NPD-Wahlkampf Braune Zwerge in Lafontaines Schatten

Seit dem Auftauchen der Linkspartei ist die NPD komplett aus den Schlagzeilen verschwunden. Heute versuchten die Chefs von NPD und DVU noch einmal, auf den Radarschirm zu kommen. Hauptgegner im Wahlkampf, das wurde klar, ist Oskar Lafontaine.
Von Isabel Schauerte

Berlin - Einen Steinwurf vom beschaulichen Ortskern Köpenicks entfernt, steht ein gelbes, einstöckiges Haus. Stacheldraht krönt das massive, stählerne Eingangstor. Die Fenster sind vergittert, die Rolläden heruntergelassen. Videokameras zeichnen jede Bewegung auf. Die NPD-Parteizentrale in der Seelenbinder Straße gleicht einer Trutzburg auf feindlichem Boden. Wer das Tor passiert hat, muss eine Weile in einem schmalen Eingangsflur warten, der zur Sicherheitsschleuse umfunktioniert wurde. Dann ist der Weg frei zur Pressekonferenz der NPD.

Den Weg durch den Hinterhof säumen schwarz gekleidete Ordner. Einer von ihnen trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Deutschland ist größer als die Bundesrepublik". Im Konferenzraum sitzen hinter einem Tisch DVU-Chef Gerhard Frey und NPD-Chef Udo Voigt.

Die Pressekonferenz ist ein Akt der Verzweiflung. Vor noch nicht allzu langer Zeit hatten die beiden rechtsextremen Parteien sich ernsthafte Chancen bei der Bundestagswahl ausgerechnet. Beflügelt durch die Landtagswahl in Sachsen konnten die Funktionäre der NPD vor Stärke kaum laufen. Eifrig hatte man ein Rechtsbündnis geschmiedet: Um die Wahlchancen zu erhöhen, verzichtet die DVU auf eine eigene Liste und lässt ihre Kandidaten auf der NPD-Liste antreten.

Im Schatten der Linkspartei

Doch im anschwellenden Wahlkampf spielen andere den Bürgerschreck, und NPD und DVU sind in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Die Linkspartei hat ihnen das Scheinwerferlicht gestohlen. Oskar Lafontaine ist denn auch das Hauptthema bei der Pressekonferenz. Seit den "Fremdarbeiter"-Äußerungen des Spitzenkandidaten der Linkspartei geht auch am rechten Rand das Linksgespenst um.

In gewissem Sinn sei man Lafontaine "dankbar", sagt Voigt. Schließlich habe der einstige SPD-Chef "den Begriff des Fremdarbeiters wieder in die Politik eingeführt." Doch bei jedem Satz schimmert die Befürchtung durch, dass die Linkspartei so rechtsextreme Wählerstimmen binden könnte. Lafontaine sei ein "Pseudonationaler", wettert Frey.

Im Rahmen des Wahlkampfes ist daher die "Entzauberung" Lafontaines vorgesehen. "Wir lassen uns nicht die Butter vom Brot nehmen", so Voigt. Deshalb werde man unter anderem eine Busfahrt zu Lafontaines Haus im Saarland, dem "Palast der sozialen Gerechtigkeit", unternehmen.

Plan B: Die Größte unter den Kleinen

Ansonsten versuchen Voigt und Frey mit allen Kräften, die "neue Seriosität" der Rechtsextremen zu demonstrieren, die der Wahlkampfleiter und Strategieberater Peter Marx verordnet hat. Beide tragen staatstragende, dunkle Anzüge. Die üblichen Provokationen zur deutschen Geschichte lassen sie an diesem Tag großenteils bleiben. Auf wiederholte Nachfragen der Journalisten erklärt Frey: "Wir machen doch hier keinen Geschichtsunterricht. Wir machen Wahlkampf".

Nur gedämpft-kraftmeierische Sprüche gegen die "Multi-Kulti-Gesellschaft" an diesem Vormittag also. Stattdessen mimt die NPD den Anwalt des kleinen Mannes. Das Thema soziale Gerechtigkeit werde im Wahlkampf hoch gehängt, so Voigt. Mit dem Plakat-Slogan "Schnauze voll!" rufe man zur Protestwahl auf, auch gegen Hartz IV.

Doch das Thema, mit dem NPD in Sachsen punkten konnte, wird nun höchst erfolgreich von der Linkspartei besetzt. Es klingt schon nach Plan B, wenn Voigt sich nun damit tröstet, zumindest der Gigant unter den sonstigen Parteien zu sein. "Hier gibt es kaum Konkurrenz", stellt er fest.

Auf Grund der vorgezogenen Neuwahlen hat sich bei den Sonstigen in der Tat das Feld verkleinert. Etliche kleine Parteien, die nicht automatisch zur Wahl zugelassen sind, können nicht genügend Unterschriften von Unterstützern sammeln. Hierdurch werden die Republikaner, die Pro-DM sowie andere Splittergruppierungen voraussichtlich nicht auf dem Wahlzettel erscheinen. Daher hofft nun die NPD auf einige Extrastimmen. Doch auch wenn die Rechnung aufgeht: mit einer NPD im Reich der sonstigen können auch die demokratischen Parteien gut leben.

Denn verglichen mit den großspurigen Auftritten vor dem Auftauchen der Linkspartei sind die Rechtsextremen nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Nur eines hat sich nicht geändert: Innerhalb des Rechtsbündnisses gibt die NPD den Ton an. Frey hat Voigt das Feld vollständig überlassen. In der Pressekonferenz dominiert Voigt. Er beantwortet nahezu alle Fragen, zögert nicht, streicht allenfalls einmal flüchtig über seinen Oberlippenbart, bevor er anhebt. Wenn Frey das Wort hat, dann spricht er schleppend, wirkt kraftlos und unsicher. Es ist überdeutlich, dass die DVU ihren Einfluss auf die Inhalte des Wahlkampfs verloren hat. Für Frey bleibt nur zu beteuern: "Wir unterstützen die NPD bedingungslos."

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