Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,

ist das jetzt Krieg? Das Wort Cyberwar meint auch Angriffe in der digitalen Sphäre, und einen solchen Angriff auf die Bundesrepublik hat es offenbar gegeben. Eine russische Hackergruppe soll in das Bundesnetz eingedrungen sein, um Informationen aus dem Außenministerium zu stehlen, eventuell auch aus dem Verteidigungsministerium (mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier).

Zum Glück ist der Cyberwar bislang kein Krieg, der Menschenleben fordert, und es kommt künftig darauf an, dass zwischen dem digitalen und dem echten Krieg keine Verbindung zugelassen wird, kein Übergang der Art: Dann schießen wir mit echten Waffen zurück. Darum geht es jetzt überhaupt nicht, aber man kann sich nicht für alle Zeiten sicher sein.

Die Politiker sollten daher aus der Geschichte lernen. Sicherheitskonferenzen, vertrauensbildende Maßnahmen, Rüstungskontrolle - all das trug dazu bei, einen wirklich großen Krieg zu verhindern. Man kann nicht früh genug damit anfangen. Auch der digitale Raum braucht eine Friedenspolitik.

Heute gibt es dazu eine Sondersitzung des Digitalausschusses des Bundestags.

Tobias aus der Kiste

Foto: Andreas Schlichter/ Bongarts/Getty Images

Gestern war er noch Tobias Hans, von heute an wird er Ministerpräsident des Saarlandes sein, wenn ihn denn der Landtag wählt. Es gibt inzwischen einige dieser Kai-aus-der-Kiste-Karrieren in den Bundesländern. Daniel Günther, Stephan Weil, Reiner Haseloff - plötzlich tauchten sie in der "Tagesschau" auf und redeten wie Politiker. Man musste ihre Namen lernen wie Vokabeln.

Steht das für etwas? Vielleicht hierfür: Es fehlt, erstens, den Ländern an ehrgeizigem Nachwuchs, der sich über die Landesgrenzen hinaus profilieren will. Die Aufmerksamkeit, zweitens, fokussiert sich mehr und mehr auf die Hauptstadt, das Saarland interessiert allenfalls noch Saarländer.

Freiheit für dummes Zeug

Foto: KACPER PEMPEL/ REUTERS

Im Zimmer meiner ersten Freundin hing ein Plakat mit Rosa Luxemburgs großem Satz: Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Wir waren beide links und dachten, dass dies ein Satz ist, der uns schützen kann.

Heute tritt in Polen das Gesetz in Kraft, das es verbietet, von "polnischen Todeslagern" zu sprechen. Ich habe nicht das geringste Verständnis für Leute, die von polnischen Todeslagern sprechen, wenn sie Auschwitz-Birkenau oder Treblinka meinen. Die Mörder waren Deutsche oder handelten im Auftrag Deutschlands. Geografie ist hier absolut nachrangig.

Aber finde ich es richtig, diesen Ausdruck unter Strafe zu stellen? Hier kommt Rosa Luxemburg ins Spiel. Auch die Redefreiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden. Gilt leider auch für dummes Zeug.

DIN A08/15

Nullachtfünfzehn steht bis heute für das Unzulängliche, das Schlampige. Der Begriff leitet sich ab vom Maschinengewehr 08/15, mit dem die Reichswehr im Ersten Weltkrieg schoss. Offenbar war es nicht gerade zuverlässig.

Für dieses Maschinengewehr, lerne ich aus der "Süddeutschen Zeitung", wurde ein spezieller Kegelstift entwickelt, und für den galt dann die erste Industrienorm überhaupt. Vor genau 100 Jahren trat sie in Kraft, "DIN 1 - Kegelstifte". Seitdem geht's hierzulande ordentlich und übersichtlich zu.

Mich irritiert das manchmal, weil ich, Papiersnob, der ich bin, wichtige Briefe gerne auf englischem Briefpapier schreibe. Da stimmt doch was nicht, denke ich jedes Mal (ich schreibe nicht so oft wichtige Briefe). Dann fällt mir wieder ein, dass sich die Engländer natürlich nicht an DIN A4 halten.

Verlierer des Tages

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

"'Management' meint auch töten", diesen fürchterlichen Satz musste ich gestern in der "FAZ" lesen. Gesagt hat ihn der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies. Er sprach über Wolfsmanagement. 500 Tiere leben in Deutschland, und Lies will nun in Brüssel erreichen, dass man Wölfe jagen darf. Ein Grund: "Die Wölfe nähern sich immer wieder auch sehr auffällig den Menschen und dringen bis in Städte vor."

Das ist nun wahrlich ein tragischer Irrtum. Der Wolf denkt, dass ihm Zutraulichkeit hilft im Umgang mit dem Menschen, aber in Wahrheit führt Zutraulichkeit direkt zum Kopfschuss. Verlierer des Tages: der Wolf (okay, ich gebe zu, Wölfe und Hunde machen mich sentimental).

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Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Donnerstag,

Ihr Dirk Kurbjuweit

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