SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

05. Oktober 2016, 16:25 Uhr

Nicolaus Fest

Ex-BamS-Vize tritt AfD bei

Von und

Einst sorgte Nicolaus Fest mit einem islamkritischen Kommentar für Aufsehen, nun ist der frühere Vizechefredakteur der "Bild am Sonntag" der AfD beigetreten. Dort ist die Freude über den Mann groß.

In ihrer Einladung machten sie bei der Berliner AfD noch ein großes Geheimnis um die Personalie. Einen "prominenten Neuzugang" werde AfD-Landeschef Georg Pazderski an diesem Donnerstag den Hauptstadtjournalisten in der Bundespressekonferenz vorstellen. "Unser Wahlsieg vom 18. September beschert uns einen stabilen Zuwachs an Neumitgliedern", heißt es unter Verweis auf die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, bei der die AfD 14,2 Prozent erreichen konnte.

Der so gefeierte Neuzugang ist ein Medienmann: Nicolaus Fest, bis Oktober 2014 stellvertretender Chefredakteur der "Bild am Sonntag" (BamS).

Gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte Fest am Mittwoch seinen Eintritt in den Berliner Landesverband der AfD: "Ich würde das nicht dementieren", sagte er - und fügte hinzu: "Ich ärgere mich natürlich, dass das vor der Pressekonferenz am Donnerstag herauskommt". Eine Begründung für seinen AfD-Beitritt wollte er noch nicht nennen.

Inhaltlich lagen Publizist und Partei schon länger auf einer Linie: Vor zwei Jahren hatte Fest die BamS verlassen, nachdem er in einem Kommentar den Islam als "Integrationshindernis" bezeichnet hatte, das die Politik "bei Asyl und Zuwanderung ausdrücklich berücksichtigen" sollte: "Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht." Der Kommentar brachte der BamS damals eine Rüge des Presserats ein.

Sowohl die Chefredakteurin des Wochenblatts, Marion Horn, als auch der damalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann hatten sich danach von dem Kommentar distanziert. Fest betonte aber, er habe den Axel Springer Verlag "auf eigenen Wunsch" verlassen.

Sohn des Historikers und Publizisten Joachim Fest

Für Aufregung hatte auch ein Interview von Fest in der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" im April 2015 gesorgt. Dort hatte er seine Islamkritik verteidigt. Schlichte Gemüter wie der Grünen-Politiker Volker Beck mögen Religionskritik für Fremdenfeindlichkeit halten, sagte er dort. "Tatsächlich ist Islamkritik so wenig fremdenfeindlich wie die Varusschlacht oder der Kampf der Azteken gegen die Spanier. Im Gegenteil: Wenn das Fremde unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung bedroht, dann wird "Fremdenfeindlichkeit" zur gesellschaftlichen Pflicht. Das ist die Konsequenz des republikanischen Appells: Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit!", so Fest damals. Auch sprach er in dem Interview darüber, seinen Kindern zu raten, ihre Zukunft nicht in Deutschland zu planen. Durch die "vielen Flüchtlinge", die keine Beziehung "zu diesem Land, seiner Geschichte, seiner Kultur" hätten, werde sich Deutschland in den kommenden 30 Jahren dramatisch verändern.

Ob er ein Amt im Berliner AfD-Verband bekleiden wird, für die neue Fraktion der Partei im Abgeordnetenhaus arbeiten will oder nur einfaches Parteimitglied sein wird, ist noch unklar. Offenbar sieht die Partei in Fests Beitritt eine Chance, im bürgerlichen Lager weitere Personen für eine Mitgliedschaft in der AfD zu gewinnen. Berlins AfD-Chef Pazderski wollte die Personalie auf Anfrage nicht kommentieren.

Nicolaus Fest ist der Sohn des Historikers und früheren, 2006 verstorbenen Mitherausgebers der "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Joachim Fest. Sein Bruder ist der Verleger Alexander Fest.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung