Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser, guten Morgen,


heute beschäftigen wir uns mit der Kriegsgefahr im Nahen Osten, mit dem Verhältnis der AfD zum freien Wort, mit dem Verkehrsproblem eines Nashorns und mit herumzickenden Torhütern.

Warum Klimapolitik gegen Despoten hilft

AFP
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Heft 38/2019
Verteufelt, aber begehrt: Das SUV - Symbol für die deutsche Doppelmoral

Wer noch ein Argument für eine andere CO2-Politik braucht, findet es derzeit im Nahen Osten. Nach dem Luftangriff auf die saudi-arabische Ölindustrie droht in der Region der nächste Krieg. Schon jetzt sind die Ölpreise gestiegen, sie würden dann weiter steigen. Es ist schon lange ein Wahnsinn, dass wir so abhängig sind von Staaten wie Iran oder Saudi-Arabien. Es macht uns politisch gefügig, es bringt ruchlose Despoten in eine günstige Position.

Auch deshalb sollte sich die Bundesregierung am Freitag auf eine wirksame Klimapolitik einigen. Der Ölverbrauch muss reduziert werden, als Maßnahme gegen die Erderwärmung und die Abhängigkeit von einer schwierigen Region.

Fragen, was ist

Carsten Koall/ Getty Images

Eines der großen Themen der AfD ist die Frage, was man noch sagen dürfe. Angeblich nicht mehr so viel. Ein anderes Thema der AfD ist, was man fragen darf, also was Journalisten AfD-Politiker fragen dürfen. Auch nicht so viel. Björn Höcke war mit den Fragen eines ZDF-Redakteurs zu seiner Sprache nicht einverstanden und brach das Interview ab. Wie passt das zu einer Partei, die das freie Wort angeblich so liebt?

Für die Meinungsfreiheit ist die Fragefreiheit ein zentrales Element. Nur mit der Frage lassen sich Missstände und Widersprüche aufdecken, nur mit der Frage lässt sich herausarbeiten, was jemand denkt oder vorhat. Die Frage ist das edelste und schärfste Instrument eines Journalisten. Wenn jemand über die Fragen und die Antworten bestimmen will, strebt er nicht nach Diskurs, sondern nach Propaganda.

Rollende Blechwand

Ronald Wittek/ DPA

Zur Beziehung von Mensch und Nashorn: Je mehr Nashörner von Menschen abgeknallt werden, desto begieriger sind andere Menschen, eines der letzten Nashörner zu sehen.

Samstagmorgen im Ngorongoro-Krater: Über Funk kommt die Meldung, dass ein Nashorn gesichtet wurde. Ich, ein Tourist, sitze in einem Toyota Land Cruiser, der Fahrer gibt Gas, rast über die Sandpiste. In der Ferne sehen wir zwanzig, dreißig Land Cruiser in einer Reihe stehen, dort muss es sein. Wir halten, und richtig, da hinten ist das Nashorn, es trottet auf uns zu. Ringsum erheben sich Staubwolken von anderen Land Cruisern, die herbeieilen. Bald sind siebzig, achtzig Fahrzeuge mit verzückten Touristen versammelt. Ein Stau wie auf dem Ku'damm zur Stoßzeit, Gerangel um die besten Plätze.

Das Nashorn biegt ab. Die Karawane setzt sich in Bewegung, biegt ebenfalls ab, versperrt dem Nashorn wieder den Weg. Egal, wo es hinläuft, da steht eine Blechwand. Was mag es denken? Es ist einer der Momente, in denen man die anderen Touristen albern finden würde, wäre man nicht einer von ihnen.

Verlierer des Tages...

Christian Charisius/ DPA

... ist der rumzickende Torwart. Er gehört zu den wiederkehrenden Sozialfiguren der Bundesrepublik. Meist zeigt er sich im sogenannten Torwartkrieg, von denen es einige gab, Sepp Maier gegen Wolfgang Kleff, Toni Schumacher gegen Uli Stein, Oliver Kahn gegen Jens Lehmann, jetzt Manuel Neuer gegen Marc-André ter Stegen. Es ist immer das Gleiche, die Nummer zwei will die Nummer eins werden, schafft das nicht trotz guter Leistungen und trägt ihren Frust in die Öffentlichkeit.

