NRW-Flugaffäre Schleußer gibt Falschaussage zu

Neue Enthüllungen in Düsseldorf. Finanzminister Heinz Schleußer räumte am Dienstag ein, dass ihn eine Freundin doch auf zwei Flügen mit WestLB-Jets begleitet hat. Ein Pilot des Düsseldorfer Charterfliegers erinnerte sich vor dem Untersuchungsausschuss an einen weiteren Flug Schleußers in Begleitung einer "leichtbekleideten Dame". Ministerpräsident Clement hält dennoch weiter an seinem Minister fest.


Entgegen früheren Aussagen habe ihn die Freundin auf zwei Jugoslawien-Flügen mit WestLB-Jets begleitet, gab Schleußer zu. Der Pilot des Düsseldorfer Charterfliegers PJC erinnert sich zusätzlich an einen Flug 1985 nach Bremen.

Heinz Schleußer
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Der Pilot Richard Schildbach gab am Dienstag vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags an, Schleußer sei dorthin von seiner "sehr luftig gekleideten" Freundin begleitet worden. Chefpilot Peter Wichmann habe ihm gesagt, Zweck des Fluges sei der Kauf oder das Anschauen eines Bootes. Er erinnere sich daran, weil es sein erster Flug mit dem Minister gewesen sei und Wichmann ihn noch auf dessen Altersunterschied zur Freundin aufmerksam gemacht habe.

Schleußer betonte, die Anwesenheit der Freundin sei kein Indiz für einen "nicht-dienstlichen Charakter" der Reisen nach Jugoslawien. Sein bisheriges Schweigen begründete er unter anderem mit dem Schutz der Privatsphäre seiner Begleiterin. Er werde deren Flugkosten der WestLB umgehend erstatten. An den ihm vorgeworfenen Privatflug in weiblicher Begleitung nach Bremen könne er sich nicht erinnern, erklärte Schleußer weiter. Es gebe in allen ihm zugänglichen Unterlagen auch keinen Hinweis auf einen solchen Flug.

Bei den umstrittenen Jugoslawien-Flügen habe es sich zum Einen um einen Rückflug von Split nach Düsseldorf im April 1991 gehandelt, der wegen der Ermordung des Treuhandchefs Detlev Karsten Rohwedder notwendig geworden sei. Der zweite Flug habe ihn im Auftrag der WestLB zusammen mit Bankchef Friedel Neuber im Jahr 1990 von Düsseldorf über Belgrad nach Split geführt. Neuber sei danach nach Düsseldorf zurückgeflogen. Er selbst habe seinen Urlaub angetreten, erläuterte Schleußer.

Ministerpräsident Wolfgang Clement räumte ein, der Finanzminister habe mit dem Verschweigen seiner Begleiterin "Fehler gemacht, die zu Missverständnissen geführt" hätten. Doch meinte der Regierungschef: "Deshalb muss man nicht zurücktreten." Er bedauere, dass die Klarstellungen von Schleußer erst jetzt erfolgt seien. Er glaube aber nicht, dass Schleußer im Landtagswahlkampf zu einer Belastung für die SPD werden könne.



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