Newsblog Das war Der Morgen @SPIEGELONLINE am 29.6.2017

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    Witze sind ein schwieriges Geschäft, Wahlen ebenso, und wenn beides zusammen kommt, ist das Risiko des Scheiterns groß. Beweis: die Ereignisse in Bad Karlshafen. Dort wurde am 21. Main in einer Stichwahl der neue Bürgermeister gewählt - beziehungsweise: sollte gewählt werden. Dabei kam die Kandidatin Petra Werner auf 931 Stimmen, der Kandidat Marcus Dittrich auf 932 Stimmen, berichtet die Stadtverwaltung des hessischen Städtchens auf ihrer Homepage. Zwar ist auch eine Mehrheit von einer Stimme eine Mehrheit, aber es gibt ein Problem - und da kommt der fehlgegangene Witz ins Spiel:
     
    Bei der Stichwahl im Mai hatte ein Wähler aus der Wahlkabine heraus die Wahlhelfer gefragt, ob er auf dem Stimmzettel unterschreiben müsse. Die Wahlhelfer hatten gelacht und Ja gesagt, heißt es. Sie hielten die Frage wohl für einen Scherz. Der Bürger unterschrieb, doch damit war der Wahlzettel ungültig (einer von neun ungültigen Zetteln). Später legte der Wähler Einspruch ein - und bekam Recht. Jetzt müssen die über 2000 Wahlberechtigten in Bad Karlshafen erneut über ihren Bürgermeister abstimmen.
     
     
  • 6/29/17 7:05 AM
    Nachtrag: Danke für Ihre aufmerksamen Rückmeldungen! Wenn ein Bürgermeisterkandidat 932 Stimmen bekommt und eine Kandidatin 931, dann ist die Formulierung von "über 1000 Einwohnern", die neu abstimmen müssen, zwar mathematisch richtig, aber nicht unbedingt sinnvoll - und Sie haben natürlich Recht: Es gibt in Bad Karlshafen ausweislich der städtischen Angaben genau 2343 Wahlberechtigte. Ist korrigiert!
  • 6/29/17 6:50 AM
    dpa-Eilmeldung: Einer der ranghöchsten Kardinäle im Vatikan, Finanzchef George Pell, will angesichts von Missbrauchsvorwürfen in seiner Heimat Australien sein Amt vorübergehend niederlegen. Er habe Papst Franziskus darum gebeten, um in Australien seine Unschuld zu beweisen, gab der Papst-Vertraute gerade eben in Rom bekannt.
  • 6/29/17 6:44 AM
     
