NRW-Flugaffäre Schleußer reiste doch mit seiner Freundin

Nun war sie also doch mit. Bislang hatte der nordrhein-westfälische Finanzminister stets gesagt, keine weibliche Begleitung bei seinen Flügen mit Jets der WestLB gehabt zu haben. Am Dienstag räumte er ein, er habe das behauptet, um die Privatsphäre der Freundin zu schützen.


Düsseldorf - Heinz Schleußer ist auf zwei Jugoslawien-Flügen mit WestLB-Jets von einer Freundin begleitet worden. Dies sei aber kein Indiz für einen "nicht-dienstlichen Charakter" der Reisen, betonte der Sozialdemokrat am Dienstag in Düsseldorf. Er werde die Kosten im Zusammenhang mit seiner Begleitung der WestLB umgehend erstatten.

Heinz Schleußer
AP

Heinz Schleußer

Bei den Flügen handelte es sich nach Angaben Schleußers zum einen um einen Rückflug von Split nach Düsseldorf im April 1991, der wegen der Ermordung des Treuhandchefs Detlev Karsten Rohwedder notwendig geworden sei. Der zweite Flug habe ihn im Auftrag der WestLB zusammen mit Bankchef Friedel Neuber im Jahr 1990 von Düsseldorf über Belgrad nach Split geführt. Auf dem Programm hätten unter anderem ein Gespräch mit dem Belgrader Ministerpräsidenten und die Eröffnungsfeier der Repräsentanz der WestLB in Belgrad gestanden. Neuber sei danach nach Düsseldorf zurückgeflogen. Er selbst habe seinen Urlaub angetreten.

An einen dritten ihm vorgeworfenen Privatflug in weiblicher Begleitung nach Bremen könne er sich nicht erinnern, betonte Schleußer. Es gebe in allen ihm zugänglichen Unterlagen auch keinen Hinweis auf einen solchen Flug. Er sei nach seinem Wissen nur einmal 1989 mit einem von der WestLB gecharterten Jet in die Hansestadt geflogen. Der Anlass dieses Fluges habe trotz umfangreicher Recherchen noch nicht abschließend aufgeklärt werden können. Möglicherweise habe es sich um ein Gespräch mit dem damaligen Bremer Bürgermeister Klaus Wedemeier zur Koordinierung der Haltung der SPD-geführten Länder vor der Finanzministerkonferenz im Dezember 1989 gehandelt.

Die Witwe des Chefs des Düsseldorfer Charterflugunternehmens PJC, Sabine Wichmann, hatte vor dem Düsseldorfer Untersuchungsausschuss zur Flugaffäre berichtet, der Finanzminister sei drei- bis viermal von seiner Freundin auf Flugreisen begleitet worden. Der Untersuchungsausschuss will seine Arbeit am Nachmittag mit der Vernehmung der Kopiloten der WestLB-Flugbereitschaft fortsetzen.



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