Atommüll Castor-Transport unterwegs nach Hessen

Ein Zug, beladen mit Atommüll, hat den niedersächsischen Hafen Nordenham verlassen. Sein Ziel: Das stillgelegte Atomkraftwerk Biblis in Hessen. Atomkraftgegner haben Proteste entlang der Strecke angekündigt.
Castor-Lok verlässt Hafen Nordenham. Der Atommüll stammte aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield

Castor-Lok verlässt Hafen Nordenham. Der Atommüll stammte aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield

Foto: Sina Schuldt / dpa

Ein Zug mit sechs Castoren voll hochradioaktivem Atommüll hat am Dienstagabend den niedersächsischen Hafen Nordenham in Richtung Hessen verlassen.

Laut der Polizei Oldenburg wurden die Castoren von einem Frachter auf den Zug verladen. Sie sollen in ein Zwischenlager im stillgelegten südhessischen Atomkraftwerk Biblis nördlich von Mannheim gebracht werden.

Proteste angekündigt

Erwartet wird eine Ankunft des 600 Meter langen Zuges mit sechs Castoren dort am Mittwochmorgen. Atomkraftgegner waren in Nordenham vor Ort und hatten Proteste entlang der möglichen Fahrtstrecken nach Süden angekündigt. Kritisiert wird, dass der Transport ohne "Informationen an die Zuständigen für den Katastrophenschutz im Falle eines Unfalls" stattfinde.

Die Bundespolizei sichert deshalb nach eigenen Angaben mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen und Hessen, aber auch in Bremen und Nordrhein-Westfalen. Die Castor-Transporte waren in Vergangenheit oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen. Die Teilstrecke nach Bremen sei "planmäßig und bislang störungsfrei" verlaufen, teilte die Polizei in Oldenburg mit.

Der Müll in den Castoren stammt aus der Wiederaufarbeitung von Brennelementen in der Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield, die Bundesrepublik ist vertraglich zur Rücknahme verpflichtet. Es handelt sich um den ersten Castortransport in Deutschland seit neun Jahren. Laut Atomkraftgegnern sind bis zum Jahr 2024 noch vier weitere derartige Transporte geplant.

Ursprünglich sollte der Castortransport bereits im Frühjahr stattfinden, er wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben.

2002 war beschlossen worden, den Atommüll aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland nicht mehr zentral in ein Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben zu bringen. Die Transporte zu dem umstrittenen Standort wurden regelmäßig von tagelangen, teils gewaltsamen Protesten begleitet. Stattdessen wurde vereinbart, die restlichen Castoren auf Zwischenlager zu verteilen, die zwischenzeitlich an den deutschen Atomkraftwerken entstanden.

bah/dpa/AFP
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