Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,


auch das noch: Mitten im Brexit-Chaos meldet sich jetzt der frühere britische Premierminister David Cameron zu Wort. Er hat ein Buch geschrieben, 752 Seiten dick, "For the Record" lautet der Titel - "Fürs Protokoll". Es ist eine Abrechnung mit den Brexit-Ultras bei den Tories: Mit Michael Gove, der heute im Kabinett für die "No Deal"-Planungen zuständig ist und einst die Kampagne der EU-Gegner anführte. Und mit Boris Johnson.

Die britische "Times" berichtet nun vorab darüber und hat mit Cameron selbst ein Interview geführt. Johnson und Gove, sagt der frühere Tory-Chef darin, hätten sich im Referendumswahlkampf 2016 "schrecklich" aufgeführt. Sie hätten die Regierung "demoliert", so Cameron. "Es war lächerlich." Die beiden und andere hätten "die Wahrheit zu Hause gelassen".

Luke MacGregor/ REUTERS

Die Kritik mag angebracht sein, ist aber natürlich irgendwie auch wieder putzig, wenn man bedenkt, dass Cameron Europa den Brexit-Schlamassel erst eingebrockt hat. Mit seiner Panik-Entscheidung, ein Referendum abzuhalten, um sein eigenes politisches Überleben zu sichern, nahm das Unglück seinen Lauf. Es war eine der größten Schnapsideen der britischen Geschichte und Camerons Name wird für immer damit verbunden bleiben. Da kann er noch so viele Rechtfertigungsbücher schreiben.

IAA: Frankfurt rüstet sich für Proteste

Frank Rumpenhorst/ DPA

Wie sich die Zeiten doch ändern: Noch vor wenigen Jahren war die Internationale Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt die Leistungsschau einer selbstbewussten, vor Kraft strotzenden deutschen Autoindustrie. Kaum jemand wäre auf die Idee gekommen, an solch einem PS-Festival irgendetwas seltsam zu finden. Doch nun das: In Frankfurt werden heute massive Proteste von Klimaschützern und Auto-Kritikern gegen die IAA erwartet.

Mehrere Protestzüge dürften den Verkehr in der Innenstadt der Mainmetropole lahmlegen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Am Sonntag will ein Bündnis namens "Sand im Getriebe" sogar den Zugang zur Messe versperren. Das erinnert schon fast an die Proteste gegen die Atomkraft in den Achtziger- und Neunzigerjahren.

So zeigt sich, dass der Kampf um die Frage, wie viel Klimaschutz wir brauchen, endgültig zu einem der wichtigsten politischen Themen gereift ist. Die Liste der Forderungen der Klima-Demonstranten in Frankfurt ist lang: Sie verlangen unter anderem den Ausstieg aus der Verbrennungsmotor-Technik, ein Klimaschutzgesetz bis Ende 2019, den Vorrang für Radfahrer und Fußgänger sowie den massiven Ausbau von Bus- und Bahnverkehr.

Auto-Fans, die die IAA am Wochenende besuchen wollen, dürfte die Anreise erhebliche Mühe kosten. Der Tipp: Das Auto sollte man vielleicht ausnahmsweise stehen lassen, auch wenn's schwerfällt.

Die Hintergründe zum Kampf ums Auto und um den Klimaschutz lesen Sie in unserer neuen Titelgeschichte:

Steinmeier stellt sich gegen die AfD

Andreas Arnold/ DPA

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht der AfD ab, bürgerlich zu sein. "Man reibt sich doch ein wenig die Augen", sagt Steinmeier im SPIEGEL-Gespräch mit Blick auf Äußerungen von AfD-Chef Alexander Gauland, die Rechtspopulisten seien die Vertreter des Bürgertums. Bürgertum, Rechtsstaat und individuelle Freiheitsrechte gehörten zusammen, sagte der Bundespräsident. "Wer sich in dieser Tradition sieht, der kann nicht gleichzeitig einem ausgrenzenden, autoritären oder gar völkischen Denken huldigen. Das ist das Gegenteil von bürgerlich: Es ist antibürgerlich."

Nach Ansicht von Steinmeier muss "jede Partei sich entscheiden, wo sie stehen will: entweder völkisch kollektivistisch oder aufgeklärt bürgerlich. Beides gleichzeitig geht nicht." Das Bürgerliche zeige sich "in der Verteidigung der Freiheit, der Anerkennung des Individuums und damit auch im Respekt vor Andersdenkenden", so der Bundespräsident: "Um diese Haltung geht es." Demokratie lebe von der Kontroverse und brauche auch den Streit: "Aber Frust ist kein Freifahrtschein für Menschenfeindlichkeit."


Gewinner des Tages...

Jochen Lübke/ DPA

... ist die Glühbirne, genauer gesagt, die alte, umweltschädliche Variante. Sie hat jetzt nämlich einen wichtigen Fürsprecher, US-Präsident Donald Trump. Bei einem Treffen mit Parteifreunden verteidigte Trump die herkömmliche Birne und beschwerte sich über die neuen, energieeffizienten Sparbirnen. Die neuen Birnen seien viel teurer als die alten Leuchtmittel und seien auch längst nicht so gut, so Trump. Für ihn sei das auch ganz persönlich ein Problem: "Ich sehe da immer so orange aus." Das ist natürlich wirklich schlimm.

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insgesamt 18 Beiträge
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meenix 14.09.2019
1. Microplastik im Körper - egal
Nitrat im Grundwasser - egal Weichmacher im Körper - egal Es lädt sich doch viel besser auf das Auto eindreschen. Ein PKW mit 2,5 Tonnen und 500 PS ist OK. Ein Kleine SUV mit 120 PS ist natürlich ganz böse. Wir sind inzwischen so bescheuert in diesem Land das Minderheiten die Mehrheit vor sich hertreiben kann.
jamguy 14.09.2019
2. aufgeklärt bürgerlich
Man zollt Anderstdenkenden Respekt und man zieht Bilanzen und kommt zu dem Schluss je nach Individium zb. konservativ ,nicht unbedingt weit rückwärtsgewand insgesammtstaatlich bombe war und Problem der hiesigen Situation darin liegt ,das man mit Erscheinungen wie Sozialismus,EZB und EU Kommission als aufgeklärt bürgerlich 0 anfangen kannoder sich gar belästigt und bedrängt fühlt.
thequickeningishappening 14.09.2019
3. "Außenminister und Sicherheitsberater in Personalunion"
David Brooks über Die Rolle von Mike Pompeo im Weißen Haus in Anlehnung an Henry Kissinger nach Dem Abgang von John Bolton.
i.dietz 14.09.2019
4. Wenn die BRD
jetzt jeden 4.ten Flüchtling, der in Italien ankommt, übernehmen will, wird die AfD auch weiterhin viel Zuspruch erhalten ! Der Bundespräsident sollte mal lieber sagen, wie a) die das alles finanziert werden soll und b) wo die alle wohnen sollen ! Mir jedenfalls wird ganz mulmig !
Wolfgang Heubach 14.09.2019
5. Cameron spekuliert auf das kurze Gedächtnis
Aus rein wahrtaktischen (!) Gründen für seine Partei hat Cameron vor Jahren der Brexit-Volksabstimmung in Großbritannien das Wort geredet. Das ist der Ausgangspunkt des heutigen Schlamassels. Cameron spekuliert nun offensichtlich auf das kurze Gedächtnis der Wählerinnen und Wähler. Doch der eigentliche "politische Brandstifter" ist er. Deshalb sollte er dort bleiben, wo er ist: In der politischen Versenkung. Der Mann ist überflüssig wie ein Kropf.
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