Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


nur vier Monate vor der Bundestagswahl muss die SPD ihr Führungsteam umbauen. Eine schwere Erkrankung zwingt den Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, zum Rücktritt, nun soll ihm Familienministerin Manuela Schwesig nachfolgen. An ihre Stelle im Kabinett rückt Katarina Barley, die jetzige Generalsekretärin - jene Frau, die eigentlich den Wahlkampf managen sollte und deren Job nun Hubertus Heil übernimmt, der ihn schon einmal innehatte.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 22/2017
Der letzte Wille entzweit Familien - doch es geht auch friedlich. Eine Gebrauchsanweisung

Dieses Job-Karrussell ist für die Partei ein Risiko, könnte aber auch eine Chance sein. Denn so richtig erfolgreich ist der Wahlkampf der SPD bisher nicht in Gang gekommen, die Partei hat im aktuellen SPON-Wahltrend zum sechsten Mal in Folge an Zustimmung verloren. Doch ist Hubertus Heil der Mann, der die SPD wieder in Fahrt bringt? Meine Kollegen Horand Knaup und Annett Meiritz zweifeln daran. Ihr Fazit: Die Personalie lasse sich "kaum als echter Neustart verkaufen, sie fällt eher in die Kategorie 'pragmatische Lösung'."

REUTERS

Chinesischer Ministerpräsident bei Merkel

Die Beziehungen zu den USA scheinen angeschlagen, obwohl Angela Merkel gestern versichert hat, dass die transatlantischen Beziehungen trotz ihrer vieldiskutierten Worte vom Wochenende "von herausragender Bedeutung" seien, "unabhängig davon, welche spezifischen Diskussionen es gibt". Dennoch passt gut, dass diese Woche zuerst der indische Ministerpräsident Narendra Modi in Deutschland war und heute auch noch der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang in Berlin eintrifft - es gibt Gespräche zu den wirtschaftlichen Beziehungen und zum G20-Gipfel. Es wird wohl nicht nur harmonisch zugehen. Denn obwohl China sich im Moment gerne als Vorkämpfer für den Freihandel präsentiert, kritisiert Deutschland die in Wahrheit noch immer äußerst protektionistischen Handelspraktiken. Trotzdem ist eine Botschaft dieser Woche auch: Für den Fall, dass sich die Entfremdung von den USA fortsetzt, schaut Deutschland sich bereits nach weiteren wirtschaftlichen Partnern um.

AFP

Junckers Pläne für den Euro

Auch wenn gerade keine Eurokrise ist - der Euro bleibt ein sehr umstrittenes Thema auf dem Kontinent. Wie soll die Eurozone reformiert werden, damit es keine weiteren Krisen gibt? Franzosen, Deutsche und die übrigen Eurozonenmitglieder haben da sehr unterschiedliche Vorstellungen. Und die einen haben Angst, für die anderen leiden oder zahlen zu müssen. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will nun heute in einem Weißbuch fünf Reformvorschläge vorstellen, über die bestimmt sofort wieder gestritten wird. Dazu könnten auch Ideen gehören, über die zwischen Deutschland und Frankreich schon viel geredet worden ist - etwa einen gemeinsamen Finanzminister oder ein Eurozonenbudget.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

REUTERS

Verlierer des Tages...

... ist Sean Spicer. Manchmal muss man mit dem Pressesprecher von Donald Trump fast Mitleid haben. Zum Beispiel gestern, als er nach mehr als einer Woche wieder vor die Presse trat und sich zu all den Zerwürfnissen und Enthüllungen äußern musste, die sich in der Zwischenzeit ereignet hatten. Kurz bevor er ans Podium trat, hatte Trump getwittert: "Wir haben ein MASSIVES Handelsdefizit mit Deutschland. Und sie zahlen VIEL WENIGER als sie sollten für die Nato und ihr Militär. Very bad für die USA. Das wird sich ändern." Und dann kam Spicer und musste sagen, Merkel und Trump "kämen sehr gut miteinander aus" und er habe "großen Respekt vor ihr". Außerdem sei ihr Statement, dass die Europäer ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen müssten, "eine gute Sache für die Nato und eine gute Sache für Amerika". Dann stritt er sich mit den Reportern und trat wieder ab. Ob dieser Job wirklich Spaß macht?

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
haresu 31.05.2017
1. Es gibt immer eine Euro- Krise
Niemand profitiert so vom Euro wie die Deutschen. Bei einer Rückkehr zu den alten Währungen würde die Mark sehr schnell zu teuer werden, die Exporte würden einbrechen. Und von Exporten ist die deutsche Wirtschaft mittlerweile höchst abhängig. Andere Länder leiden am Euro, wir nicht!
thequickeningishappening 31.05.2017
2. # Euro Reform
Die Quatratur des Kreises. Vielleicht ist Herr Juncker Alchemist und hat Unterricht bei Herrn Draghi in Geldschoepfung bekommen?
th.diebels 31.05.2017
3. Guten Morgen
Bin mal gespannt, wie teuer für den Steuerzahler der Besuch aus China wird ! Z. Zt. ist unsere Bundeskanzlerin ja immens großzügig, wenn es darum geht, riesige Geldsummen zu "spendieren" ! "Unsere gemeinsamen Werte" Juncker & Co werden auch weiterhin die Wirtschaftskriminellen und Machenschaften der Briefkastenfirmen und Steueroasen (Luxemburg, Malta, etc.) einfach durchs "nichtstun" verschonen !
780 31.05.2017
4.
Fehlt noch die bemerkenswerte Rede des UN-Generalsekretärs Guterres, dieser große Warnruf gegen den US-Präsidenten und seine Anti-Klimaschutz-Politik. Andere müssten hier die Führung übernehmen. Amerika als Schurkenstaat? "Die Welt - ein Scherbenhaufen." Vgl.: http://www.tagesschau.de/ausland/klimawandel-guterres-un-trump-101.html
Cluedo 31.05.2017
5. Armer Sean Spicer! - Andererseits ...
... hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ein Mensch in der Lage sein könnte, sich in seinen Erklärungen derartig zu verbiegen wie es Spicer zu tun gezwungen ist. Für einen so schwachen und mit jeder nur denkbaren Situation hoffnungslos überforderten Präsidenten zu sprechen ist eigentlich unmöglich. Trumps kindisches Verhalten auf dem für patriotische Amerikaner "geheiligten" Arlington-Friedhof belegt, dass er nichts, aber auch wirklich gar nichts von den Stimmungen und Gefühlen außerhalb seiner eigenen Person wirklich wahrnimmt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.