Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


geht doch: Am Abend nach dem großkoalitionären "Duell" Merkel vs. Schulz gab es gestern einen Fünfkampf der kleinen Parteien, bei dem endlich gestritten wurde. Es ging kreuz und quer, jeder gegen jeden, Christian Lindner stritt mit Joachim Herrmann über innere Sicherheit und stimmte beim Thema Diesel Sahra Wagenknecht zu. Cem Özdemir beharkte sich mit Herrmann. Und alle stritten sich mit AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel.

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Heft 36/2017
Der Kampf ums Kanzleramt: Worum es geht. Wer es kann.

Geht doch 2: Endlich kamen die Themen zur Sprache, die am Sonntagabend zu kurz gekommen waren: Bildung, Rente, Digitalisierung, innere Sicherheit.

Geht doch 3: Die zwei Moderatoren hatten die Debatte gut im Griff und die Zeit im Blick, es wurde kompetent und sachlich gefragt, ohne unnötige Polemik, kein Thema endlos ausgewalzt.

Fazit: Das Spannende an dieser Wahl werden das Rennen um den dritten Platz und der Kampf gegen die AfD.

Abschied vom Bundestag

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Heute ist der letzte offizielle Sitzungstag des Parlaments. Zum letzten Mal wird der Bundestag in seiner jetzigen Zusammensetzung debattieren. Auf dem Programm: die "Situation in Deutschland", eine Bilanz der Großen Koalition. Kanzlerin Angela Merkel macht den Anfang, und wir dürfen uns auf eine überraschungsfreie Rede einstellen. Wer danach noch wach ist, darf allerdings gespannt sein, wie Sigmar Gabriel erwidert. Mein Tipp: Wir werden nicht den Vizekanzler der Großen Koalition hören, sondern den SPD-Wahlkämpfer. Während Martin Schulz heute Mittag mit YouTubern diskutiert, dürfte Gabriel dem Kanzlerkandidaten einmal mehr die Show stehlen und unter Beweis stellen, dass er einfach der angriffslustigere und schärfere Wahlkämpfer ist.

Suche ohne Ende

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Seit 50 Jahren sucht Deutschland nach einem Endlager für Atommüll. Ohne Ergebnis. Heute beginnt nun die Suche offiziell noch einmal ganz von vorne, nach dem novellierten "Standortauswahlgesetz". Tabula rasa, alles zurück auf Los. Umweltministerin Barbara Hendricks wird zusammen mit Klaus Töpfer feierlich in Berlin den Startschuss geben - und dann dürfte es noch einmal mindestens anderthalb Jahrzehnte dauern. Aber auch das ist ja nur ein Wimpernschlag für eine Lager, das eine Million Jahre Bestand haben soll.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Gewinnerin des Tages...

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... könnte Kanzlerin Angela Merkel werden. Sie hat für heute Nachmittag einen Wahlkampfauftritt in Heidelberg geplant, für eine Wahl, die sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin schon gewonnen hat. Eigentlich hätte sie also Dringenderes zu tun: Die Krise in Nordkorea spitzt sich immer weiter zu. Merkel versteht sich als Weltpolitikerin, ihr Wirkungskreis geht längst über Deutschland und Europa hinaus, ihre Erfahrung in internationalen Konflikten ist legendär, ihr Talent als Moderatorin hat sie vielfach unter Beweis gestellt. Ihr Manko ist, dass sie auch in der Außenpolitik viel zu häufig nur reagiert und viel zu selten die Initiative ergreift.

