Bottrop und Lüdenscheid Mehrere Verletzte bei Kurden-Demonstrationen

In Nordrhein-Westfalen sind Proteste gegen den türkischen Einmarsch in Nordsyrien eskaliert. Mindestens neun Menschen wurden dabei verletzt, darunter fünf Polizisten.


In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen haben am Mittwoch Kurden gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien demonstriert. Sie werfen der Regierung in Ankara einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg vor. Einige der Proteste am Mittwoch sind jedoch eskaliert. Dabei wurden offiziellen Angaben zufolge mindestens neun Menschen verletzt, darunter fünf Polizisten.

In der Innenstadt von Bottrop provozierten sich am Mittwochabend Teilnehmer der Demonstration und mehreren Passanten türkischer Herkunft gegenseitig, wie die Polizei mitteilte. Es seien Steine geflogen. "Ein Aufeinandertreffen konnten wir nur dadurch verhindern, dass wir mit starker Polizeipräsenz in der Innenstadt unterwegs waren", sagte eine Polizeisprecherin.

Bei den Auseinandersetzungen wurden fünf Polizisten leicht verletzt, außerdem zwei weitere Männer und eine Frau. Die Polizei nahm fünf Tatverdächtige wegen des Vorwurfs der Körperverletzung fest und nahm bei elf weiteren Männern die Personalien auf.

In Lüdenscheid wurde ein türkischstämmiger Deutscher bei einer Kurdendemonstration schwer verletzt. Ein bislang Unbekannter habe den 50 Jahre alten Mann mit einem Messerstich in den Rücken verletzt, sagte ein Sprecher der Polizei. Das Opfer wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die genauen Hintergründe der Tat sind bisher unklar. Eine Mordkommission wurde eingesetzt, außerdem hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Zehntausende Teilnehmer bei Demonstration in Köln erwartet

Schon am Montagabend war es in Herne zu Ausschreitungen bei einer Demonstration von Kurden gekommen. Dabei wurden nach Polizeiangaben fünf Menschen verletzt. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung rief die in Deutschland lebenden Kurden und Türken anschließend dazu auf, den Streit über den Konflikt in Nordsyrien nicht nach Deutschland zu tragen. Sie erwarte "besonders von Migrantenorganisationen und Religionsgemeinschaften, Verantwortung zu übernehmen und zur Mäßigung beizutragen", sagte Annette Widmann-Mauz.

Die Türkei hatte Mitte vergangener Woche ihre angedrohte Militäroffensive gegen vorwiegend von Kurden bewohnte Gebiete in Nordsyrien begonnen. Seither demonstrierten Kurden in zahlreichen deutschen Städten gegen das Vorgehen Ankaras. Für kommenden Samstag ist in Köln eine Demonstration gegen den türkischen Einmarsch geplant, zu der die Veranstalter mehrere zehntausend Teilnehmer erwarten.

aar/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.