Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


diese Videoaufnahmen sind ein ungewöhnlich unverstellter Einblick in das Reden und Denken von Rechtspopulisten, wenn diese glauben, unter sich zu sein. Und sie sind politischer Sprengstoff. Die Zukunft von Österreichs Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist ungewiss, die Koalition aus ÖVP und FPÖ unter Kanzler Sebastian Kurz könnte zerbrechen, Neuwahlen sind nicht ausgeschlossen. Kurz will sich heute zu dem Fall äußern.

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Heft 21/2019
Angela Merkels apokalyptischer Blick auf die Lage der Welt

Kolleginnen und Kollegen von SPIEGEL und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) haben die heimlich aufgenommenen Videos ausgewertet und berichten hier und hier, wie Strache im Sommer 2017 einer vermeintlichen Oligarchennichte aus Russland für mögliche Unterstützung im Wahlkampf öffentliche Aufträge in Aussicht stellt.

Die Videos wurden dem SPIEGEL und der SZ zugespielt. Lesen Sie hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um diese Geschichte. Ausschnitte aus dem Video und die Einordung der Kollegen können Sie hier sehen.

Strache, damals noch in der Opposition, hoffte offenkundig auf russische Hilfe im Wahlkampfendspurt. Knapp drei Monate vor der Wahl kam es auf Ibiza zum Treffen mit der angeblich schwerreichen Frau aus Russland. Unter anderem wurde ein Einstieg bei der "Kronen Zeitung", Österreichs größtes Boulevardblatt, ausgelotet. O-Ton Strache: "Wenn sie die 'Kronen Zeitung' übernimmt drei Wochen vor der Wahl und uns zum Platz eins bringt, dann können wir über alles reden." Platz eins - Strache hofft auf die Kanzlerschaft.

Heinz-Christian Strache
Gianmaria Gava/ Anzenberger

Heinz-Christian Strache

Jetzt, knapp zwei Jahre später, könnte er wegen der Ibiza-Affäre seinen Vizeposten verlieren. Die Opposition fordert Straches Rücktritt, über Koalitionsbruch und Neuwahlen wird spekuliert. "Bundeskanzler Kurz hat morgen zum Bundespräsidenten zu gehen und die sofortige Entlassung des Vizekanzlers in die Wege zu leiten", sagt SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner.

Sollte Strache von sich aus gehen, könnte er dadurch möglicherweise das schwarz-blaue Bündnis retten und einen Neuanfang ermöglichen. Sollte aber Kurz Strache tatsächlich aus der Regierung werfen, wäre dies wohl das Ende für die Koalition - wenige Tage vor der Europawahl. Oder es passiert gar nichts? Auch möglich, allerdings nicht wahrscheinlich.

Strache selbst hat gegenüber SPIEGEL und SZ erklärt, er habe bei dem Gespräch auf Ibiza "auf die relevanten gesetzlichen Bestimmungen und die Notwendigkeit der Einhaltung der österreichischen Rechtsordnung" bei allen Themen "mehrmals hingewiesen". Er oder die FPÖ hätten "niemals irgendwelche Vorteile" von diesen Personen erhalten oder gewährt. Es sei "ein rein privates" Treffen in "lockerer, ungezwungener und feuchtfröhlicher Urlaubsatmosphäre" gewesen.

Merkels düsterer Blick

Auch diese Geschichte aus dem aktuellen SPIEGEL empfehle ich Ihnen unbedingt: Mein Kollege René Pfister, der die Kanzlerin seit vielen Jahren beobachtet und begleitet, beschreibt hier , warum Angela Merkel zum Ende ihrer Amtszeit so düster auf die Weltlage blickt. Was sie von ihren Amtsvorgängern unterscheide, schreibt Pfister, sei "ein tiefer Pessimismus, die Sorge, dass die Welt dem Abgrund entgegenschlittert". Allerdings wisse Merkel aber auch, dass die allgemeine Unruhe ihr in der Spätphase ihres Amtes durchaus nutzt.

Im Video: "Einfach weiter wie bisher" - SPIEGEL-Autor René Pfister über seine langjährige Merkel-Beobachtung

DER SPIEGEL

Wer die Kanzlerin im Wahlkampf sehen will, der muss weit reisen

Keine Plakate, (fast) keine Auftritte: Deutschlands beliebteste Regierungspolitikerin Angela Merkel hält sich raus aus dem Europawahlkampf ihrer Partei. Wer die Kanzlerin dennoch einmal kämpfen sehen will, der muss heute nach Kroatien schauen, Ihr erster gemeinsamer Auftritt mit EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber während dieses Wahlkampfs findet in Zagreb statt.

