Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


Wo bleibt Kevin Kühnert?

Einer fehlt noch. Wenn sich jetzt noch Kevin Kühnert meldet, bekommt die SPD ein Kandidatenduell, in dem sie alle wesentlichen Fragen klären kann. Finanzminister Olaf Scholz gegen Juso-Chef Kevin Kühnert, das wäre das Spektakel, das dieser Partei helfen kann. Mitte gegen links, Regierungspragmatik gegen Oppositionsfuror, Parteiestablishment gegen Jugendschwung, Kontinuität gegen Aufbruch.

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Heft 34/2019
Ewig junge Haut? Die falschen Versprechungen der Kosmetikindustrie - und was wirklich hilft

Die beiden müssten dann noch gute Partnerinnen für die Doppelspitze finden, und ein paar andere Paare sind ja auch noch im Rennen. Die SPD würde plötzlich wieder lebendig wirken, und das ist gut für die Republik.

RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Bloß kein zweites Amt

Jetzt kommt ein Dämpfer: Sowohl Scholz als auch Annegret Kramp-Karrenbauer sind in kurzer Zeit umgefallen. AKK hatte verkündet, das Verteidigungsministerium passe nicht zu ihren Aufgaben als Parteivorsitzende. Scholz hatte gesagt, ein Finanzminister habe nicht die Zeit, auch noch Parteivorsitzender zu sein. Man könnte das so zusammenfassen: Niemand hatte die Absicht, ein zweites Amt zu übernehmen.

Christophe Gateau/ DPA

Man kann ja immer seine Worte fressen, aber wenn das zweimal in so kurzer Zeit auf der Topetage der Politik passiert, darf sich der Bürger auch verschaukelt fühlen. Was soll man denen noch glauben?, ist eine populistische Frage. Aber hier hat sie ihre Berechtigung.

  • Olaf Scholz zum SPD-Parteivorsitz: "Ich bin bereit anzutreten" (Lesen Sie hier die ganze Geschichte.)
  • Bundesbobbycar

    Sollte an diesem Wochenende innenpolitisch nicht so viel passieren, liegt das an der Hüpfburg, dem Bobbycar-Parcours und der Hacker-Show. Die Bundeskanzlerin und ihre Minister sind heute und morgen mit dem Tag der offenen Tür der Bundesregierung beschäftigt. Sollten Sie in Berlin sein, haben Sie die seltene Chance, Angela Merkel an ihrer Arbeitsstätte zu besuchen.

    Unverfügbar verfügbar

    Gestern habe ich hier das Buch "Unverfügbarkeit" von Hartmut Rosa erwähnt. Mich hatte der Titel angezogen, weil ich manchmal gern unverfügbar wäre. Nun habe ich die Hälfte gelesen und musste erfahren, dass Rosa dieses Wort in einem anderen Sinne versteht. Die Welt präsentiert sich uns in permanenter Verfügbarkeit, über das Smartphone vor allem. Wir können jederzeit von überall nahezu jede Information abrufen, wir können jederzeit von überall nahezu alles kaufen.

    Man ahnt schon, dass dies nur eine scheinbare Verfügbarkeit sein kann. Alles lässt sich aufrufen und abrufen, aber es fehlt die Resonanz, die Welt aus dem Smartphone tritt nicht in eine tiefere Beziehung zum Bürger, bleibt damit unverfügbar. Auch ein interessanter Gedanke. Ich halte Sie weiter auf dem Laufenden.

    Gewinner des Tages

    Matthias Balk/dpa

    Wenn jemand drei Schüsse auf das Tor des FC Bayern München in München abgegeben und dreimal getroffen hat, dann ist völlig klar, dass er mit dem vierten Schuss scheitert. Anders kann es nicht sein, solche Serien gibt es nicht, schon gar nicht gegen die Bayern, schon gar nicht gegen Manuel Neuer. Dachte man sich vor dem Bundesligaauftakt gestern Abend in München, Bayern gegen Hertha BSC.

