Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


es ist nicht so, dass Bremen heute die militärischen Strukturen der Nato verlassen muss. Es ist allerdings so, dass die Bremische Bürgerschaft heute voraussichtlich mit einer Mehrheit von SPD, Grünen und Linken einen neuen Bürgermeister wählen wird, den Sozialdemokraten Andreas Bovenschulte. Dies wird das dritte rot-rot-grüne Bündnis in einem Bundesland, nach Thüringen und Berlin.

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Heft 33/2019
Wahnsinn Kreuzfahrt - die dunkle Seite des Traumurlaubs

Bundesländer sind nicht für die Außenpolitik zuständig, weshalb es dort leichter ist, die Linke ins Boot zu holen. Denn die fordert tatsächlich immer noch, die Nato aufzulösen. Heutzutage fragt es sich allerdings, ob das noch eine genuin linke Position ist oder eher eine rechtspopulistische. Auch Donald Trump ist ziemlich skeptisch, was die Nato angeht.

Und in Ostdeutschland könnte sich die Linke demnächst in einer Koalition mit der CDU wiederfinden, damit es trotz einer starken AfD eine Regierungsmehrheit geben kann.

Das alles zeigt nur, wie irre es ist, an starren Positionen festzuhalten. Deutschland braucht eine linke Alternative zu einer ewigen CDU-Kanzlerschaft und eine liberal-demokratische Alternative zur Alternative für Deutschland. Wer sich dreimal auf Landesebene traut, der könnte das auch im Bund tun. Es muss ja nicht sein, aber es sollte möglich sein.

Waldeinsamkeit

Julian Stratenschulte/ DPA

Die Deutschen, die den Wald angeblich so lieben, sind nicht gut mit ihm umgegangen. Aus dem Wald kamen Hermanns Germanen und schlugen das Heer der Römer. In den Wald flohen die Bauern mit ihren Familien, als im Dreißigjährigen Krieg marodierende Söldnerhorden anrückten. Der Romantiker Tieck schwärmte um 1800 von der "Waldeinsamkeit". Mit diesen und anderen Mythen wurde der Wald selbst zum deutschen Mythos. Das Waldsterben in den Achtzigerjahren hat die Nation daher zutiefst entsetzt.

Aber das hat nicht gereicht, um den Wald in Frieden zu lassen oder intelligent und nachhaltig zu bewirtschaften. Jetzt, da er als CO2-Speicher dringend gebraucht wird, zeigt er sich in einem miserablen Zustand. Dazu wird sich heute Olaf Tschimpke, Präsident vom Naturschutzbund Deutschland bei seiner umweltpolitischen Bilanz äußern.

Öde Fichtenmonokulturen hätten wohl weder den Germanen noch den Bauern Deckung geboten, noch wäre Tieck zu einem lustvollen Waldeinsamkeitsgefühl animiert worden. Man wird wohl zurückkehren müssen zu einem ursprünglichen Wald, diesmal zur Abwehr einer Klimakatastrophe.

Kohl verdrängt Ebert

Volker Lannert/ DPA

Helmut Kohl wird heute Friedrich Ebert etwas wegnehmen. Ein Stück Straße. Das passiert in Bonn, wo ein Teil der Friedrich-Ebert-Allee in Helmut-Kohl-Allee umbenannt wird, und zwar passenderweise der Abschnitt zwischen Genscherallee und Helmut-Schmidt-Platz. Schon Anfang der Achtzigerjahre drängte sich Kohl zwischen diese beiden, bis Genschers FDP die Koalition mit Schmidts SPD verließ, um mit Kohls Union ein neues Bündnis zu schließen. So wird Geschichte straßengeografisch abgebildet. Ebert, der erste Reichspräsident, hat diese Verkürzung allerdings nicht verdient.

Gewinnerin des Tages...

Maurizio Gambarini/ picture alliance / dpa

... ist Ursula von der Leyen, die heute mit einem Großen Zapfenstreich als Verteidigungsministerin verabschiedet wird. Die Bundeswehrkapelle spielt "Wind of Change" von den Scorpions, dazu ein bisschen Mozart, ein bisschen Beethoven. So hat es sich von der Leyen gewünscht.

Sie hat dieses schwierige Amt nicht wirklich in den Griff bekommen, aber es passte zu ihr. So schneidig wie ein Leutnant war von der Leyen wahrscheinlich schon von Geburt an, auch so diszipliniert. Sie war kein Fremdkörper, sondern eine Frau, die ganz selbstverständlich die Chefin von 180.000 Soldaten ist. Das bleibt ein wichtiger Schritt zur Gleichstellung von Mann und Frau.

Aber wahrscheinlich ist sie froh, dass sie nun keine Angst mehr vor dem nächsten Beschaffungsskandal haben muss, vor den nächsten Flugzeugen, die nicht fliegen, den nächsten Soldaten, die sich lieber in der Wehrmacht sähen als in der Bundeswehr. Und dass ständig ein Unteroffizier (Uffz) "Feuer frei" sagt, wenn geraucht werden darf.

Andererseits: Ob die EU-Kommission wirklich angenehmer ist?

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
kalim.karemi 15.08.2019
1. Wirrer Unsinn
Linke und Trump zur Einstellung gegenüber der NATO in eine Topf geworfen, RRG auf Bundesebene fordern und Uschi als Gewinner dastehen lassen? Mann oh Mann.
LorenzSTR 15.08.2019
2. Weltsicht
Dass Sie auf die Idee kommen, kritische Positionen gegenüber der Nato als krude und rechtspopulistisch zu bezeichnen, lässt eigentlich eher auf ein schräges Weltbild der angeblichen "Mitte" schließen. Dazu passt dann auch der Text über von der Leyen, der direkt aus der Bundeswehr-Pressestelle kommen könnte. So geht eben Qualitätsjournalismus. Nicht.
Y-Nummer 15.08.2019
3.
Die Existenz der NATO ist mitverantwortlich für den Krieg in der Ukraine und von Teilen der NATO gehen regelmäßige verbotene Angriffskriege (zb Irakkrieg 2003) aus. Ich wüsste nicht, wieso der Wille zu einem Austritt/einer Auflösung eine "krude Weltsicht" sein sollte.
StefanZ. 15.08.2019
4. von der Leyen Weltsicht und die NATO Art
Was sind die Gründe dafür, daß wir uns auf eine Politik der 27 Länder unter dem Zepter von Frau v.d.L freuen sollten? Meiner Meinung nach hat Sie in den letzten Jahren ziemlich unmißverständlich gezeigt, daß sie nicht das Format eines Brandts etc. hat um Spannungen zu verringern, daß sie demgegenüber der Doktrin des Erpressens, Bedrohens, Sanktionierens als Mittel der Politik zustimmt, so wie diese ja auch im derzeitigen Instrumentarium der NATO gilt. Man darf sich also auf eisige Beziehungen in der EU Außenpolitik einstellen. Und was die Art der Meinungsbildung innerhalb der EU betrifft dürfte das noch öfter Züge von – wie Sie es nennen – disziplinierter Meinungserpressung bringen. Nicht Recht haben wird zählen, sondern am längeren Hebel sitzen. Demokratie geht anders.
doc_snyeder 15.08.2019
5. Die Linke im Aufwind?
Wer sagt das denn? - Von den auf SPON permanent beobachteten Meinungsumfrageinstituten jedenfalls noch keines. Bei allen dümpeln die Linken um 8 %, mit mal einem Pünktchen rauf und mal einem Pünktchen runter. - Und das ist auch gut so.
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