Mein unermüdlicher Kollege Peter Müller ist vor Ort und wird auf SPIEGEL ONLINE berichten. Erst kurz vor Schluss, am Freitag kommender Woche, tritt Merkel dann auch in Deutschland auf - bei der Abschlusskundgebung der Union in der Münchner Messe mit Weber, CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder

Die Positionen der beiden führenden Spitzenkandidaten können Sie übrigens hier vergleichen: Im SPIEGEL liefern sich Manfred Weber und der sozialdemokratische Kandidat Frans Timmermans einen ausführlichen Schlagabtausch. Es ist das einzige Streitgespräch mit einem Magazin.

Frans Timmermans (l.) und Manfred Weber
Matthias Jung/ DER SPIEGEL

Frans Timmermans (l.) und Manfred Weber

Wer wird Meister? Und wer steigt direkt auf?

So viel Spannung war seit Jahren nicht mehr an den letzten Spieltagen von erster und zweiter Fußball-Bundesliga.

Zuerst entscheidet sich heute Nachmittag die Meisterschaft: Wenn Bayern (75 Punkte) gegen Frankfurt verlöre und Dortmund (73) gegen Gladbach gewönne, dann hieße der Meister nach sechs Jahren erstmals nicht mehr FC Bayern München. Sondern Borussia Dortmund. Aber Sie merken schon, ich habe es in den Konjunktiv II gesetzt. Meine Kollegen haben hier übrigens die Wahrscheinlichkeiten ausgerechnet.

Am Sonntag folgt dann der Kampf um den Aufstieg: Köln (62) ist eh durch. Verliert aber Paderborn (57) in Dresden (oder spielt unentschieden) und gewinnt Union Berlin (56) in Bochum, dann, ja dann steigt der Verein aus dem Berliner Osten erstmals in die Bundesliga auf (ansonsten wartet die Relegation gegen den VfB Stuttgart). Das ist, verzeihen Sie diese Parteinahme, eine ganz und gar großartige Aussicht. Und sehen Sie, ich habe es nicht in den Konjunktiv gesetzt.

Verlier des Tages …

.. sind die Raucher. Die sollen nach dem Willen von Finanzminister Olaf Scholz über eine stufenweise erhöhte Tabaksteuer nun die Haushaltslücke stopfen. In den nächsten fünf Jahren will der SPD-Minister auf diese Weise rund vier Milliarden Euro zusätzlich einnehmen.

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Listkaefer 18.05.2019
1. Schlagabtausch zwischen ...
... Timmermans und Weber? Die mögen sich doch, und das ist auch gut so.
kartoffel272 18.05.2019
2. Der erste Satz
Sparen Sie sich den ersten Satz, meine Güte. Sie haben jetzt die Möglichkeit Strache zu stürzen, jetzt bloß nicht plump werden. Einen haben Sie erwischt, aber werden Sie kein Rechtspopulist und scheren alle über einen Kamm.
blackbaro 18.05.2019
3. Strache muss zurücktreten
oder entlassen werden. Was mir jedoch sehr zu denken gibt sind die Umstände. Da wird ein Mann in seinem Urlaub in eine Video Falle gelockt und 6 Stunden lang mit Alkohol abgefüllt und dabei wird dann versucht bestimmte antworten aus ihm heraus zu kitzeln. Keine Frage ein Politiker sollte auch besoffen Herr seiner Sinne sein. Dann wird das Filmmaterial aus dem Jahr 2017 vor Monaten schon der SZ und dem Spiegel zugespielt,aber erst kurz vor der Europa Wahl veröffentlicht.was will man hiermit bezwecken? Wahlmanipulation? Übrigens bei uns heissen Leute wie Strache Lobbyisten!!! Die dürfen das,auch nüchtern.
crewmitglied27 18.05.2019
4. Man kann hier nicht hören
"wie Rechtspopulisten so reden". Man hört nur, wie ein betrunkener Strahe redet. Ganz ehrlich, manche Wahlkampfrede von Franz Josef Strauß war schlimmer.
don_spon 18.05.2019
5. Genau
Was Populisten wirklich denken. Schöner kann man es nicht auf den Punkt bringen. Es sind keine Demokraten. Es sind Chauvinisten und in weiten Teilen sind es auch Faschisten.
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