Ermittlungen in Niedersachsen 21-Jähriger soll Anschlag auf Muslime geplant haben

In einem Chat soll ein 21-Jähriger einen Anschlag mit mehreren Todesopfern angedroht haben. Sein Vorbild: der Attentäter von Christchurch. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle ermittelt wegen Terrorismusverdachts.

Nach einer anonymen Anschlagsdrohung eines 21-jährigen Hildesheimers in einem Internetchat ermitteln die Behörden in Niedersachsen inzwischen wegen mutmaßlich rechtsextremistisch motivierter Terrorpläne gegen Muslime. Die für Terrorismusbekämpfung zuständige Generalstaatsanwaltschaft in Celle zog den Fall an sich. Der junge Mann, der in Untersuchungshaft sitzt, war demnach schon im Besitz von Waffen.

Der 21-Jährige war bereits am 30. Mai von Spezialkräften in Gewahrsam genommen worden, nachdem er in einem Internetchat anonym einen Anschlag auf Muslime angekündigt hatte - nach dem Vorbild des rechtsextremistischen Terrorangriffs auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch mit 51 Toten. Sein Chatpartner verständigte daraufhin die Polizei.

Ermittlungen führten zur Identifizierung des Mannes; er wurde in seiner Hildesheimer Wohnung gefasst. Spezialkräfte brachen nachts gegen 2 Uhr gewaltsam die Wohnungstür auf und überraschten den Mann, als er schlief.

Es sei von einer "besonderen Gefährdungslage" ausgegangen worden, hatten Staatsanwaltschaft und Polizei in Hildesheim am vorvergangenen Wochenende dazu erklärt. Zunächst gingen die Ermittler jedoch davon aus, dass das Motiv im "psychischen Gesundheitszustand" des Verdächtigen zu suchen sei. Der 21-Jährige wurde zunächst in eine Klinik gebracht.

Waffen in Wohnung des Verdächtigen gefunden

Die Einschätzung zum Motiv änderte sich laut Generalstaatsanwaltschaft durch die weiteren Ermittlungen. In der Wohnung wurden Datenträger gefunden, auf denen auch "Dateien mit rechtsradikalem Inhalten" gespeichert waren. Der 21-Jährige habe sich seit Längerem mit der Idee befasst, einen Anschlag mit zahlreichen Toten zu verüben, "um weltweite mediale Aufmerksamkeit zu erregen". Ziel sei gewesen, "Muslime zu töten".

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus seien Waffen gefunden worden, "die zur Umsetzung der Anschlagspläne angeschafft worden sein dürften", hieß es von der Generalstaatsanwaltschaft. Um welche Art von Waffen es sich handelte, wollte eine Sprecherin der Behörde unter Verweis auf die derzeit laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Am Freitag war der 21-Jährige aus dem sogenannten polizeilichen Langzeitgewahrsam in Untersuchungshaft überführt worden. Grundlage dafür waren die Vorwürfe der Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung von Straftaten sowie Terrorismusfinanzierung. Letzterer Vorwurf bezieht sich laut Generalstaatsanwaltschaft auf die Anschaffung der Waffen, die mutmaßlich für einen Anschlag gedacht waren.

Das Amtsgericht Hildesheim hatte es zunächst abgelehnt, den Mann in Untersuchungshaft zu nehmen. Daraufhin legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde bei der Staatsschutzkammer des Landgerichts Lüneburg ein, die am Freitag Haftbefehl erließ.

mfh/AFP
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