Triebwerksschäden Bundeswehr verhängt Flugverbot für NH90-Helikopter

Neue Probleme bei den Hubschraubern der Bundeswehr: Nach SPIEGEL-Informationen darf die gesamte Flotte der NH90-Mehrzweckflieger vorerst nicht mehr starten. In einem Triebwerk waren Schleifspuren entdeckt worden.
NH90-Hubschrauber (Archivbild)

NH90-Hubschrauber (Archivbild)

Foto: Philipp Schulze/ picture alliance / dpa

Die Bundeswehr hat den Flugbetrieb aller NH90-Mehrzweckhubschrauber wegen technischer Problemen eingestellt. Nach Informationen des SPIEGEL entschied sich die Truppe am Freitagmorgen für die Vorsichtsmaßnahme, da in einem Triebwerk der Helikopter Schleifspuren gefunden worden waren.

Das Flugverbot betrifft alle NH90 in Mali und in Deutschland. So wurde ein geplanter Einsatz bei einer Übung in Deutschland am Freitag abgesagt. In Mali, wo die NH90 für die Rettung von Verwundeten eingesetzt werden, dürfen sie nur noch in Situationen abheben, in denen Leib und Leben von Soldaten gefährdet sind.

Das betroffene Triebwerk war gerade aus dem Einsatz in Mali zurück nach Deutschland gebracht worden, Techniker entdeckten bei einer Überprüfung Schleifspuren. Umgehend entschied man sich für den Flugstopp, da andere Triebwerke ähnliche Schäden haben und im Flugbetrieb ausfallen könnten.

Nun sollen alle NH90 untersucht werden, erst dann dürfen sie wieder fliegen. Wie lange der Flugstopp noch gilt, konnte die Bundeswehr am Freitagabend nicht abschätzen.

Hitze und Sand sorgen für Probleme

Die Untersuchung eines Triebwerks dauere etwa zwei Stunden, hieß es. Bei den bisher überprüften Triebwerken hätten sich keine ähnlichen Schäden, die auf eine vorherige Stagnation hinweisen könnten, gefunden.

Der NH90 gilt seit seiner Einführung bei der Bundeswehr als Problemfall. Erst kürzlich war in Mali ein neues Triebwerk des Helikopters beim Starten ausgefallen, die Piloten konnten notlanden.

Insider vermuten immer wieder, dass der Helikopter für den Einsatz in Mali mit Hitze und Sand nicht ausgelegt ist. Die Helikopter sind seit Mai 2017 in dem afrikanischen Land stationiert. Ebenso wie Kampfhubschrauber vom Typ "Tiger" werden sie zur Unterstützung der Uno-Mission Minusma eingesetzt.

Der grüne Verteidigungspolitiker Tobias Lindner bewerte den neuen Vorfall kritisch. "Die erneuten Probleme beim Triebwerk zeigen, dass der NH90 nach wie vor nicht zuverlässig nutzbar ist", sagte Lindner. Er selbst war am Freitag bei einer großen Militär-Übung zu Gast, dort sollte der NH90 eigentlich fliegen.

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