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der Wähler ist ein widersprüchliches Wesen. Nach einer neuen ARD-Umfrage wünschen sich 61 Prozent der Deutschen eine Große Koalition, das sind sage und schreibe 16 Prozentpunkte mehr als noch vor einer Woche. Was derzeit blüht, ist die Sehnsucht nach Stabilität, die Deutschen sind offenbar von sich selbst erschrocken.

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Heft 50/2017
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Bei der Bundestagswahl im September waren sie in der Wahlkabine so experimentierfreudig, dass am Ende ein Parlament mit sieben Parteien herauskam. Das macht die Regierungsbildung naturgemäß kompliziert. Nun aber, nach drei zermürbenden Monaten erfolgloser Verhandlungen, hätten die Bürger doch langsam wieder gerne geordnete Verhältnisse. Aber die SPD weiß leider nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Wovor soll sie mehr Angst haben? Vor Merkel? Oder Neuwahlen? Heute will die SPD-Spitze - zum wievielten Mal eigentlich? - darüber beraten, ob sie die Gespräche mit der Union fortsetzen soll.

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Todesfalle Grußwort

KOPATSC/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Kaum ein Begriff wird in der Politik so gedehnt wie das "Grußwort". Jeder normale Mensch versteht darunter ein paar freundliche Sätze vor der Eröffnung des Buffets, aber wehe, die Bundeskanzlerin denkt so. Heute soll Angela Merkel ein "Grußwort" auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg sprechen, es ist wie immer eine delikate Angelegenheit.

Redet sie zu kurz, wird ihr das als Ignoranz ausgelegt; spricht sie zu lange, als Anmaßung. Redet sie, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, also zum Beispiel so wie im Jahr 2015, als sie gar nicht daran dachte, sich für ihre Flüchtlingspolitik zu entschuldigen, gibt es Ärger mit CSU-Chef Horst Seehofer. Wahrscheinlich hat Merkel das Jahr 2016 am besten in Erinnerung. Damals war der Ärger mit der "Schwesterpartei" so groß, dass sie gar nicht erst nach Bayern eingeladen wurde.

Verlierer des Tages...

DPA

... ist Berlin. Heute soll ein neuer Eröffnungstermin für jenen Flughafen genannt werden, der eigentlich schon im Jahr 2012 seinen Betrieb aufnehmen sollte. Mein Kollege Andreas Wassermann begleitete von Anfang an das Drama um den BER, er hat längst den Glauben an die immer neuen Terminankündigungen verloren. Am Montag hat Wassermann zusammen mit Kollegen für seine Recherchen zum Flughafen den "Deutschen Reporterpreis" gewonnen. Wassermann glaubt, dass der BER nur noch eine Chance hat: "Der Flughafen wird erst dann in Betrieb gehen können, wenn es einen Ersatz für das technisch völlig vermurkste Terminal gibt."

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insgesamt 35 Beiträge
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pit.duerr 15.12.2017
1. Ich weiß
nie, wie solche Umfragen zustande kommen sollen. Anscheinend werden da ,immer wieder die gleichen bezahlten? Bürger befragt. Wenn ich in meinem Umfeld mit Menschen ,wegen einer KleinKo rede, komme ich auf eine hochgerechnet 30%ige Zustimmung. Und bitte Spon, jetzt sucht nicht laufend die Schuld dieser Misere, bei den Wählern. Es gibt für diesen jetzigen Zustand nur eine Schuldige. Und die heißt nun mal Merkel.
auf_dem_Holzweg? 15.12.2017
2. Nach einer ARD-Umfrage also
hat jemand schon jemand jemanden gekannt, der an so einer regierungsgesteuerten Umfrage teilgenommen hat? Ich kenne nicht einmal jemanden, der einen kennt. Das ist billigste Propaganda, und Zahlen wie "61" Prozent der Deutschen" klingen echt beeindruckend.
daisytim 15.12.2017
3. Ernsthaft?
Kaum zu glauben, das "wir" so einer großen Koalition wirklich zustimmen würden. Warum nicht nochmal wählen? Meines Wissens wurde diese Koalition abgewählt, und das mit recht.
hevopi 15.12.2017
4. Mich erstaunt immer,
mit welcher Unlogik viele Kommentare analysiert werden. Warum ist es denn zu der AfD mit einem so hohen Stimmenanteil gekommen? Woran sind den die Jamaika-Verhandlungen wirklich gescheitert? Wo liegen denn die Konflikte der CDU/CSU? Warum sind auch bei den GroKo-Verhandlungen viele Konflikte zu erwarten? Warum wurde der Brexit ausgelöst? Welche Spannungen sind jetzt auch bei den osteuropäischen Partnern zu erwarten? Die Antworten sollen lieber andere Bürger geben, denn sonst wird ja (wie immer) mein Kommentar vorher gelöscht.
j.cotton 15.12.2017
5. Klartext
Im Klartext: Die Deutschen wünschen, dass die großen "Volksparteien" weiter abschmelzen, damit es in Zukunft gar keine "GroKo" mehr geben kann...ein Abschaffen der GroKo auf Umwegen - raffiniert!
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