Schon wird "die Unruhe in der Mannschaft" als Gefahr beschworen. Nicht so schlimm. Neuer ist nicht mehr das Monument, das er mal war, ein bisschen Druck vom Konkurrenten kann da nicht schaden. Und wenn doch, springt eben ter Stegen ein. Verlierer des Tages ist er trotzdem.

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
StefanZ. 17.09.2019
1. Unsere Unfähigkeit die Kriegsgefahr zu verringern
Ich bin Ihrer Meinung, die bisherigen Bemühungen zum Drosseln der latenten Kriegsgefahren sind völlig unzureichend. Es gibt z.B. zu viele an den Hebeln der Macht, die kein Problem mit Lügen, Betrügen und Manipulieren haben, wenn es darum geht mittels Kriegsführung zu mehr Macht und Geld zu kommen. Gerade wurde eine neue Studie veröffentlicht, die zeigt, dass unsere Menschheit über die letzten 200 Jahre hinweg nichts in Sachen Kriegslüsternheit verbessert hat: https://news.osu.edu/whats-preventing-the-next-world-war-random-luck/ Die Pressemitteilung ist lesenswert, ganz zum Ende hin wird fast schon nebenbei erwähnt, dass wir durch Studien bereits wissen, dass Bündnisse von Nationen zum Zwecke der gemeinsamen Verteidigung die Wahrscheinlichkeit von neuen Kriegen mit Nichtmitgliedern erhöhen anstatt zu reduzieren. Mit anderen Worten: ein weiteres solches Bündnis im Rahmen der EU ist wohl das Letzte was dem Weltfrieden dienen würde. Der logische Weg zur Friedenserzwingung und -erhaltung kann also nur über ein universelles Verteidigungsbündnis aller Staaten führen, ein neuer und besser gestalteter Anlauf über die Vereinten Nationen.
burlei 17.09.2019
2. Mein lieber Herr Kurbjuweit ...
... leider sehen Sie das mit der Meinungs- und Fragefreiheit und der AfD völlig falsch. Die AfD ist die einzige Partei, bei der die Meinungs- und Pressefreiheit noch etwas gilt. Sie ist die einzige Partei, die noch mit allen Kräften die reine Wahrheit verteidigt. Und - das Wichtigste: Nur die AfD ist im Besitz der lauteren Wahrheit! Logisch, dass alles, was von der Nicht-AfD-Seite kommt nur Lügen sind, nur der AfD schaden will. Da muss man sich eben dran gewöhnen. Heute wird man misstrauisch, wenn ein AfDling einem einen Guten Tag wünscht. Ist es wirklich ein Guter Tag? Morgen muss man wissen, dass es für ihn ein guter Tag ist, denn die AfD ist im Besitz der lauteren Wahrheit. Für den Normalbürger heißt das dann, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann. Also, liebes ZDF, den Bernd Höcke einfach selber die Fragen stellen lassen, die er auch sofort beantworten kann. Die AfDlinge werden vor Stolz platzen, der Rest der Bevölkerung weiß, was dieser..... Mensch von sich gibt.
stefanmargraf 17.09.2019
3. Habe ich da richtig gelesen?
Der Ölverbrauch muss reduziert werden einerseits und andererseits sitze ich im Landcruiser (der richtig Gas gibt) in Afrika, um ein Tier zu sehen, das es auch bei uns im Zoo gibt?
muellerthomas 17.09.2019
4.
und ich dachte zunächst, mit dem zickenden Torhüter sei Neuer gemeint...
trackingerror 17.09.2019
5.
Deutschland das Land der Dichter und Denker? Dass ich nicht lache. Wer die AfD wählt, wählt das Verderben.
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