    Ehud Olmert, früherer israelischer Regierungschef und wegen Korruption verurteilt, soll vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Ein zuständiger Ausschuss entschied heute, die Haftstrafe des 71-Jährigen um ein Drittel zu verkürzen. Er könnte bereits am Sonntag freikommen, falls die Staatsanwaltschaft dies nicht blockiert.
    Korruptionsvorwürfe hatten Olmerts politische Karriere beendet - und den Nahost-Friedensprozess nachhaltig ins Stocken gebracht. Olmert musste 2008 seinen Rücktritt erklären und wurde später zu 27 Monaten Haft verurteilt. Er sitzt seit Februar vergangenen Jahres im Gefängnis.
    • Foto: AP Foto: AP
  • 6/29/17 6:34 AM
    Ärger für Michelle Payne: Die Frau, die im November 2015 als erster weiblicher Jockey der Galopp-Geschichte den traditionsreichen Melbourne Cup gewonnen hatte, ist wegen Dopings für einen Monat gesperrt worden. Bei der 31-Jährigen wurde in einem Urintest am 11. Juni beim Swan Hill Cup der verbotene Appetitzügler Phentermin nachgewiesen. Da Jockeys nicht über ein Maximalgewicht kommen dürfen, können Appetithemmer zur Gewichtsreduzierung genutzt werden.
    "Ich möchte klarstellen, dass ich die volle Verantwortung übernehme", sagte Payne, "es ist zu hundert Prozent meine Pflicht, was ich nehme und nehmen darf. Und das unabhängig davon, ob es mir verschrieben wird oder nicht." Ihr war der Appetitzügler im vergangenen Jahr nach einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse verschrieben worden.
  • 6/29/17 6:27 AM
    Das ist noch nicht zufriedenstellend: Die Zahl der Frauen in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen ist zwar auf ein Rekordhoch gestiegen. Gleichzeitig funktionieren die freiwilligen Zielvorgaben für Vorstände und andere Führungsebenen aber nur schlecht. Diese Bilanz zieht die Organisation FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte).
    Nach den neuesten Zahlen ist der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten von 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Großunternehmen auf 28,1 Prozent gestiegen und liegt damit nur noch wenig unter den gesetzlich geforderten 30 Prozent. Alle Unternehmen, die seit vergangenem Jahr ihre Aufsichtsräte neu besetzt haben, erreichen die Quote.
    Zum 30. Juni müssen aber auch rund 3500 börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen ihre Zielvorgaben für den Frauenanteil in den Führungsgremien umgesetzt haben. Die Ergebnisse sind da bislang aber ernüchternd: In den Vorständen von 185 ausgewählten Unternehmen liegt der Frauenanteil nur bei 6,8 Prozent. Fast zwei Drittel der Unternehmen, die keine Frau im Vorstand haben, haben sich die Zielgröße "Null" gesetzt.
     
  • 6/29/17 6:10 AM
    Mannomann, Ihnen geht es aber gut, liebe Leserinnen und Leser! Das sagen jedenfalls die Konsumklimaerforscher vom Forschungsinstitut GfK: Die haben nämlich festgestellt, dass die florierende Konjunktur bei den deutschen Verbrauchern (also bei Ihnen) für immer bessere Stimmung sorgt - und die ist bei den Einkommensaussichten sogar so gut wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Dadurch kletterte das von den Marktforschern berechnete Konsumklima für Juli überraschend um 0,2 auf 10,6 Punkte und markiert den höchsten Stand seit Oktober 2001. Dies ist der dritte Anstieg in Folge.
    "Die Bundesbürger sehen die heimische Konjunktur auch zu Beginn des Sommers in exzellenter Verfassung", sagt GfK-Fachmann Rolf Bürkl. Das Teilbarometer dazu erreichte ein Drei-Jahres-Hoch. Zuletzt hatte das Ifo-Geschäftsklima blendende Laune auch bei den Unternehmen signalisiert. "Die Verbraucher gehen davon aus, dass der Aufschwung in Deutschland trotz weltwirtschaftlicher Risiken an Dynamik gewinnt", sagt Bürkl.
  • 6/29/17 5:17 AM
    So, jetzt kommt noch mal was für's Gemüt (bevor es gleich ein bisschen fies wird). Süß, oder? Und ganz wie im richtigen Leben: Wer auf die Nase fällt, läuft erst mal zu Mama, um sich auszuheulen.
     
  • 6/29/17 5:09 AM
    Nein, die orgienartigen Gelage von Berliner Polizisten vor dem G20-Gipfel in Hamburg gehören nicht dazu: Deutsche Polizisten schieben mehr als 18,1 Millionen Überstunden vor sich her. Das ergab eine Umfrage der "Rheinischen Post" bei den 17 Innenministerien von Bund und Ländern. Spitzenreiter in der Statistik ist demnach NRW: Die Beamten dort hätten 3,9 Millionen Stunden Mehrarbeit aufgebaut. Die Bundespolizei komme auf 2,3 Millionen Überstunden. Schlusslicht sei Thüringen, wo das Innenministerium lediglich 1150 Stunden Überstunden erfasst habe.
    Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, sagte der Zeitung: "Allein der anstehende G20-Gipfel in Hamburg mit bis zu 20.000 Polizisten wird das Mehrarbeitszeitkonto deutlich nach oben schnellen lassen." Die sehr hohe Belastung sei nicht zuletzt auch durch die Grenzkontrollen zu erklären.
  • 6/29/17 4:50 AM
    Trotz scharfer Kritik von Tierschützern hat Südafrika den Export von bis zu 800 Löwenskeletten erlaubt. Der internationale Handel von einzelnen Knochen hingegen sei nicht zulässig, erklärte das Umweltministerium. Die Erlaubnis bezieht sich demnach auch nur auf Skelette, die von in Gefangenschaft aufgewachsenen Löwen stammen. Damit soll sichergestellt werden, dass Wilderer nicht verstärkt in freier Wildbahn lebende Tiere töten.
     
