Niedersachsen SPD verliert Oberbürgermeister-Posten in Hannover

In den Landeshauptstädten Hannover, Mainz und Kiel haben die Bürger über ihren Verwaltungschef abgestimmt. Auch in Halle traten wenige Woche nach dem antisemitischen Anschlag Menschen an die Wahlurne.

Marc Hansmann, SPD-Spitzenkandidat, steht nicht in der Stichwahl in Hannover:
Sina Schuldt/DPA

Marc Hansmann, SPD-Spitzenkandidat, steht nicht in der Stichwahl in Hannover:


Die SPD wird erstmals seit mehr als 70 Jahren nicht mehr den Oberbürgermeister von Hannover stellen. Der SPD-Kandidat Marc Hansmann landete nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 23,5 Prozent auf dem dritten Platz. Stattdessen ziehen in der niedersächsischen Landeshauptstadt nun der für die CDU angetretene frühere VW-Manager Eckhard Scholz und der Grünen-Kandidat Belit Onay in die Stichwahl. Beide erreichten jeweils 32,5 Prozent.

Der frühere SPD-Oberbürgermeister Stefan Schostok war nach einer Anklage wegen "schwerer Untreue" im April zurückgetreten und kündigte Neuwahlen an. Der Vorwurf gegen ihn: Schostoks Büroleiter Frank Herbert soll seit 2015 unrechtmäßige Extrazahlungen neben seinem Gehalt erhalten haben - mit Wissen und Unterstützung seines Chefs. Der bestreitet die Vorwürfe.

Auch der Oberbürgermeister für Mainz wird in einer Stichwahl ermittelt. Bei der Wahl am Sonntag lag Amtsinhaber Michael Ebling (SPD) mit 41,0 Prozent vorn, gefolgt von dem parteilosen Kandidaten Nino Haase mit 32,4 Prozent. Die Grünen-Kandidatin Tabea Rößner kam dem vorläufigen Endergebnis zufolge mit 22,5 Prozent auf Platz drei.

Auffallend waren am Tag der thüringischen Landtagswahl die Unterschiede zu dem ostdeutschen Bundesland. In Hannover erzielte der AfD-Kandidat 4,6 Prozent der Stimmen, die Linken-Kandidatin 1,9 Prozent. In Mainz kam die AfD auf 5,3 Prozent und die Linken auf 5,9 Prozent.

Landtagswahl Thüringen 2019

Endgültiges Ergebnis

Zweitstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CDU
21,7
-11,8
Die Linke
31
+2,8
SPD
8,2
-4,2
AfD
23,4
+12,8
Grüne
5,2
-0,5
FDP
5
+2,5
Sonstige
5,5
-1,6
Sitzverteilung
Insgesamt: 90
Mehrheit: 46 Sitze
29
8
5
5
21
22
Quelle: Landeswahlleiter

Auch in Kiel wurde am Sonntag über den Oberbürgermeisterposten abgestimmt. Der amtierende SPD-Politiker Ulf Kämpfer gewann das Votum im ersten Wahlgang - er kam auf 65,8 Prozent der Stimmen. Seine neue Amtszeit beträgt sechs Jahre. Kämpfer ist seit 2014 Verwaltungschef in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt.

Der von der Union ins Rennen geschickte Gymnasiallehrer Andreas Ellendt kam auf 20,3 Prozent. Für den Linken-Politiker Björn Thoroe stimmten 9,1 Prozent. Florian Wrobel (Die Partei) erhielt 4,8 Prozent der Stimmen.

Wahlkampf in den Hintergrund gerückt

Auch bei der Oberbürgermeisterwahl in Halle an der Saale hat sich der Amtsinhaber durchgesetzt. Bernd Wiegand entschied die Stichwahl gegen Hendrik Lange klar für sich, wie die Stadtveraltung mitteilte. Laut dem vorläufigen Ergebnis kam Wiegand auf 61,42 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent erhielt 38,58 Prozent. Lange war für SPD, Grüne und Linke ins Rennen gegangen.

In Halle wird alle sieben Jahre ein Oberbürgermeister gewählt. Nach dem Anschlag eines Rechtsextremisten mit zwei Toten Mitte Oktober - vier Tage vor der ersten Wahlrunde - war der Wahlkampf in den Hintergrund gerückt. Abschlusskundgebungen wurden abgesagt. Wiegand ist nicht unumstritten. Er stand wegen Untreue vor Gericht, weil er enge Mitarbeiter zu Unrecht in höhere Gehaltsstufen eingruppiert haben sollte. Er wurde aber rechtskräftig freigesprochen.

vks/dpa/Reuters



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