Nordrhein-Westfalen Landes-CDU wählt Krautscheid zum Generalsekretär

Mit großer Mehrheit ist Andreas Krautscheid zum neuen CDU-Generalsekretär für den Landesverband Nordrhein-Westfalen gewählt worden. Er folgt Hendrik Wüst nach, der wegen der Affäre um käufliche Gesprächstermine mit Jürgen Rüttgers zurückgetreten war.

Andreas Krautscheid (CDU): 99,5 Prozent beim Parteitag
ddp

Andreas Krautscheid (CDU): 99,5 Prozent beim Parteitag


Münster - Die CDU in Nordrhein-Westfalen hat Andreas Krautscheid nahezu einstimmig zu ihrem neuen Generalsekretär gewählt. Krautscheid erhielt auf einem Landesparteitag am Samstag in Münster 99,5 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen. Der frühere Landesmedien- und Europaminister hatte das Amt vor zwei Wochen kommissarisch übernommen, nachdem sein Vorgänger Hendrik Wüst wegen der Sponsoring-Affäre zurückgetreten war.

Scharf ging Krautscheid die Sozialdemokraten an. "Die SPD hat nicht die politische und personelle Reife, dieses Land zu regieren", sagte er. Die Sozialdemokraten seien "alt, grau und strukturell verkrustet". Zur Linkspartei sagte er: "Wir haben nicht vor kurzem den 20. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert, um NRW nun den Kommunisten und Extremisten der Linkspartei zu überlassen." Der SPD warf er vor, sich nicht klar von der Linkspartei abgegrenzt zu haben. Der "Eiertanz" der nordrhein-westfälischen SPD-Landesvorsitzenden Hannelore Kraft sei "ein Schaden für die Demokratie und eine Schande für unser Land".

Parteitag überschattet von der Sponsoring-Affäre

Der Parteitag wird überschattet von der Diskussion über die vom SPIEGEL enthüllte Praxis der Partei, Gespräche mit dem Regierungschef auf CDU-Veranstaltungen für einen Aufpreis von mehreren tausend Euro zu vermitteln. Das hat tiefe Kratzer am Image des Ministerpräsidenten hinterlassen. In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL werden neue Details über die Praktiken des NRW-Landesverbandes berichtet - etwa, dass umworbene Firmen unter der Überschrift "Fotowunsch am Präsentationsstand" ihr Kreuzchen hinter den Namen von mehreren Landesministern der CDU machen konnten - darunter auch der Name Jürgen Rüttgers.

Andreas Krautscheid ist so etwas wie die Allzweckwaffe des Ministerpräsidenten. Der 49-Jährige hat für den Ministerpräsidenten bereits als Regierungssprecher und Europa- und Medienminister gearbeitet.

Rüttgers schickt Krautscheid immer dann im Landtag ins Gefecht, wenn es knifflige Situationen zu bewältigen gilt. Krautscheids bevorzugte Waffe ist dabei das Florett, mit dem er seinem Chef die Opposition vom Leibe hält: Der eloquente Jurist versteht es, bissige Fragen mit Wortwitz zu parieren.

Krautscheid, der noch kein Landtagsmandat hat, gilt auch als möglicher CDU-Fraktionschef für die Zeit nach der Landtagswahl. Vor allem wenn über eine mögliche schwarz-grüne Koalition spekuliert wird, fällt sein Name. Im Rhein-Sieg-Kreis hat er als CDU- Kreisvorsitzender bereits ein solches Bündnis auf kommunaler Ebene mitgeschmiedet. Einen innerparteilichen Dämpfer musste Krautscheid im vergangenen Jahr hinnehmen, als er im Rennen um den Vorsitz des CDU-Bezirks Mittelrhein Bundesumweltminister Norbert Röttgen unterlag.

cis/ddp/dpa



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