    Artenschützer fürchten jedoch um die bereits stark dezimierten Löwenbestände in Afrika. Die neue Regelung drohe, "der Wilderei von Löwen Tür und Tor zu öffnen", erklärte Daniela Freyer von Pro Wildlife. "Immer wieder werden in Nationalparks und Gehegen gewilderte Löwen ohne Knochen oder mit fehlenden Körperteilen aufgefunden". Die Regel, dass nur mit Skeletten von Löwen aus Zuchtfarmen gehandelt werden darf, ist Pro Wildlife zufolge kaum zu kontrollieren. "Es steht zu befürchten, dass Knochen gewilderter Tiere in den lukrativen Handel eingeschmuggelt werden", hieß es. Löwenknochen werden unter anderem in der traditionellen asiatischen Medizin als Ersatz für verbotene Tigerknochen eingesetzt. Die Zahl afrikanischer Löwen ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um etwa 40 Prozent auf schätzungsweise 20.000 Tiere zurückgegangen.
    • Foto: AFP Foto: AFP
  • 6/29/17 4:41 AM
    Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Schlappheit: Die steigende Belastung der rund 800.000 Lehrer in Deutschland im Schulalltag bleibt nicht ohne Folgen. Nach einer Studie im Auftrag der DAK-Gesundheit geht es ihnen nicht wirklich gut:
     
    • Rund 34 Prozent der Pädagogen klagen über häufige, starke Müdigkeit; 39,4 Prozent überkommen demnach immerhin noch gelegentliche Müdigkeit.
    • Knapp 30 Prozent berichten von starken beziehungsweise sehr starken Nacken- oder Rückenschmerzen. Nur 7,1 Prozent haben solche Beeinträchtigungen nie.
    • Ein gutes Drittel der Befragten klagt über starke oder sehr starke Lärmbelästigung in der Schule. Knapp ein Viertel fühlt sich durch Unterrichtsstörungen belastet.
    • Gut 30 Prozent müssen sich mit schwierigen Schülern oder allgemein Disziplinproblemen herumplagen. Ebenso vielen fehlt eine angemessene Erholungsphase.
    Vor diesem Hintergrund geben 70 Prozent an, dass es an ihrer Schule keine Präventionsangebote für Lehrer gebe. Gesundheitsfördernde Maßnahmen seien für die Mehrheit der Lehrkräfte von großer Bedeutung, würden derzeit aber noch zu wenig an Schulen umgesetzt, heißt es in der Studie.
     
  • 6/29/17 4:33 AM
    Da war es einer weniger, aus G20 wird G19: Der Hamburger Gipfel muss ohne Brasiliens Staatschef Michel Temer auskommen. Der Präsident wird angesichts der schweren politischen Krise in Brasilien bleiben, teilte das Präsidialamt in Brasília mit. Temer steht in seiner Heimat unter erheblichem Druck: Ihm wird vorgeworfen, 500.000 Real (rund 130.000 Euro) Schmiergeld vom Chef des Fleischkonzerns JBS angenommen zu haben.
     
    Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot fordert deshalb eine Anklage gegen den Präsidenten vor dem Obersten Gerichtshof des Landes wegen des Vorwurfs der passiven Korruption. Temer wies die Anschuldigungen als "Fiktion" zurück. Ob dem Staatschef tatsächlich der Prozess gemacht wird, müssen die Abgeordneten des Parlaments entscheiden. Die Abgeordnetenkammer müsste einer Anklageerhebung mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen. Bisher hatte Temer in der weitverzweigten Korruptionsaffäre seinen Kopf immer wieder aus der Schlinge ziehen können.
  • 6/29/17 4:25 AM
    Wenn Sie mal wirklich mutige Menschen sehen wollen - dann schauen Sie sich diesen großartigen Film der "New York Times" an. Er zeigt Badegäste auf einem Zehn-Meter-Sprungturm und vor allem: ihr Ringen mit sich selbst. Soll ich es wirklich wagen?
     
    Gedreht haben den Film übrigens die schwedischen Filmemacher Maximilien Van Aertryck und Axel Danielson.
  • 6/29/17 4:10 AM
    Ordentliche Gerichtsverfahren sind jetzt, sagen wir mal so, nicht unbedingt die allerstärkste Stärke des nordkoreanischen Despoten Kim Jong Un und seiner Junta. Zumindest die juristischen Begrifflichkeiten beherrscht die stalinistische Diktatur in Nordkorea aber dennoch: Das Land hat in Südkorea die Auslieferung der ehemaligen Präsidentin Park Geun Hye gefordert und ihr mit der Todesstrafe gedroht.
     
     
    Park, die in Südkorea wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht steht, habe einen Plan der südkoreanischen Geheimdienste vorangetrieben, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zu ermorden. So steht es in einer Erklärung des Ministeriums für Staatssicherheit und der Staatsanwaltschaft in Pjöngjang, die von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde: "Wir erklären im Inland und im Ausland, dass wir die Todesstrafe gegen die Verräterin Park Geun Hye verhängen werden."
     
    Nordkorea drohte außerdem, dass dem früheren Direktor des südkoreanischen Geheimdienstes NIS, Lee Byung Ho, das gleiche Schicksal drohe. Sie "werden niemals dagegen vorgehen können, obwohl ihnen von jetzt an ein elender Tod zu jeder Zeit, an jedem Ort und und auf jede erdenkliche Weise bevorsteht", drohten die Behörden in Pjöngjang. Sie forderten Seoul auf, die beiden nach Nordkorea auszuliefern.
     
     
    Das einflussreiche Ministerium für Staatssicherheit hatte im Mai erklärt, einen Plan der Geheimdienste der USA und Südkoreas für die Ermordung Kims mit biochemischen Waffen vereitelt zu haben.
     
    Die jüngsten Drohungen aus Pjöngjang erfolgen vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen Nordkorea und den USA wegen des umstrittenen nordkoreanischen Raketen- und Atomprogramms. Überdies wird heute der neue südkoreanische Staatschef Moon Jae In zu einem Besuch in Washington erwartet. Er reagierte auf die Auslieferungsforderung aus dem Norden bisher überhaupt nicht - und ließ die Provokation Kims damit ins Leere laufen.
    • Foto: dpa Foto: dpa
    • Foto: dpa Foto: dpa
  • 6/29/17 3:58 AM
    Schön, dass Sie schon wach sind - guten Morgen, verehrte Leserin und lieber Leser! Herzlich willkommen zum "Morgen" hier bei SPIEGEL ONLINE und damit zu den wichtigsten Nachrichten und ein paar zusätzlichen Smalltalk-Geschichten, mit denen ich Sie in diesen Donnerstag begleiten werde. Spoiler: Ja, es wird auch irrwitzig. Mein Name ist Armin Himmelrath, und wenn unterwegs irgendetwas sein sollte, erreichen Sie mich unter armin.himmelrath@spiegel.de oder bei Twitter unter @AHimmelrath. Let's go!
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