Grünen-Abgeordnete wechselt zur CDU "Ich bin keine Verräterin, ich fühle mich sehr gut"

"Ich sehe meine politische Zukunft in der CDU": Die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten verlässt ihre Fraktion im niedersächsischen Landtag - und bringt die rot-grüne Koalition um ihre Ein-Stimmen-Mehrheit. Warum?

Elke Twesten
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Elke Twesten


Die Erklärung der 54-Jährigen dauerte nur wenige Minuten - die Auswirkungen für die rot-grüne Regierung sind gravierend: In einer eilig angesetzten Pressekonferenz verkündete die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten ihren Austritt aus der Fraktion im niedersächsischen Landtag. "Ich sehe meine politische Zukunft in der CDU", sagt sie. Und: "Ich bin keine Verräterin, ich fühle mich sehr gut."

Mit ihrer Entscheidung geht die Ein-Stimmen-Mehrheit der rot-grünen Koalition in Niedersachsen verloren. Was das für die Fortführung der Regierung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bedeutet, ist zunächst unklar.

Sie sehe "weder vor Ort noch im Land bei den Grünen eine politische Zukunft", sagte Twesten weiter. Es habe ein Entfremdungsprozess stattgefunden. In der Union dagegen müsse sie sich mit ihrer bürgerlichen Grundstruktur nicht verbiegen.

Tiefschlag im eigenen Wahlgebiet

Im Mai hatte die Politikern einen politischen Rückschlag hinnehmen müssen, den sie auch als Grund für das Ausscheiden aus der Ökopartei anführte: Der Kreisverband Rotenburg hatte entschieden, sie nicht mehr als Spitzenkandidatin aufzustellen - ein Wiedereinzug in den Landtag wäre damit ausgeschlossen gewesen.

Dass sie nicht als Landtagskandidatin aufgestellt worden sei, habe sie nicht überrascht, sagte Twesten im Juni in einem Interview mit der "Kreiszeitung". Diese Strömungen seien seit Längerem bekannt gewesen. Der persönliche Einsatz in vielen Gremien, in vielen Wahlkämpfen sei wohl einigen "unheimlich und nicht mehr "grün" genug gewesen, sagte sie der "Kreiszeitung".

Twesten hatte sich offen für Bündnisse mit der CDU gezeigt, sprach in diesem Zusammenhang von "zeitgemäßen Koalitionen". Das war nicht bei allen auf Zustimmung gestoßen. Die niedersächsischen Grünen gehören eher zum Linksflügel der Partei.

Video: Stellungnahmen von Elke Twesten und Ministerpräsident Stephan Weil

Die Mutter dreier Töchter sitzt seit 2008 im niedersächsischen Landtag. Sie ist seit 20 Jahren Mitglied der Grünen.

Der neue Landtag wird regulär am 14. Januar kommenden Jahres gewählt. SPD und Grüne hatten im Landtag in Hannover bisher zusammen 69 Sitze, CDU und FDP 68.

CDU-Fraktionschef Björn Thümler sagte, die rot-grüne Landesregierung müsse jetzt entscheiden, ob sie in dieser Situation ohne Mehrheit weiter regieren könne. Die CDU-Fraktion werde voraussichtlich am Dienstag über ihr weiteres Vorgehen entscheiden.

mho/vks/dpa/Reuters



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Mahlzahn 04.08.2017
1. Wählerwille
Frau Testen ist über die Landesliste in das Parlament gekommen, verdankt also ihren Sitz Wählern der Grünen, die ihre Partei und nicht sie persönlich gewählt haben. Jetzt die Partei zu wechseln und damit eine andere Mehrheit in Niedersachsen herbeizuführen, ist schlicht Betrug am Wähler. Das steht fest, auch wenn man nicht Anhänger Der Grünen (ich auch nicht) ist oder nicht.
jjgiphone 04.08.2017
2. Wenn es der Karriere dient.
Von den Grünen zur CDU. Wo sind die Schnittmengen die Frau Twesten sieht? Eine weitere Karriere im Landtag in einer CDU Fraktion ist doch unglaubwürdig. Die Dame hat auf dem Ticket der Grünen Karriere gemacht und verrät nun ihre Partei. Eine Opportunistin verhilft der CDU zum Machtwechsel. Ob die FDP dort mitmacht? Sicher!
jaduk 04.08.2017
3. Pöstchen sind halt wichtiger
Hey, wenn die Grünen sie nicht mehr haben wollen, bei der CDU kriegt sie sicher wieder einen tollen Sitz im Landtag. Und nur darum geht es dieser Frau doch. Schnell vor der Wahl zu den anderen wechseln. Niemand mag Verräter, Frau Twesten - auch nicht die, zu denen die Verräter für einen kleinen Vorteil übergelaufen sind. Das spiegelt den Charakter wider und das werden Sie spätestens bei der übernächsten Wahl merken. Dann mag sie die CDU auch nicht mehr...
rdiess 04.08.2017
4. Grundsätzlich o. k.,
..., wenn Abgeordnete ihrem Gewissen folgen. Im vorliegenden Fall handelt es sich allerdings um eine beleidigte Leberwurst, die angesichts der Konstellation im Landtag den Wählerwillen in Frage gestellt. Da wäre es hygienischer gewesen, auf das Mandat zu verzichten.
gerhard-bossmann 04.08.2017
5. Verräterin?
Ja was denn sonst. Alles andere ist doch unehrlich und wer soll das glauben? Wer kündigt eine Zusammenarbeit auf, die eh in 5 Monaten beendet ist und evtl neu verhandelt werden muss. Mehr Scheinheiligkeit geht gar nicht und wenn Frau T. jetzt glaubt, sie könnte die Wähler*innen für dumm verkaufen, dann muss sie das mal glauben. Klar ist doch folgendes: sie braucht das Geld und wechselt die Seiten, die ihr sicherlich gut zuredet haben (Zwinker Zwinker)! Und ein politisches Mandat will sie sicherlich auch nicht aufgeben - damit das klappt, muss sie wohl die Seiten wechseln (ganz uneigennützig, nur zum Wohle der Menschen, und ihre Grundstruktur ist nunmehr auch befriedigt - versteht sich). Leben geht weiter
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