Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


kurz nachdem der Fahrdienstvermittler Uber 2009 gegründet wurde, zog ich nach New York. Bald sah man auf den Straßen Limousinen, an deren Fenster irgendwo das "Uber"-Schild hing. Sie waren meist schwarz und hatten getönte Scheiben. Ich mochte das Unternehmen nicht, es wirkte kalt. In meiner fünfjährigen Zeit in den USA bin ich kein einziges Mal mit Uber gefahren, die gelben Cabs in New York waren mir lieber.

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Heft 19/2019
Energiewende: Wie eine große Idee am deutschen Kleingeist scheitert

Heute, zehn Jahre nach seiner Gründung, geht Uber an die Börse. Die Aktien sollen Einnahmen von rund 8,1 Milliarden Dollar bringen, der mögliche Unternehmenswert liegt bei rund 82 Milliarden Dollar. Es ist der größte Börsengang seit Jahren. Warum ist eine internationale Taxikonkurrenz, die nach zehn Jahren noch immer rote Zahlen schreibt, so viel wert?

Uber ist noch immer kalt, am Mittwoch gingen in Großbritannien Uber-Fahrer auf die Straße, um gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen zu protestieren. Aber Uber ist die Zukunft, der milliardenschwere Börsengang ist wie eine Zäsur für eine neue Ära der Mobilität, sie ist digital.

Wie diese neue Zeit aussehen wird, haben vor ein paar Tagen vier meiner Kollegen aufgeschrieben. In dieser neuen Zeit steigen wir in selbstfahrende Busse und Sammeltaxis mit Elektromotor ein. In dieser Zeit sagt uns eine einzige App, wie wir am schnellsten von A nach B kommen, mit dem Bus, Van, Auto, Roller, Fahrrad oder der Bahn. In dieser Zeit wird es den kurzen Moment der erzwungenen Langeweile nicht mehr geben, beim Warten auf den nächsten Bus.

In Berlin vermietet Uber nun auch 1000 Fahrräder. Sie sind knallrot, sie wirken weniger kalt. Vielleicht ist das die richtige Idee für schwarze Zahlen.

Das Euro-FBI

Tobias Schwarz/ AFP

Der Europawahlkampf kommt nur schleppend voran. Es mag daran liegen, dass es kein großes Thema gibt, über das gestritten wird. Die Aufregung um Flüchtlinge ist vorbei, der Klimawandel zu kompliziert, nur das Bündnis der Rechten provoziert ab und an.

Es sind die kleineren Themen, über die diskutiert wird. Kontrovers sind sie meist nicht. Die Idee eines "europäischen FBI" ist so ein Beispiel, Politiker fast aller Parteien fordern es, vielleicht auch EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber (im Foto) wieder, wenn er heute Abend um 18.30 Uhr bei einer Kundgebung in Ulm spricht. Weber nennt diese Idee sehr häufig.

Sie leuchtet ja auch ein: Kriminelle arbeiten längst grenzübergreifend, Terroristen auch. Nur die Polizei hinkt hinterher, Europol hat keine exekutiven Befugnisse.

Man muss sich aber klar darüber werden, was ein europäisches FBI bedeuten würde. Europäisch besetzte Teams würden Kriminelle observieren und festnehmen. Sie bräuchten eine gesetzliche Grundlage dafür, eine europäische Strafprozessordnung. Es gäbe europäische Staatsanwälte und europäische Strafgerichte. In welcher Sprache würde verhandelt?

Es wäre ein großer Schritt, würde man die Strafverfolgung und die Justiz europäisieren. Ein starkes Zeichen, dass man es ernst meint mit Europa.

In nächster Zeit wird die Idee eines europäischen FBI auch Thema im Bundestag sein.

Die Krim in Hamburg

DPA

Am 25. November 2018 stießen in der Meerenge von Kertsch Russen mit Ukrainern zusammen. Patrouillenboote der ukrainischen Marine waren auf dem Weg in die ukrainische Hafenstadt Mariupol gewesen. Russland, das 2014 die Krim annektiert hatte, beschuldigte die Ukraine, sein Territorialgewässer verletzt zu haben. Drei Schiffe wurden beschlagnahmt, 24 Seeleute festgenommen, sie sitzen bis heute in russischer U-Haft.

Dagegen hat die Ukraine geklagt. Das Stück internationaler Zeitgeschichte wird nun nur wenige hundert Meter von der Elbe entfernt aufgeführt: Um 10 Uhr beginnt heute die Verhandlung vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg.

Gewinnerin des Tages...

Hendrik Schmidt/dpa

... ist die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. Sie spricht heute Morgen in Berlin bei den Familienunternehmer-Tagen. Normalerweise kein Heimspiel für einen SPD-Politiker, doch diesmal ist die Situation eine andere. Mit seiner nationalen Industriestrategie, in der es viel um die großen Player in Deutschland geht, hat sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei vielen Mittelständlern ins Aus geschossen. Er ist nun der Buhmann, in dessen Schatten Nahles glänzen kann. Vorausgesetzt, die Sonne scheint.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
thequickeningishappening 10.05.2019
1. # Uber
Ich hoffe Der Boersengang wird zum Flop aber man weiß ja nie: Gier macht blind.
haresu 10.05.2019
2. Uber ist nicht die Zukunft
Man stelle sich mal vor, der deutsche Staat käme plötzlich auf die Idee eine Mitnahme von Privaten durch Private gesetzlich zu regeln, würde eine Lizensierung der dazu Berechtigten durchführen und eine APP einführen mit der die Mitnahme abgewickelt werden würde. Kostenlos natürlich, es geht ja um die Umwelt. Wenn dies geschehen sollte ist Uber augenblicklich Geschichte. Hoffentlich kommt es so.
i.dietz 10.05.2019
3. # 1 Uber
Altes Sprichwort: "Gier frisst Hirn" ! Tagessiegerin Nahles: Persönl. Anmerkung: selten so gelacht, der Witz ist gut !
Indiana.Jones 10.05.2019
4. Hobby-Hefte
"In dieser neuen Zeit steigen wir in selbstfahrende Busse und Sammeltaxis mit Elektromotor ein. In dieser Zeit sagt uns eine einzige App, wie wir am schnellsten von A nach B kommen, mit dem Bus, Van, Auto, Roller, Fahrrad oder der Bahn. In dieser Zeit wird es den kurzen Moment der erzwungenen Langeweile nicht mehr geben, beim Warten auf den nächsten Bus." Das liest sich so wie die Beiträge in den Hobby-Heften in meiner Jugend. Danach hätten heute alle unsere Autos Mikro-Kernreaktoren als Energiequelle...
Horatio Caine 10.05.2019
5. Ich hätte da eine neue Erkenntnis für unsere Betriebswirtschaftler
...da Ökonomen sich ja so gerne mit mathematischen Prinzipien schmücken um sich einen akademischen Anstrich zu geben und ihre Entscheidungen als rational und wissenschaftlich zu darzustellen. UW~eS Der Unternehmenswert UW ist direkt proportional zur erwarteten Selbstausbeutung eS.
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