NPD-Parteitag Rieger gewinnt Machtkampf auf offener Bühne

Von , Bamberg

2. Teil: Die NPDler geben sich bieder, doch der radikale Flügel erhält Auftrieb


Voigts Werben für Rieger ist erstaunlich. Denn dessen Triumph stellt eine zentrale Botschaft des NPD-Chefs in Frage: Zum Auftakt des Parteitages versucht Voigt mit einem halbherzigen Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit in seiner 90-minütigen Rede, die NPD von den sogenannten "Autonomen Nationalisten" abzugrenzen, die bei der Mai-Krawalle in Hamburg kräftig mitmischten. "Indiskutabel" sei es, wenn Polizisten und Journalisten angegriffen würden. Gleichzeitig betont er das "Notwehrrecht" für seine Anhänger. Es ist nicht die Aggressivität des schwarzen Neonazi-Blocks, die Voigt missfällt, es sind die Anleihen bei der linken Szene: die "geballte Kommunistenfaust" oder "ausländische Symbole und Sprüche".

NPD-Männer wie Rieger und Wulff dagegen scheuen die Gesellschaft der Rechtsautonomen nicht. In Hamburg marschierten sie Seite an Seite mit den jungen Neonazi-Schlägern. Voigts Sprecher Klaus Beier verkauft die Wahl Riegers als "Belebung" für die Partei, von einer möglichen Spaltung will er nichts wissen. Dabei ist klar: Mit Riegers Aufstieg in die Stellvertreter-Reihe erhält der radikale Flügel Auftrieb.

Hetze gegen Journalisten

Und das, wo sich die Partei in Bamberg nach außen ausgesprochen bieder präsentieren möchte. Das Publikum erscheint erstaunlich unauffällig: Die meisten Delegierten, auch die jüngeren, tragen lieber Hemd und Sakko statt Szene-Klamotten. Selbst Hardcore-Neonazi-Größen haben sich in einen Anzug gepresst. Nur hier und da haben NPDler rechte Slogans auf Brust oder Rücken: "In Gedenken an alliierte Kriegsverbrechen gegen Deutschland", steht auf einem schwarzen T-Shirt, eine junge Frau lässt wissen: "Das deutsche Volk steht und fällt mit seinen Frauen."

Auch der Merchandising-Stand fällt im Vergleich zum letzten Parteitag eher mickrig aus. In Berlin boten Kameraden noch reichlich NS-Devotionalien feil - Journalisten, die sich an den Tischen umschauten, scheuchte der Ordnungsdienst seinerzeit allerdings auch eilig und bestimmt fort. Die zugelassenen Pressevertretern nun gewährte Bewegungsfreiheit dürfte dafür gesorgt haben, dass das Angebot am Samstag für rechtsextreme Verhältnisse fast schon harmlos ist: Für fünf Euro gibt es die Broschüre "Strategie und Taktik: Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff", die CD mit den "Balladen des nationalen Widerstandes" kostet im Parteitagssonderangebot 13 Euro, das T-Shirt mit der Aufschrift "Klagt nicht - kämpft" lässt sich für zehn Euro erwerben.

Dass Journalisten dennoch nicht willkommen sind, ist klar: Die NPD hat mehreren Reportern im Vorfeld den Zutritt zum Parteitag verwehrt, Voigt und andere Funktionäre schimpfen wiederholt vom Rednerpult über die "Medienmafia". Und auch von den einfachen Delegierten bekommen die Journalisten herzliche Abneigung zu spüren. "So einen Schweinejournalisten wie Sie hätte ich hier nicht reingelassen", pöbelt einer. Vor einem TV-Reporter baut sich ein bekannter Neonazi aus Niedersachsen auf und droht: "Immer schön vorsichtig..."



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