Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,

die Kritik an den Klimabeschlüssen der Bundesregierung verstehe ich gut. Das wirkt nicht entschieden, nicht mutig, es fehlt die große Idee, die klare Linie, soweit ich das beurteilen kann. Die negativen Urteile vieler Experten leuchten mir ein. Allerdings denke ich auch an das Jahr 2003, als Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Hartz-IV-Reformen vorstellte. Wie laut da die Kritik war, aus allen Richtungen. Unsozial, sagten die einen. Nicht entschieden, nicht mutig, es fehle die große Idee, die klare Linie, sagten die anderen (ich war einer von denen).

Foto: Boris Roessler/ DPA

Dem Urteil "unsozial" ist schwer zu widersprechen. Aber Schröders Reformen gelten heute als eine der Grundlagen für den langen Aufschwung der Bundesrepublik, der manchmal sogar ein zweites Wirtschaftswunder genannt wird. Sollten wir daraus nicht lernen?

Klimapolitik und Sozialreformen sind sicherlich schwer zu vergleichen. Aber eine gewisse Skepsis gegenüber dem schnellen Urteil sollten wir uns zugestehen. Wirklich gut gefällt mir an diesem Paket, dass es ständig überprüft und angepasst werden soll, wenn es die Zwischenziele nicht erreicht.

Grüne Machtlosigkeit

Foto: Kay Nietfeld/ DPA

Die Grünen in Baden-Württemberg feiern heute ihr 40-jähriges Bestehen mit einem Parteitag in Sindelfingen. Dort wurde damals der erste grüne Landesverband überhaupt gegründet. Der Weg dieser Partei gilt als Erfolgsgeschichte, gerade in diesen Tagen, da sich alles um das Klima dreht. Man kann das aber auch anders sehen.

Seit gut vierzig Jahren bieten sich die Grünen als Alternative an, predigen die Dringlichkeit der Umweltthemen. Aber auf Bundesebene blieben sie im 10-Prozent-Getto stecken, meist lagen sie unter dieser Marke. Den Politikern wird nun zu Recht vorgeworfen, sie hätten die Probleme zu spät und nicht entschieden genug angepackt. Allerdings wollten die meisten Bürger bislang keine Politiker an der Macht sehen, die die Probleme womöglich früh und entschieden angepackt hätten.

Bekommt man überhaupt Bier auf dem Oktoberfest?

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Als Nicht-Bayer wird man jedes Jahr vom Beginn des Oktoberfests überrascht. Morgen ist es wieder so weit, mitten im September. Der Preis für eine Maß liegt bei mindestens 11,40 Euro, damit Sie Bescheid wissen.

Meine einzige Bierzelt-Erfahrung beim Oktoberfest ist diese: Ich ging in ein Bierzelt und bestellte bei einer Kellnerin eine Maß Bier. Sie sagte mir, Bier gebe es nur für Leute, die einen Sitzplatz haben. Es gab aber keine Sitzplätze. Ich wartete eine Weile auf einen Sitzplatz, um ein Bier zu bekommen, aber da keiner frei wurde, verließ ich das Oktoberfest, ohne ein Bier getrunken zu haben.

Man trifft ja in aller Welt Leute, die auf dem Münchner Oktoberfest mehr oder weniger in Bier gebadet haben. Wenn ich denen von der Unmöglichkeit erzähle, dort ein Bier zu bekommen, schauen sie mich an wie einen Wahnsinnigen.

Verliererin des Tages...

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... ist die Avocado. Sie gilt einerseits als cool. In Berlin-Mitte gibt's kaum eine Bowl, ein Sandwich oder einen Salat ohne Avocado, die sozusagen das führende Nicht-Fleisch ist.

Die Avocado gilt andererseits als Umweltkiller, weil ihr Anbau extrem viel Wasser verschlingt, und das in Regionen, in denen Wasser knapp sein kann.

Davon kann der Chilene Rodrigo Mundaca berichten. In der Region Petorca kämpft er dafür, dass alle Menschen freien Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen. Ein großes Problem ist dabei der Anbau von Avocados. Mundaca wird am Sonntag mit dem Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Und Berlin-Mitte sollte vielleicht nochmal neu über die Avocado nachdenken.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in den Tag.

Ihr Dirk Kurbjuweit

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