Nordrhein-Westfalen Linke lockt SPD-Urgestein Dreßler

Der nordrhein-westfälische Landesverband der Linkspartei sucht immer noch einen zugkräftigen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2010. Linke-Chef Lafontaine hätte dafür gerne seinen alten Freund Rudolf Dreßler - aber der ist immer noch in der SPD.


Düsseldorf - Der Angstgegner der nordrhein-westfälischen SPD sitzt in seinem Haus in Vinxel bei Bonn, zieht kräftig an einer Marlboro, lässt seinen Blick über den herbstlich-bunten Garten streifen und steckt Familienhund Tessa ein Leckerchen zu: Rudolf Dreßler, 66 Jahre alt und Botschafter im Ruhestand.

SPD-Politiker Dreßler (als Botschafter in Israel 2005): "Wenn ich aus der SPD austreten müsste, dann würde ich nicht automatisch in eine andere Partei eintreten"
DPA

SPD-Politiker Dreßler (als Botschafter in Israel 2005): "Wenn ich aus der SPD austreten müsste, dann würde ich nicht automatisch in eine andere Partei eintreten"

Zwei Parteien werben um seine Gunst, seitdem Dreßler vor knapp zwei Jahren aus Israel zurückkam - die Linke, die Partei seines Freundes Oskar Lafontaine, und die SPD, für die er 20 Jahre lang im Bundestag saß und genauso lange den einflussreichen Partei-Ausschuss für Arbeitnehmerfragen (AfA) leitete.

Mit einem wie Dreßler hätte die Linke in NRW endlich den bekannten Kopf, der ihr noch fehlt: Ein wortgewaltiger Sozialexperte, gegen den der selbsternannte Arbeiterführer, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von der CDU, genauso blass aussehen würde wie SPD-Herausforderin Hannelore Kraft.

Die SPD würde mit ihm einen glaubwürdigen Vertreter aus einer Zeit verlieren, in der die Mehrheit der Wähler die Verteidigung der sozialen Gerechtigkeit als eine Grundtugend der Sozialdemokratie ansah. Darum suchen die SPD-Granden seit Wochen das Gespräch mit dem Mann aus Vinxel: Vorsitzende, ehemalige Vorsitzende, führende Köpfe der Fraktion und aus den Ländern. Sie appellieren an seine Verantwortung für die Partei, in die er 1969 eingetreten ist, um aktiv gegen die damals beschlossenen Notstandsgesetze zu kämpfen.

Dreßler genießt das Werben um ihn

Das gefällt dem gelernten Schriftsetzer aus Wuppertal, der 1998 von Kanzler Gerhard Schröder schnöde abserviert wurde, weil er den Beton-Sozi nicht in seiner so modernen rot-grünen Regierung haben wollte. Am Ende hat Dreßler, der vermutlich undiplomatischste Botschafter aller Zeiten, diesen Job so gut gemacht, dass ihm eine Verlängerung - auch über die sonst übliche Pensionsgrenze hinaus - angeboten wurde. Doch da waren die Schulen in Bonn für seine beiden Jungs, 11 und 14 Jahre alt, schon ausgesucht.

Nun hat er wieder Zeit, alte Freundschaften zu pflegen - zum Beispiel zu Oskar Lafontaine, dem abtrünnigen SPD-Vorsitzenden und derzeitigen Chef der Linkspartei. "Seitdem ich aus Israel zurück bin, haben wir unsere Verbindung intensiviert, treffen uns gelegentlich und telefonieren häufig miteinander", sagt Dreßler. Lafontaine und er kennen sich aus Bonner Zeiten und die beiden verbindet eine tiefe Abneigung zu Schröder und Franz Müntefering.

"Natürlich reden wir über die SPD, da gibt es ja genügend Anlass", schildert Dreßler. Aus solchen Gesprächen ergebe sich dann schon mal die Fragestellung, "ob ich Interesse habe, den Laden zu wechseln". Seit kurzem hat er sogar einen Aufnahmeantrag für die Linke auf dem Schreibtisch. Nicht von Freund Oskar, sondern von Sandra Maischberger, die vor einigen Wochen dem verblüfften Gast das Papier in ihrer Talkshow mit folgenden Worten überreichte: "Ich habe hier noch ein Stellenangebot für Sie."

Der Aufnahmeantrag liegt nicht zur Unterschrift in seinem Büro im Keller des Hauses. Da müsste er vorher seinen SPD-Austritt erklären, sagt Dreßler und auch der stehe nicht zur Unterschrift an. Aber, "man soll niemals nie sagen".



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