Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


nach einem Zwischenstopp in Moskau wird Chinas Staatspräsident Xi Jinping heute in Berlin von Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen, es gibt viel zu besprechen: die Nordkorea-Krise, Donald Trumps neue Handelspolitik, die Zukunft des Pariser Klimaabkommens. Weil Washington als Partner immer unberechenbarer wird, orientieren sich die Chinesen verstärkt in Richtung Europa und die Europäer in Richtung China.

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Heft 27/2017
Globalisierung außer Kontrolle: Radikal denken, entschlossen handeln - nur so ist die Welt noch zu retten

Ganz nebenbei überlässt der Gast aus Fernost dem Berliner Zoo noch zwei Pandabären. Diese Art der Sympathiebekundung durch Peking für ein anderes Land nennt man Panda-Diplomatie. Merkel wird die Geste zu schätzen wissen, zumal die Bären auch recht freundliche Namen tragen. Sie heißen Meng Meng (Kleiner Traum) und Jiao Qing (Charmeur).

DPA

Angst vor Nordkoreas Superrakete

Auch der neue südkoreanische Staatspräsident Moon Jae In besucht heute vor dem G20-Gipfel Kanzlerin Merkel. Die Angst der Südkoreaner vor einer Eskalation des Konflikts mit dem kommunistischen Norden ist groß, da will sich die Führung in Seoul versichern, dass wichtige westliche Staaten wie Deutschland an ihrer Seite stehen. Diese Versicherung dürfte Merkel dem Präsidenten geben, zumal sie ähnlich wie er auf diplomatische statt militärische Lösungen im Konflikt mit Nordkorea setzt. Die große Frage lautet, ob beide auch Donald Trump beim G20-Gipfel von dieser Linie überzeugen können. Diplomatie ist bekanntlich nicht seine größte Leidenschaft. Dass Nordkorea erfolgreich eine Langstreckenrakete getestet hat, die womöglich sogar die USA treffen könnte, wird die Sache kaum besser machen.

Ein sehr exklusiver Sonderzug

In Hamburg kommen immer mehr Demonstranten an, die gegen den G20-Gipfel protestieren wollen. Unter anderem soll ein Sonderzug ("ZuG20") aus Basel eintreffen, der auf dem Weg etliche G20-Gegner einsammelt. Wir hätten gerne aus dem Sonderzug berichtet, aber einer unserer Kolleginnen wurde die Mitfahrt trotz mehrfacher frühzeitiger Anfragen ohne Angabe von Gründen verweigert: "Eine Mitfahrt und Berichterstattung ist leider nicht möglich." Gerade von den Streitern für Demokratie, Gerechtigkeit und Transparenz hätte man eigentlich etwas mehr Offenheit erwartet.

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Gewinner des Tages...

... sind alle Berliner. Sie können heilfroh sein, dass der Gipfel nicht in der Hauptstadt, sondern in Hamburg abgehalten wird. Sobald Chinas Präsident Richtung Hansestadt abreist, könnte es in Berlin mit etwas Glück wunderbar ruhig werden. Endlich stehen dann einmal andere im Stau, wenn ein Staatsgast in einer scheinbar endlosen Kolonne vorbeifährt. Die meisten Helikopter der Bundespolizei, die sonst im Tiefflug über Berlin lärmen, dürften mittlerweile an Alster und Elbe unterwegs sein. Und größere Demos, die den Ku'damm vollständig blockieren, sind wohl für die nächste Zeit auch nicht geplant. Wie schön. Danke Hamburg.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag,

Ihr Roland Nelles

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
shotaro_kaneda 05.07.2017
1.
Da wird es bestimmt wieder schöne Fotos für Merkel im Wahlkampf geben. Merkel mit zwei Pandabären. Toll.
frank57 05.07.2017
2. Warum steht
in dem Artikel nichts davon, dass die Pandas, so wundervoll sie auch sind, den Steuerzahler 1 Mio Euro an Ausleihgebühr pro Jahr kosten (Quelle: MDR Sachsenradio)?
i.dietz 05.07.2017
3. Guten Morgen
Berlin schwimmt im Geld - für sogen. "Tier-Tourismus" Um zwei putzige geliehene Pandabären live im Zoo erleben zu können, hat Berlin wie viel Millionen Euro investiert ? Bitte nicht vergessen. pro Jahr geht nochmals 1 Mio Euro nach China ! Ist das immer noch "niedlich" ! Sorry, ich kann es nicht mehr hören: Trump steigt aus Klimaabkommen aus - Trump ist unberechenbar ! Wie wäre es, wenn Frau Merkel bzw. die Regierung mal selbst in den Spiegel schaut und an die eigene Nase packt ? G-20 Gipfelchen - da waren es nur noch 19 Alpha-Tierchen ! Für die vielen Einschränkungen, Behinderungen, Krawalle, Proteste, Demos und Randale können sich die Hamburger und die Steuerzahler bei Scholz und Merkel herzlich bedanken !
jojack 05.07.2017
4. Streiter für Demokratie?
Sie müssen verstehen, Herr Nelles - in dem Zug müssen wichtige demokratiefördernde Aktionen geplant werden. Etwa das Zerschlagen von Schaufensterscheiben in Hamburg.
haresu 05.07.2017
5. Exoten aber keine Pandas
Also tendenziell sollte man ja über den Gipfel und seine Agenda berichten. Ersatzweise über die Kritikpunkte der Gegner. Zu beobachten wie die nach Hamburg kommen erscheint mir nicht besonders notwendig. Globalisierungsgegner sind ja nun keine Pandas. Fest steht, dass sie sich die Mühe machen nach Hamburg zu reisen, darin sind sie allerdings leider Exoten. Und dass man in diesen Kreisen dem Spiegel nicht mehr traut ist leider allzu verständlich. Insbesondere die Kritik an den Freihandelsabkommen wurde hier permanent diskreditiert, und auch erst gestern noch war hier noch ein Artikel zu lesen, der Globalisierungkritik unter "Gemütslage" einordnete und mit Populismus und der Gefahr rechter Bewegungen konnotierte. Im übrigen kann man von gewählten Politikern Transparenz erwarten, für normale Bürger gilt das eher weniger. Rein rechtlich gibt es wahrscheinlich auch niemanden, der eine Erlaubnis zur Berichterstattung aussprechen könnte, der Widerspruch auch nur einer einzigen Person würde dies schon verhindern. Also kein Grund sich zu beschweren!
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