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Heute beschäftigen wir uns mit der dramatischen Lage im brasilianischen Regenwald, dem Showdown zwischen Angela Merkel und Donald Trump in Biarritz und der verzweifelten Suche nach Trümmerfrauen in der SPD.

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Heft 35/2019
Klischee und Wirklichkeit: Wie der Osten tickt - und warum er anders wählt

Showdown in Biarritz

Beim heute beginnenden G7-Gipfel im französischen Biarritz darf sich Kanzlerin Angela Merkel auf ein Gefecht mit Donald Trump gefasst machen. Der US-Präsident schickte via Twitter vor seinem Abflug Richtung Frankreich schon mal eine Kampfansage an die Kollegen: Es komme nicht nur darauf an zu gewinnen, so Trump, man müsse mit großem Abstand gewinnen. Gegen wen er vor allem gewinnen will, machte Trump ebenfalls klar: China und Deutschland, zwei Länder, die die USA seiner Auffassung nach im Handel über den Tisch ziehen. Neben einigen konkret an China gerichteten Wut-Tweets, die umgehend zu starken Kursverlusten an den Börsen führten, bedachte er auch Deutschland mit einer Nachricht. "Deutschland bezahlt keine Zinsen und erhält Geld, wenn es Staatsanleihen ausgibt, während die USA, die viel stärker und wichtiger sind, Zinsen zahlen müssen". Was ihn diesmal erregte war der Umstand, dass die Bundesrepublik Geld von Investoren für eine 30-jährige Staatsanleihe erhält, die USA hingegen nicht.

Trump wird oft unterstellt, er handele wirr, das stimmt auch weitestgehend. Aber es gibt ein paar Konstanten in seiner Politik, die er konsequent verfolgt. Dazu gehört neben seiner chronischen Fremdenfeindlichkeit der unbedingte Wille, die Globalisierung zu stoppen oder sie wenigstens stärker zu regulieren. In weiten Teilen der amerikanischen Bevölkerung trifft er damit einen Nerv. Und in der deutschen vermutlich auch.

Ohne Widerspruch

Moment/ Getty Images

Eine "Schnapsidee" nennt mein Kollege René Pfister hingegen Trumps Idee, Grönland zu kaufen. Weil die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen diese Idee umgehend zurückgewiesen und sie als "absurd" bezeichnet hatte, sagte der amerikanische Präsident in dieser Woche seinen für Anfang September geplanten Staatsbesuch in Dänemark ab.

Die Episode zeige, analysiert SPIEGEL-US-Korrespondent Pfister, dass der Regierungsapparat nicht mehr in der Lage sei, Trump von den gröbsten Tollheiten abzuhalten. "Im Weißen Haus gibt es - vielleicht abgesehen von Trumps Tochter Ivanka - kaum noch Leute, die ihn nach Momenten der Aufregung wieder zur Vernunft bringen. Der Präsident hat all jene vertrieben, die es wagten, ihm zu widersprechen."

Was zahlen wir Brasilien für den Erhalt des Regenwalds?

Carl de Souza/ AFP

Natürlich wäre es total anständig und nett von Brasilien, wenn es seinen Regenwald im Amazonasgebiet hegen und pflegen würde, auf dass er wachse und gedeihe - und wir im Rest der Welt weiter den Sauerstoff atmen können, den er in gigantischen Mengen produziert.

Aber Brasilien ist leider nicht so nett, insbesondere seit der rechtsradikale Präsident Jair Bolsonaro an der Macht ist. Seither brennt es im Regenwald häufiger denn je, die Feuer werden meist bewusst gelegt, um die Fläche später profitabler zu nutzen. Für den Sojaanbau oder die Rinderzucht zum Beispiel. Dass vor allem die Freunde des Präsidenten aus der Fleisch-, Soja- und Rohstoffindustrie von den Bränden profitieren, macht die Sache nicht appetitlicher.

Aber: Kann der Rest der Welt, der die Luft bislang maßlos für seinen auf Wachstum gründenden Wohlstand verpestete und ebenfalls schonungslos Ressourcen ausbeutete, ernsthaft erwarten, dass Brasilien sich heute altruistischer verhält als er selbst?

Der Griff an die eigene Nase ist jedenfalls hilfreich, wenn es nun darum geht, die Zerstörung dieser "Lunge der Welt" schnellstmöglich zu stoppen. So korrupt und ruchlos der aktuelle brasilianische Präsident auch sein mag - es ist an der Zeit, Brasilien größere Anreize zu bieten, seine Wälder leben zu lassen, statt sie für höheren Wohlstand abzufackeln.

Genossinnen als dekorative Salatblätter?

