Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


am Sonntag wird Frank-Walter Steinmeier höchstwahrscheinlich zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Meine Kollegen Marc Hujer und Christoph Schult haben ihn in den vergangenen Wochen begleitet und für den neuen SPIEGEL porträtiert. Sie erlebten einen Mann, der voller Glück ist über einen Jobwechsel, den er ausgerechnet Sigmar Gabriel zu verdanken hat, auf den er immer mit großer Skepsis blickte. Die ist nun deutlich kleiner geworden.

Der SPD-Chef hat Steinmeier zum Abschied aus dem Bundestag ein Bild von Willy Brandt geschenkt, gemalt vom Schauspieler Armin Müller-Stahl. Das Problem ist nur: Steinmeier hat schon ein Exemplar davon, Müller-Stahl hat es ihm selbst geschenkt, zum Amtsantritt im Außenministerium im Jahr 2013. Es hing dann die ganze Zeit in Steinmeiers Büro. Ob das so geplant war, fragten meine Kollegen Steinmeier. "Pssst", zischte der nur. Gabriel ist nun Steinmeiers bester Freund.

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Warten auf die Twitter-Wut

Es gibt Nachrichten, bei denen nicht klar ist, ob man sich darüber freuen soll oder nicht. Deutschland hat im vergangenen Jahr Waren im Wert von 1,2 Billionen Euro ins Ausland exportiert. So viel wie noch nie zuvor. Das ist, einerseits, natürlich wunderbar für die deutschen Unternehmen. Andererseits könnte sich Donald Trump gerade deshalb ermutigt fühlen, Strafzölle gegen Deutschland zu erheben. Jüngst hat er sich schon darüber beklagt, dass zu viele Daimler auf der Fifth Avenue in New York parken. Kanzlerin Angela Merkel jedenfalls wäre gut beraten, Trumps Twitter-Account nun häufiger zu checken. Seine Wut lässt ja nie lange auf sich warten.

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Bauernaufstand gegen Hendricks

Bauernaufstände können immer noch die Obrigkeit beeindrucken, wie sich gerade zeigt. Das Haus von Umweltministerin Barbara Hendricks hatte die Idee, neue, ökologisch inspirierte Bauernregeln zu erfinden. Das klang dann so: "Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein." Etwas simpel, aber griffig, wenn Sie mich fragen. Die Landwirte fanden die Sache nicht so spaßig. "Wir fühlen uns verletzt", klagte Bauernpräsident Joachim Rukwied, es hagelte Rücktrittsforderungen. Nun entschuldigte sich die Ministerin in aller Form.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

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Gewinner des Tages...

... ist der Schierlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides). Die Pflanze aus der Familie der Doldenblütler ist eine echte Diva. Sie wächst nicht in jedem x-beliebigen Fluss, sondern ausschließlich in der Elbe, und da vor allem nordwestlich von Hamburg, in den Marschen Richtung Nordsee. Nun hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Vertiefung der Elbe nicht so schnell wie geplant angegangen werden darf, weil zu wenig Rücksicht auf die sensible Wasserpflanze genommen worden sei. Wir lernen daraus: Selbst gegen Ozeanriesen ist ein Kraut gewachsen.

Einen schönen Tag wünscht,

René Pfister

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insgesamt 5 Beiträge
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roughneckgermany 10.02.2017
1. Hendricks
Bitte weiter so! Rukwied ist bekanntermaßen gegen den Begrifd Massentierhaltung und für Karenzzeiten von 25 Jahren bei den Anpassungen der Stallungen. Sie müssen sich auch nicht entschuldigen, da hier ausschließlich getroffene Hunde bellen.
bmvjr 10.02.2017
2. Ohne Twittern und Zagen
Die Twitterei durch DT (Donald Trump, nicht etwa Deutsche Twitterer oder gar Delirium Tremens) wird nur dann in den Stand der politischen Korrespondenz erhoben, wenn Andere, womoeglich Alle mitmachen, also mittwittern. Deshalb Finger weg von DT's Tweets, keine Antwort, kein Kommentar. Auch so laesst sich ein "Sumpf" austrocknen. Die Twitterflamme von DT's Konto flackert nur deshalb so irre, weil alle Welt sich bemuessigt sieht, weiter ihr Oel hineizuschuetten.
Chefredakteur 10.02.2017
3. Hoffentlich
wird Engelbert Sonneborn Bundespräsident und dann das war's mit Mauscheleien unter die Politikern, mit Korruption, mit Verrat an Bürger und mit permanenten Jobwechsel der Vetternwirtschaft!
th.diebels 10.02.2017
4. Guten Morgen
Die Wahl des Bundespräsidenten könnte komplett gestrichen werden, ist sie doch eine reine Farce ! Übrigens: mit dem langweiligen Hr. Steinmeier bekommen wir einen Außenminister - stets bewaffnet mit hohlen "Phrasen" ! Schönen Tag noch
frey 10.02.2017
5. Hendricks
Wenn man in der Regierung sitzt, kann man sich doch nicht über die mangelnde Gesetzgebung per steuerfinanzierte Plakataktion ausheulen. Was die ganzen Bauern Hater à la roughneckgermany nicht so ganz verstehen, die leben davon. Das sind Wirtschaftsbetriebe mit hohen Investitionen und Schulden, für die sie - anders als bei großen Unternehmen - persönlich haften. Heute arbeiten in der Landwirtschaft nur noch 50% der Menschen gegenüber Ende der 90er, bei gleichzeitig höheren Erträgen. Viel Spaß dort mit Romatik zu überleben. Folglich: Es bleibt nur der Weg über veränderte Gesetze, die einen Wandel in der Landwirtschaft herbeiführen können. Alles andere ist naives Wunschdenken. PS: Und klug wäre es, auch die eingeführten Produkte auf europäische Tierhaltungsgesetze zu verpflichten. Sonst stehen neben den Legebatterien der Hühner auch die Mastställe an der europäischen Außengrenze. (und nein, das Frühstücksei interessiert keine Sau).
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