Zur Ausgabe
Artikel 24 / 78
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Sabotageangriff auf Nord Stream Schweden lässt gemeinsame Pipeline-Ermittlungen platzen

Schon kurz nach der Entdeckung der Lecks an den Nord-Stream-Pipelines entschied Berlin, sich an der Suche nach den Tätern zu beteiligen. Schweden aber hat nach SPIEGEL-Informationen kein Interesse, die eigenen Erkenntnisse zu teilen.
aus DER SPIEGEL 42/2022
Nach dem Sabotage-Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines trat tagelang Gas aus

Nach dem Sabotage-Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines trat tagelang Gas aus

Foto: Danish Defence / UPI Photo / IMAGO

Schweden, Dänemark und Deutschland werden anders als geplant keine gemeinsame Ermittlungsgruppe zur Untersuchung der Lecks an den Nord-Stream-Pipelines bilden. Nach SPIEGEL-Informationen lehnte Schweden die Einrichtung eines internationalen »Joint Investigation Team« (JIT) ab. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen soll Schweden die Ablehnung damit begründet haben, dass die Sicherheitseinstufung seiner Ermittlungsergebnisse zu hoch sei, um diese mit anderen Staaten zu teilen.

Aus: DER SPIEGEL 42/2022

Der Weltmachtmensch

In zehn Jahren an der Spitze hat Staats- und Parteichef Xi Jinping sich die Volksrepublik untertan gemacht, er ist fast so mächtig wie Mao. Doch das genügt ihm nicht – auch die Welt will er nach seinen Vorstellungen formen. Wer ist der Mann, von dessen Reich Deutschlands Wirtschaftsmodell abhängt?

Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL.

Zur Ausgabe

Die Bundesregierung hatte schon kurz nach der Sabotage-Aktion Ende September entschieden, dass sich deutsche Ermittler an der Aufklärung beteiligen sollen. Bundespolizei und Bundeswehr schickten vergangene Woche zwei Militär-Boote an eine der Schadensstellen. Dort wurde eine »Sea Cat«-Unterwasserdrohne zu Wasser gelassen. Schweden hatte den Tatort südöstlich der Ostseeinsel schon vorher inspiziert und am Meeresgrund auch Beweismaterial sichergestellt.

Von Schwedischer Seite war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der Sicherheitsdienst verwies an das Justizministerium. Das Justizministerium verwies an den Sicherheitsdienst. In Berlin hieß es zu der schwedischen Ablehnung, man erhoffe sich dennoch eine Zusammenarbeit mit dortigen Behörden.

Die deutschen Ermittler sollen nun zunächst die Bilder der »Sea Cat«-Unterwasserdrohne auswerten. Darauf soll ein größerer Krater, der auf eine massive Explosion hinweist, zu sehen sein. Zudem sei die Pipeline auf größerer Länge komplett unterbrochen, möglicherweise habe die Strömung nach der Sabotage-Aktion Teile der Röhre weggespült.

Bisher gibt es über Hintermänner der Sabotageaktion nur Spekulationen. Klar ist lediglich, dass es am 26. September unter Wasser mehrere massive Explosionen nahe dem Verlauf der beiden Nord-Stream-Pipelines gegeben hat. Die Detonationen waren so heftig, dass mehrere Institute, die normalerweise Erdbeben beobachten, deutliche seismische Ausschläge registrierten. Die deutschen Behörden gehen nach einer ersten Analyse davon aus, dass dafür eine Sprengkraft vergleichbar mit 500 Kilogramm TNT benötigt wurde.

Aufgrund der Komplexität der Attacke wurde schnell gemutmaßt, dass nur ein staatlicher Akteur als Täter infrage kommt. Spekuliert wurde, dass Russland selbst die Pipeline zerstört habe, um die Gaspreise weiter in die Höhe zu treiben. Moskau streitet dies vehement ab und bezeichnete den Angriff auf die Pipeline stattdessen als Terrorismus gegen Russland.

Schweden sieht Sabotageverdacht erhärtet

Wegen der besonderen Bedeutung des Falls hat in Deutschland der Generalbundesanwalt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Aus Sicht der obersten Ermittlungsbehörde handelt es sich um einen schweren gewalttätigen Angriff auf die Energieversorgung, der die äußere und innere Sicherheit Deutschlands beeinträchtigen könnte. Konkret ermittelt Karlsruhe wegen des Verdachts »der vorsätzlichen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion« sowie der »verfassungsfeindlichen Sabotage«.

Schweden zeigt sich auch öffentlich ziemlich schweigsam, wenn es um die Sabotage-Ermittlungen geht. Staatsanwalt Mats Ljungqvist sagte vor einigen Tagen lediglich, es habe mehrere Detonationen gegeben, die zu großen Schäden an den Gaspipelines geführt hätten. Durch die Untersuchungen am Meeresgrund habe sich der Sabotageverdacht »erhärtet«.

fis, jdl, mgb
Zur Ausgabe
Artikel 24 / 78
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.