Manuela Schwesig (links) und Malu Dreyer
Michael Kappeler/ DPA

Manuela Schwesig (links) und Malu Dreyer

Sie habe keineswegs vor, das "dekorative Salatblatt" an der Seite von Olaf Scholz zu sein, erklärte in dieser Woche die SPD-Politikerin Klara Geywitz, die sich gemeinsam mit Scholz um den SPD-Vorsitz bewirbt. Das wahre Problem, das die SPD dieser Tage mit Frauen hat, ist nicht die Salatblattgefahr. Das größte Problem ist, dass kaum eine Frau bereit ist zu kandidieren. Erst recht keine prominente Genossin.

Die interne Suche nach geeigneten Bewerberinnen beschreiben meine Kollegen Christoph Hickmann und Veit Medick in ihrem aktuellen Bericht als bisweilen ziemlich erratische Angelegenheit: "Prominente Männer wie Generalsekretär Klingbeil, Parteivize Ralf Stegner oder Arbeitsminister Hubertus Heil suchten angeblich wie auf dem Heiratsmarkt nach einer Partnerin. Und Vertreter der Parteispitze sahen sich gezwungen, gezielt in Landtagsfraktionen, Landesregierungen und der dritten Reihe der Bundestagsfraktion Ausschau zu halten."

Dabei bietet das neue Verfahren gerade für Frauen endlich faire Chancen. Bislang war es in der SPD jedenfalls so: Ein kleiner, männlicher Zirkel entschied darüber, wer der nächste Vorsitzende oder der nächste Kanzlerkandidat wird. Auch deshalb ist die SPD in der Grundanmutung eine zutiefst männliche Partei geblieben - vermeintlich dem Fortschritt verpflichtet, aber in Sachen Rollenverständnis noch tief in den Fünfzigerjahren verwurzelt.

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insgesamt 70 Beiträge
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Seite 1
bernhard.geisser 24.08.2019
1.
Wegen Deutschland muss der Urwald jedenfalls nicht gerodet werden für mehr Soja. Nur gerade 1.5% der Welt-Soja Produktion kommt in den Deutschlands Futter-Tröge.
fabi.c 24.08.2019
2. Liebe Erde ....
Liebe Erde Du erlebst momentan eine schlechte Zeit. Die,die meinen Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen und die,die meinen die Brände in den Amazonas haben Klimaaktivisten gelegt,die lachen Dir ins Gesicht und lassen alle gewähren,denn Profit geht denen vor,vor Erhaltung deines Wohlbefindens. Schöne Zeiten hast Du nie erlebt,aber eineHoffnung gibt es,das sind die Jugend und deren Proteste. Wie lautet ein Indianer Weisheit? "Eines Tages wird die Erde weinen, sie wird um ihr Leben flehen, sie wird Tränen von Blut weinen. Ihr werdet die Wahl haben, ihr zu helfen oder sie sterben zu lassen, und wenn sie stirbt, sterbt ihr auch".
Michael3770 24.08.2019
3. UNS? Unser Regenwald?
Der Regenwald brennt jedes Jahr, nicht nur in Brasilien und keinen hat es bisher gestört. https://www.globalfiredata.org/index.html
NoBrainNoPain 24.08.2019
4. Mercosur
Den Europäischen Konzernen ist doch egal ob der Wald brennt, endlich ein Zollfreier neuer Markt für unsere Autos und für die hier verbotenen chemischen Pflanzenschutzmittel. Und immer her mit billigem Soja und Rindfleisch. Kaum unterschrieben haben die Grosslandwirte angekündigt ihre Produktion zu verdoppeln. 3 Tage später brennt der Urwald in einem unfassbaren Ausmaß. Aber wir guten Europäer können da natürlich nichts dafür. Altmaier hat kürzlich noch die Grossartigkeit des Abkommens gepriesen. Ich könnte nur noch kot***
shechinah 24.08.2019
5. Oh Markus...
..wie wär's mal mit ein bisschen Recherche statt einfach nur irgendwas populistisches rauszuhauen? Ein Blick auf die entsprechende NASA Webseite hätte offenbart, daß die Brände im Vergleich mit denen der letzten 15 Jahre, bestenfalls durchschnittlich bis unterdurchschnittlich sind, abgesehen von einem einzigen Gebiet wo sie kurzzeitig minimal überdurchschnittlich sind. Und was " Dazu gehört ... der unbedingte Wille, die Globalisierung zu stoppen oder sie wenigstens stärker zu regulieren" betrifft, war das nicht DIE Forderung der Linken seit Jahrzehnten? Sollten die nicht jubeln? Nein, wenn ihre Forderungen vom "falschen" erfüllt werden ist es natürlich auch wieder nicht recht . Als Trump den unseligen Handelspakt einfach per Order de Mufti gestrichen hat, gegen den sie auf die Straße gegangen sind, fanden sie es ja auch nicht so toll.
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