Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


als sich die Regierungschefs der 20 größten Industrieländer vor zehn Jahren zu ihrem ersten Gipfel in Washington trafen, dachten manche schon, die Geburt einer neuen Weltregierung stünde bevor. Doch wenn heute die meisten Teilnehmer zur Nachfolgeveranstaltung in Buenos Aires anreisen, ist vom sogenannten Multilateralismus kaum mehr die Rede.

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Heft 48/2018
Wie geheime Spenden die Rechtspopulisten groß machten

Stattdessen wird der Gipfel überschattet von zweiseitigen Konflikten: Russland gegen die Ukraine, China gegen Amerika, Israel gegen Iran. Und dann gehört auch noch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman zu den Gästen, der verdächtigt wird, den Mord am regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi in Auftrag gegeben zu haben. Ins Leben gerufen wurde der Gipfel einst, um Maßnahmen gegen die Finanzkrise zu ergreifen. Heute ist er selbst zum Problemfall geworden.

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Labor London

Getty Images

Heute gibt Arbeitsminister Hubertus Heil den Startschuss für Projekte, die mit der Zukunft der Arbeit experimentieren sollen. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn der Ressortchef mal nach London schaut. Dort hat eine Jury, die die 100 wichtigsten Digitalunternehmen Europas auswählen sollte, gerade den Kurierdienst Deliveroo von ihrer Liste gestrichen. Der Grund: Das Unternehmen beschäftigt seine Leute als Selbstständige, ohne herkömmliche Arbeitnehmerrechte wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder den Mindestlohn zu beachten. Merke: Die Zukunft der Arbeit könnte auch die Zukunft der Ausbeutung sein.

Die Pipeline-Drohung

DPA

Wenn der ukrainische Ministerpräsident Wladimir Groisman heute in Berlin auf dem Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum spricht, wird er wegen des zugespitzten Konflikts im Schwarzen Meer neue Sanktionen gegen Russland fordern - zum Beispiel den Stopp der Nord-Stream-Pipeline. Doch seine Chancen stehen schlecht. Für neue Sanktionen gibt es in Europa derzeit keine Mehrheit, und in Sachen Gasimporte denken Berliner Außenpolitiker ebenfalls anders: Wenn wir die Pipeline aufgeben, heißt es, womit können wir dann noch drohen?

Der tägliche Tod

DPA

Tausende Migranten harren noch immer unter erbärmlichsten Bedingungen an der mexikanischen Grenze zu den USA aus, darunter viele Familien aus El Salvador. Über die Fluchtursachen informiert heute ein SPIEGEL+-Beitrag meines Kollegen Fritz Schaap, der das mittelamerikanische Land als Hölle aus Clan-Kriminalität und Hoffnungslosigkeit schildert. "In El Salvador", schreibt er, "ist der Tod wie das tägliche Essen, wie das Schlafengehen".

Verlierer des Tages...

DPA

... ist der deutsche Weihnachtsbaum. Heute werden zahlreiche Exemplare im Berliner Reichstag oder im Gästehaus der Bundesregierung aufgestellt. Leider ist kaum damit zu rechnen, dass die geschmückten Nadelhölzer auch nur im entferntesten mit der spektakulären Kreation mithalten können, die seit Kurzem im Weißen Haus glänzt. First Lady Melania Trump hat sich für den großen Flur der Residenz für eine Art roten Kegel, gespickt mit giftigen Stechpalmenbeeren entschieden. Das Problem ist nur, dass der Baum nun weniger an die Adventszeit erinnert, so meint die FAZ, als an "den Weg zum Folterkeller der bösen Königin".

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Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in den Tag.

Ihr Michael Sauga

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