Jetzt wäre es an der Zeit, dass Europa sich in der nordkoreanischen Krise einbringt. Nach dem jüngsten Bombentest von Kim Jong Un reicht es nicht, dass Merkel und Macron nur die Sanktionen ausweiten. Jetzt ist Diplomatie gefragt. Die Schweiz hat sich als Vermittler angeboten. Aber Deutschland würde ein ganz anderes politischen Gewicht mitbringen. Wenn Deutschland den Anspruch hat, Friedensmacht zu sein, dann muss Merkel jetzt aktiv werden. Der zentrale Player im Atomstreit mit Pjöngjang ist China, nur die chinesische Regierung kann Kim wirtschaftlich so wirkungsvoll unter Druck setzen, dass er vielleicht zu Verhandlungen bereit ist. Der Schlüssel zur Lösung liegt in Peking. Dorthin sollte Merkel reisen. Und nicht nach Heidelberg.

Ich wünsche Ihnen einen friedlichen Tag.

Herzlich,

Ihre Christiane Hoffmann

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insgesamt 8 Beiträge
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StefanZ.. 05.09.2017
1. Frau Merkel wäre in der Tat zur Koreakrise gefragt
Nur meiner Meinung nach in anderer Form. Sie hat sich bereits lange genug das Eskalationspingpong zwischen den USA und Nordkorea tatenlos angeschaut, oder genauer gesagt: fleißig mit am Drohungs- und Zwangsanwendungsrad und damit einer versehentlichen oder gezielten Kriegsausbruchsgefahr gedreht. Hat sie das Format dazu, einer US Regierung bei wichtigen Angelegenheiten zu widersprechen? Das wäre neu. Dies während die ganze Zeit zwei Nationen bisher Erfolglos an den Verstand der Agierenden appelliert haben. China und Russland verlangen schon sehr lange, dass es doch naheliegend und klug ist, dem Diktator im Norden doch bitteschön den Grund für seine Existenzangst zu nehmen, und von ihm dazu logischerweise zeitgleich zu verlangen seine Bedrohungsspiele einzustellen. Mit anderen Worten, die Bedrohungsspirale auf beiden Seiten synchron rückwärts zu drehen. Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass Herr Kim keinerlei Motivation für einen Angriffskrieg hat, während vorbeugende Kriege erwiesenermaßen bisher zum gängigen Instrumentarium von US Regierungen gehören?
roughneckgermany 05.09.2017
2.
Auf Phoenix war Alice Weidel noch bei "Unter den Linden" zu sehen. Dort konnte man m. E. eine sehr schlechte Performance ihrerseits sehen. Wenn die AfD auf Platz drei nach der BTW2017 landen sollte, haben die Grünen kläglich versagt.
th.diebels 05.09.2017
3. Fünfkampf
Irgendwie habe ich das Gefühl, die Redaktionen und die Moderatoren schaffen es nicht, für eine spannende Debatte zu sorgen ! Immerhin war diese Sendung weitaus interessanter als das sonntägliche Plauderstündchen Merkel/Schulz ! Einzig Frau Wagenknecht war auf "Arroganz" und "Allwissenheit" getrimmt !
mk1964 05.09.2017
4. "Endlich Streit"
Dass Journalisten Streit herbeisehnen ist klar. "Endlich" was zu berichten, was man einfach rüberbringen kann.l '"Endlich Streit" ist aber Unsinn. Konsens mag langweilig sein, hat einer Gesellschaft aber nie geschadet. Wohin Streit um des Streits willen führt sieht man an den USA. Polarisierung ist das Gegenteil von gut.
henry.miller 05.09.2017
5.
Streit ist ja sicherlich gut für die Moderatoren Inhalte wären mir persönlich aber wichtiger. Nur die AFD hatte Inhalte..Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung leider. Das ist mal was. Ach ja, die Grünen wollen die Steuern für "Reiche" erhöhen. Davon haben zwar die "Armen" nichts und auch sonst weiß man nicht wo das Geld hingeht, aber es verschreckt Wähler. Den Rest der Wahlprogramme habe ich mir angesehen. Generischer gehr es kaum. In Würde altern, bezahlbarer Wohnraum, Bildung. Leider sagt keiner wie das gehen könnte, nicht mal im Ansatz.
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