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CDU-Spitzenmann Laschet Und plötzlich steht er als Sieger da

Selbst in der CDU trauten ihm viele einen Wahlsieg gegen die SPD und Hannelore Kraft nicht zu. Jetzt wird Armin Laschet wohl Ministerpräsident. Warum seine Taktik aufging.

Armin Laschet muss mehrfach ansetzen, als er in der Düsseldorfer CDU-Zentrale seine Siegesrede halten will - zu laut ist der Jubel seiner Anhänger auf der Wahlparty nahe dem Landtag: "Armin, Armin, Armin!", rufen sie.

Es ist 18.17 Uhr, und die ersten Hochrechnungen sehen die CDU als deutlichen Wahlsieger. Laschet reckt die Arme in die Höhe, ballt die Fäuste - es sind ungewohnte Bilder von dem Politiker, der sonst eher mit den Worten zurückhaltend, zahm oder nett beschrieben wird. