Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


an den Leibhaftigen glauben drei Viertel der Deutschen nicht, aber viele von denen sind Mitglieder von Kirchen, die seine Existenz offiziell nicht in Frage stellen. Wie passt das zusammen? Vielen reicht es nun, sie wollen sich nicht mehr mit etwas verbinden, was sie für Kokolores halten, die Existenz des Teufels zum Beispiel, die unbefleckte Empfängnis, Jesus' Auferstehung zu Ostern. Sie glauben vielleicht noch an einen Gott, aber nicht an die Erzählungen der Kirche.

Joerg Glaescher/ Laif
Titelbild
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Heft 17/2019
Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen

Diesem Thema widmet sich die Titelgeschichte vom neuen SPIEGEL, der heute, am Ostersamstag, an den Kiosken liegt. Wir haben dazu eine Umfrage machen lassen, wie die Deutschen glauben, und Dietmar Pieper erzählt Geschichten vom Glauben und Zweifeln, wobei die Zweifel größer werden. "Der Himmel ist leer", lautet die Überschrift seines Textes.

Ein milder Innenminister?

Abschiebung vom Flughafen München nach Afghanistan
Michael Trammer/ imago

Abschiebung vom Flughafen München nach Afghanistan

Seehofer paradox, das ist neuerdings zu besichtigen. Seine Flüchtlingspolitik gilt einigen Parteifreunden aus CDU und CSU als zu lasch, seitdem er sich mit Arbeitsminister Heil auf einen Kompromiss geeinigt hat. Es geht da unter anderem um Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge, die noch nicht anerkannt sind. Mit Widerstand im Parlament ist zu rechnen, wie meine Kollegen aus dem Hauptstadtbüro recherchiert haben. Auch diesen Text finden Sie im neuen SPIEGEL.

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Die Terminkalender sind für das Osterwochenende weitgehend leer, aber es gibt ja die Osterroutinen.

Osterroutine 1

DPA

Es ist ja ganz schön, dass es ein paar Worte gibt, die mit absoluter Verlässlichkeit gesagt werden, egal was kommt. Es sind so ziemlich die berühmtesten Worte der westlichen Hemisphäre, und sie heißen schlicht: der Stadt und dem Erdkreis. Auf Latein: Urbi et Orbi (Vokabeln, die man dankenswerter Weise wegen der jährlichen Wiederholung nicht vergessen kann). Am Sonntag wird der Papst in Rom diesen apostolischen Segen erneut aussprechen, das ist mal sicher.

Osterroutine 2

Nicht ganz so lange wie den Ostersegen gibt es die Ostermärsche für den Frieden. Aber verlässlich sind sie auch. Sie haben nicht mehr die Bedeutung wie in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren, sind aber ein ganz guter Seismograf für die Kriegsängste in der Bevölkerung. Je weniger kommen, desto besser steht es um den Weltfrieden.

Osterroutine 3

Das sind die Staus. Vor allem am Montag soll es wieder fürchterlich werden.

Gewinner des Tages

Norbert Eisele-Hein

Ein Biergarten, der Chiemsee, die Alpen, eine grüne Alm, blauer Himmel. Weiß blüht ein Kirschbaum, rosa-weiß eine Magnolie. Schöner kann es nicht sein.

Der Kellner kommt, nimmt die Bestellung auf.

Ist ja schön mit der Sonne, sagt er, aber es müsste regnen. Ist zu trocken, die Bauern jammern, geht alles kaputt.

Das ganze Klima ist kaputt, sagt er.

Zu viele Borkenkäfer, die zerstören alles, und zu viele Zecken. Auf die Wiese geh' ich gar nicht drauf, zu gefährlich, macht Hirnhautentzündung hier in Bayern.

In der Gegend von Köln, sagt er, soll's bald wieder die Malaria geben.

Malaria?

Ja, Malaria, da muss man dann Tabletten nehmen, sagt er, das macht alles die Globalisierung. Und das Klima.

Er geht. Ich schaue auf den See und die Berge und entscheide mich, nicht in eine Depression zu verfallen, sondern diese herrliche Ostersonne zu genießen, die uns alle zu Gewinnern des Tages macht.

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Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
bedireel 20.04.2019
1.
Früher so vor 40 Jahren haben die Journalisten beim Spiegel ihren Auftrag noch wahrgenommen und z.b. "Die Bibel das Gefährlichste Buch der Welt" als Artikel eingestellt. Heute: Die Deutschen glauben an Gott, aber nicht an die Kirche. Eine Fake News typisch aktueller Spiegel. M.f.G.
t.schulte 20.04.2019
2. Ah... schön, Religion stirbt aus....
Der Marsch weg von Religion ist immerhin ein Friedensmarsch der funktioniert..... Wer sind eigentlich die Fundamentalisten die immer noch Tanzverbote an Karfreitag aufrechterhalten? Gruß Thomas
StefanZ. 20.04.2019
3. Ein erfülltes Leben ohne Religionen und -ismen
Es ist schön, daß sich immer mehr Menschen in Deutschland und anderswo endlich die Freiheit nehmen, den Ballast von fremdbestimmten Glaubenskorsetten abzuschütteln. Sinnhaftigkeit, Ethik, Moral, Liebe und Spiritualität sind sehr wohl in der Realität zu finden. Dazu braucht es keine Dogmen und substanzlosen Rituale und Kulte. Wenn wir Menschen wiederentdecken und lernen worum es im Leben geht, darum bessere Menschen zu werden und dadurch auch unseren Mitmenschen das Dasein zu verschönern, dann findet all das Trennende und Irreführende der Religionen ein Ende. Es ist das natürlichste der Welt, daß wir uns selbst und alle Mitlebewesen hochachten und behandeln als Teil eines großen Ganzen. Was würde demgegenüber wohl der weise, vorbildhafte Mensch der heute fälschlich Jesus statt des auch in der Bibel benutzten Jmmanuel genannt wird zu dem christlichen Wahnglauben sagen.
meteneptun 20.04.2019
4.
Als eingefleischter Atheist kann ich mich nicht genug wundern über die Behauptungen wie Auferstehung, Gottessohn, Jungfrau Maria etc. Wie können Abermillionen Christen an diesen Unsinn glauben?
mb2018 20.04.2019
5. Ja, die Globalisierung
Es erschreckt, dass solche Menschen wie unser lieber Kellner überhaupt wählen dürfen. Offenbar hat er sein Weltbild aus den dümmsten und lächerlichsten Social Media Beiträgen zusammengesucht. Vielleicht hat er auch die eine oder andere Satire-Schlagzeile nicht als solche identifiziert und denkt, dass es in Köln jetzt auch freilaufende Elefanten gibt. Schuld sind die Globalisierung (klar!) und das Klima, aber da kann ja keiner was dran machen, steckt wahrscheinlich Jesus dahinter oder die Marsianer, keinesfalls aber der Mensch. Ach ja - und vielleicht ist die Erde doch eine Scheibe. Darum breiten sich auch die Zecken so stark aus. Bestimmt ist aber auch Merkel Schuld, weil sie die Grenzen aufgemacht hat und die ganzen Zecken aus Österreich rübermachen. Früher hat es das alles nicht gegeben.
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