Satiriker und EU-Politiker Nico Semsrott verlässt »Die Partei« nach Sonneborn-Eklat

Der EU-Abgeordnete Nico Semsrott will der Satirepartei »Die Partei« nicht mehr angehören. Als Grund nennt er den Umgang seines Parteichefs Martin Sonneborn mit Rassismusvorwürfen – und dessen mangelnde Verantwortung als Politiker.
Nico Semsrott (Archivbild)

Nico Semsrott (Archivbild)

Foto: Max Kohr / WDR

Das ist wohl ernst gemeint: Der Kabarettist und EU-Politiker Nico Semsrott will die Satirepartei »Die Partei« verlassen. Als »humorlose Erklärung« für den Schritt nennt der 34-Jährige auf seiner Website den »ignoranten Umgang mit Feedback« seines Parteivorsitzenden Martin Sonneborn.

»Wenn sich Menschen von seinen Postings rassistisch angegriffen fühlen, muss er nicht viel tun. Es reichen Mitgefühl und der Respekt vor den Betroffenen, um das eigene Verhalten zu korrigieren«, teilte Semsrott mit.

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Sonneborn hatte unter anderem nach dem Sturm auf das US-Kapitol in Washington mit einer Twitter-Botschaft Kritik auf sich gezogen. Für ein Foto posierte er mit einem T-Shirt , auf dem es in vermeintlich »chinesischer« Aussprache hieß: »AU WIEDELSEHERN, AMLERIKA! abem Sie Guter FrLug runtel! Printed in China für Die PALTEI« – ein misslungener Seitenhieb auf US-Präsident Donald Trump und dessen Merchandising in China, berichtet das Portal »Vice«. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer hatten dies als rassistisch und verletzend kritisiert .

Sonneborn hielt ihnen daraufhin vor, sie verstünden seine Kunst nicht. Den Post löschte er allerdings. 2011 war Sonneborn international negativ aufgefallen, als er auf einem Wahlplakat den damaligen US-Präsidenten Barack Obama durch Blackfacing imitierte .

»Ich finde seine Reaktion auf die Kritik falsch und inakzeptabel. Das ging mir in der Vergangenheit schon in anderen Fällen so. Daraus ziehe ich jetzt meine Konsequenzen«, begründete Semsrott seinen Austritt. Es ginge ihm nicht um die Frage, was Satire dürfe, sondern um den Umgang mit Feedback.

Semsrott spricht Sonneborn Kompetenz ab

Er warf seinem Satirikerkollegen zudem mangelndes Verantwortungsbewusstsein vor. »Natürlich kann Martin Sonneborn Witze versuchen, wie er will«, schrieb Semsrott. Dabei komme er aber seiner »Verantwortung als Vorsitzender von Die PARTEI mit 50.000 Mitgliedern und zuletzt 900.000 Wähler*innen« nicht nach. Seine Kompetenz müsse dafür weit über das hinaus gehen, »was ein Titanic-Chefredakteur vor 20 Jahren können musste.«

Semsrott war vor seinem Eintritt in die Politik als Kabarettist und Satiriker aktiv. Bekannt wurde er unter anderem durch die Verkörperung eines depressiven Jugendlichen, dessen Markenzeichen ein schwarzer Kapuzenpullover und ausgeprägter Pessimismus waren. Unter anderem schlug er in Anlehnung an die Fridays-for-Future-Bewegung eine Bürgerinitiative mit dem Namen »Mondays for Misery«  vor.

Seit 2019 sitzt Semsrott neben Sonneborn als Abgeordneter im EU-Parlament. Zu seiner weiteren Karriere dort schrieb er: »Das schreckliche Mandat im EU-Parlament werde ich als PARTEI-Loser bis zum bitteren Ende ausführen. Ich könnte das Leid nicht verantworten, das ein*e Nachrücker*in statt meiner ertragen müsste.«

ire