    Auf dem Platz stand ein Mann mit dem schönen Namen Dodi Lukebakio. In der letzten Saison spielte er für Fortuna Düsseldorf und traf mit drei Schüssen dreimal in der Münchener Allianz Arena. Lukebakio ist zu Hertha gewechselt, und was passierte mit seinem ersten Schuss im blau-weißen Trikot? Er trudelte ins Tor. Ein Märchen. Das Spiel endete 2:2. Für die Bayern und ihre Fans wird das wohl keine lustige Saison.

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    insgesamt 13 Beiträge
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    Seite 1
    DietrichHorstmann 17.08.2019
    1. Wofür stehen die Kandidaten inhaltlich ?
    Die Kriterien für die Kandidaten : Bekannheitsgrad, Promistatus, bisherige politische Positionen und Bild , also Aussehen. Inhaltliche Ausrichtung - Fehlanzeige. Bildniveau unterschritten. Ärgerliche Oberflächlichkeit. Mißachtung der Intelligenz der Wahlberechtigten. Rankings statt Vorstellung der Ziele. Niedergang des Journalismus . Werden Sie sicher nicht bringen können. Inhaltliche Kritik ist unerwünscht.
    jonath2010 17.08.2019
    2. Das Verschaukeln kommt viel zu oft vor
    "Man kann ja immer seine Worte fressen, aber wenn das zweimal in so kurzer Zeit auf der Topetage der Politik passiert, darf sich der Bürger auch verschaukelt fühlen." Wieso verschaukeln "zweimal in kurzer Zeit"? Wenn es doch nur die beiden Male gewesen wären – AKK und jetzt Olaf Scholz. Aber das Verschaukeln hat doch Methode und gehört offenbar heute zum Repertoire der Politik. Nach der Bundestagswahl 2017 wurde seitens der SPD eine Beteiligung an der Bundesregierung in Bausch und Bogen abgelehnt. Wie lange hatte diese Beteuerung Bestand? Anderes Beispiel: Niemals wollte die SPD gemeinsam mit den Linken regieren. Und heute? Siehe Berlin, siehe Bremen, siehe Thüringen.
    whitewisent 17.08.2019
    3.
    Das Problem bei Scholz gegen Kühnert wäre, dass völlig aus dem Auge gerät, worum es geht - den SPD.-Parteivorsitz. Keine zweite Abstimmung über die Beteiligung an der Groko, kein Vorwegnahme der Spitzenkandidatur 2021. Es ist aber absehbar, dass bei der Tour durch die SPD-Provinz soviel harte Kritik und wahre Feindschaft offengelegt wird, wie sie durch die anderen Parteien und Medien nie nach außen getragen würde. Schon jetzt müssen einige Kandidaten sich fragen, warum sie sich das antun. Dank oder zumindest Respekt scheint derzeit Mangelware zu sein. Was nicht passt, wenn man die Angst vor dem politischen Exitus sieht. Ein Blick nach Spanien und Italien sollte ausreichen, um das Ergebnis zu ahnen.
    new#head 17.08.2019
    4.
    Wenn es denn hilft, Kühnert mit überholten Klassenkampfkonzepten, die keinen mehr ansprechen. Scholz der Wendehals unter den " Umverteilern" Das wird kein deutlicher Imahewandel der Partei. Aber wer soll es richten? Die SPD hat keine überzeugende Leitfigur. Es beschränkt sich auf zwei prominente Flops und ein Heer von Nonames.
    finya-satchmo 17.08.2019
    5. Medienspektakel
    Ja - Scholz gegen Kühnert wäre ein Spektakel - und das ist es, was den Medien gut tut, weil sie nur damit Geld verdienen. Für die SPD ist es eine Falle, in die der SPIEGEL sie locken will - nicht erst seit jetzt, der Kühnert-Titel ist ja schon alt. Kühnert mag sich zu einem tüchtigen Politiker entwickeln - den Weg hat er aber noch vor sich; vorlaute Tweets und flapsige Bemerkungen qualifizieren nicht zur Führung einer grossen Partei. Scholz hat seine Meriten und ist ein logischer Kandidat. Ich werde ihn zwar nicht wählen, aber das ist nicht spielentscheidend. Für die Tendenz in der Stimmung der Bevölkerung wird aber entscheidend sein, ob die Leitmedien weiter auf "Spektakel" setzen oder wieder zur ernsthaften, der Sache angemessenen Berichterstattung zurückfinden.
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