aus, als hätten vor allem faschistische Kräfte jeweils Kapital schlagen können aus neuen Medien. Die Nazis nutzten den noch jungen Hörfunk und den Tonfilm, um die Bevölkerung quasi zu hypnotisieren. Da gibt es gewisse Parallelen zur Gegenwart."

Leere Zimmer

Kinderzimmer
Helena Lea Manhartsberger / DER SPIEGEL

Kinderzimmer

Was kann trauriger sein als ein Kinderzimmer, in dem nie ein Kind spielt? Unser Ressort Wissenschaft erzählt im neuen Heft von solchen Fällen. Die Eltern haben sich getrennt, leben in verschiedenen Wohnungen, und jeder richtet den Kindern Zimmer ein. Doch dann beginnt mitunter die sogenannte Parental Alienation, die Eltern-Kind-Entfremdung. Das liegt oft an dem Elternteil, bei dem die Kinder hauptsächlich leben.

Die Wut wegen der Trennung, die Abneigung gegen den einstigen Partner wird den Kindern eingeimpft, bis sie nichts mehr mit dem anderen Elternteil zu tun haben wollen. So geht ihnen Vater oder Mutter verloren, was nicht gut sein kann. "Die Entfremdung von einem Elternteil", sagt ein Therapeut, "ist eine Form der Kindesmisshandlung."

Zwei Affen

Zirkusaffe Robby und Zirkusdirektor Klaus Köhler
Milos Djuric/ DER SPIEGEL

Zirkusaffe Robby und Zirkusdirektor Klaus Köhler

Zwei Primaten sitzen traut beisammen und essen Bananen. Der eine ist Mensch, 70 Jahre alt, und heißt Klaus Köhler. Der andere ist Schimpanse, vielleicht 47 Jahre alt, und heißt Robby. Der Affe lebt seit 44 Jahren in Köhlers kleinem Zirkus. Aber das soll nicht so bleiben, wenn es nach dem Wunsch von Tierschützern geht. Sie finden, dass der Affe nicht artgerecht lebe, und wollen ihn in eine "Auffangstation" für Schimpansen einweisen, damit Robby lernt, mit anderen Affen umzugehen. Köhler aber sagt: "Mein Junge bleibt hier."

In der kommenden Woche muss das Oberverwaltungsgericht Lüneburg entscheiden, was mit Robby geschieht. Jochen-Martin Gutsch hat diese Geschichte aufgeschrieben, und er lässt offen, was richtig ist für den Affen. Man kann ihn ja nicht fragen. Köhler hat allerdings eine weise Lösung für das Problem der fehlenden Artgenossen gefunden. Er sagt zu Robby: "Du bist ein Affe, ich bin ein Affe, mein Junge. So ist das."

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Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 17 Beiträge
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andreasbln 03.11.2018
1. Merz ? Das beste was der SPD passieren könnte ?
Vielleicht ist ein "Rechtsruck" der CDU mit einem F.M. an der Spitze genau das was der SPD helfen könnte zu zeigen, dass sie die gesellschaftliche Mitte vertritt und nicht die CDU. Wer weiß - totgesagte leben länger. Die CDU war immer nur mehrheitsfähig, wenn an der Spitze jemand stand, der eher liberal eingestellt. Auch Kohl war ein überzeugter Europäer und ihn verband nicht viel mit Strauss oder Geis... Die CDU, Spahn zu jung und... bestimmt vielen in der konservativen Ecke dann doch "zu schwul", Laschet - nicht wirklich, AKK ? zu blass und zu nah bei Mutti. Es wird - sollte es keinen Skandal geben, Merz werden. Dann bekommt die CDU jemanden für das Thema, wo sich die meisten abwenden. Noch mehr Wirtschaftsliberalismus in einem Land, dem es statistisch wirtschaftlich gut geht, die großen Themen wie Umwelt, Verbraucherschutz, Pflege, Bildung nur in einer Solidargemeinschaft zu wuppen sind und das ist sicherlich nicht die Agenda von Merz. Aber soll die CDU, die sich nach alten Zeiten sehnt mal machen. Nicht die CDU ist nach "links" gerückt. Die Gesellschaft ist nach "links" gerückt. und ein paar - zu viel - ewig gestrige kreischen am rechten Rand und ein paar CSUler und CDUler kreischen leise mit. Was das bringt - siehe Bayernwahl. .
Partyzant 03.11.2018
2. Sportverein Bayern
Unternehmen wie der FC Bayern sollten nicht wie gemeinnützige Vereine behandelt werden sondern wie Unternehmen und dem entsprechend auch gesteigert werden und das polizeiaufgebot sollten Sie auch selbst zahlen. diese Vereine machen Millionen Gewinn , zahlen ihren Spielern und Managern Gehälter wie sie sonst keiner verdient -- und in den kleinen Vereinen in der Kreisliga wissen die Mitglieder nicht wie sie den Unterhalt für den Sportplatz berappen sollen.Umverteilung würde diesen Gaunern da oben ganz gut tun.
burlei 03.11.2018
3. Der europäische Fußball ...
... will also den Weg des US-amerikanischen Berufs-Boxen gehen. Soll man ihn daran hindern? Bloß nicht! So kann sich der saubere Fußball wieder den Fans zuwenden, die Klubs, denen Geld wichtiger ist, driften dann eben in die Welt der halbseidenen, teilweise kriminellen Machenschaften ab. Soll also der FC Bayern in die Halbwelt der Bahnhofsviertel, der Spielhallen und Wettbüros abtauchen. Er wird keine große Lücke hinterlassen.
-nip- 03.11.2018
4. Bayern....
Was soll man anderes erwarten?
neurobi 03.11.2018
5. Good Bye Bayern
Ich habe Fußball schon weitgehend aus meinem Programm entfernt. Wegen Fußballrechten nie Pay-TV gebucht. Immer weniger Fußball im frei empfangbaren Fernsehen. Wer meint dafür Geld ausgeben zu müssen, okay. Ich nicht. Ich hoffe aber, dass die Spieler und Vereine die sie da anschließen dann bei den Sportverbänden keine Teilnahmemöglichkeiten mehr haben. Also weder bei kontinentalen noch bei Weltmeisterschaften.
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