Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,

Martin Luther ist der Erfinder der deutschen Seele, der Urvater der Nation. Seine 95 Thesen zum Ablasshandel, seine Übersetzung der Bibel, seine politischen und moralischen Interventionen haben dieses Land geprägt wie nichts anderes.

Martin-Luther-Denkmal in Wittenberg

Martin-Luther-Denkmal in Wittenberg

Foto: Hendrik Schmidt/ picture alliance / dpa

2017 ist Lutherjahr, da er 1517 seine 95 Thesen veröffentlicht hat, ein sehr rundes Jubiläum also. Wir widmen uns Luther in unserer Titelgeschichte, Auftakt einer Serie zu seinen Wirkungen bis heute. Für uns war er der erste Wutbürger. Den Text zum Titel hat Georg Diez geschrieben, der in einem Pfarrhaus aufgewachsen ist, also genau weiß, was das bedeutet, so wie Angela Merkel und Gudrun Ensslin. Aber lesen Sie selbst. Sola scriptura war einer der Grundsätze Luthers. Frei übersetzt: Nur das Geschriebene zählt. So sehen wir das auch (wollen den SPIEGEL aber selbstverständlich nicht mit der Bibel vergleichen).

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Im Video: Luthers Leben - in Bildern und Zitaten

Traurig und komisch

Renate Künast zieht los. Sie will Männer treffen, die sie auf Facebook mit Hass und Schmähungen überziehen. Sie kommt unangemeldet, sie klingelt und sagt: Ich bin Renate Künast, ich möchte mit Ihnen reden. Meine Kollegin Britta Stuff war dabei, es war ihre Idee, diese Tour mit Renate Künast zu machen. Eine wunderbare Idee. Wut und Hass in der politischen Debatte sind das große Thema unserer Zeit, und nie konnte man so anschaulich darüber lesen wie in Stuffs Reportage, die so traurig wie komisch ist.

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Im Video: Renate Künast liest Hasskommentare

Platzt die Blase?

Langsam, mehr und mehr kriecht eine Sorge ins Bewusstsein von Leuten, die Häuser oder Wohnungen besitzen, nicht nur in Berlin, auch in China, in vielen Städten der Welt. Die Sorge treibt ein Wort: Blase. Die Preise für Immobilien steigen und steigen, erreichen unrealistische Höhen, aus denen sie eines Tages abstürzen könnten. Spanien hat das erlebt, eine schwere Wirtschaftskrise folgte. Alexander Jung und ein Team haben weltweit recherchiert und einen luziden, faktenreichen Report über die Lage auf den Immobilienmärkten geschrieben. Aber keine Panik: Wer seine Immobilie solide finanziert, hat weiterhin eine gute Altersversorgung.

Frankensteins Herz

Harald Ott züchtet Herzen. Er nimmt dazu das Herz eines Toten, baut es neu auf, bis es zum Körper eines anderes Menschen passt, der es übernehmen könnte, ohne Abstoßungsreaktionen fürchten zu müssen. Noch gelingt das nicht. Aber es gibt erste Erfolge, und es wird denkbar, dass wir eines Tages Ott'sche Organe problemlos in uns tragen, wenn unsere eigenen verbraucht sind. Gruselt's Ihnen? Mir auch, aber in solchen Forschungen steckt auch die Hoffnung auf ein langes, gesundes Leben. Dialika Neufeld hat Ott in Boston besucht und beschreibt einen freundlichen Doktor Frankenstein, der sagt: "Ich lasse halt gern Dinge wachsen." Orchideen mag er nämlich auch.

Triumph der Schönheit

Hamburger Elbphilharmonie

Hamburger Elbphilharmonie

Foto: Christian Charisius/ dpa

Jeden Tag sehe ich vom meinem Bürofenster aus die Elbphilharmonie, und sie macht mich glücklich. So eine hinreißende, sich dem Meer entgegenschwingende Form, was für ein spannender Kontrast zu dem massiven Sockel, auf dem sie steht. An die extremen Kosten denke ich dann nicht. Ulrike Knöfel hat ein schönes Gespräch mit Jacques Herzog geführt, der die Elbphilharmonie mit seinem Partner Pierre de Meuron entworfen hat.

Die Nachrichten dieser Nacht:

Verlierer des Tages

Phil Collins

Phil Collins

Foto: Chris Jackson/ Getty Images

Das ist Phil Collins, Musiker, einst mit Genesis unterwegs, dann solo. Ich habe die frühen Genesis geliebt, Phil Collins als Solisten aber gehasst. Wenn seine Lieder im Radio kamen, habe ich den Ton abgedreht. Nun hat er eine Autobiografie geschrieben, und mein Kollege Marc Hujer hat ihn getroffen. Hujer beschreibt einen Mann, der alles erreicht hat, der vergnügt sein könnte, aber rumjammert und sich klein macht. Sagen wir es so: Phil Collins ist der bestgestellte Verlierer des Tages aller Zeiten.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und ein vergnügliches Wochenende!

Herzlich,

Ihr Dirk Kurbjuweit

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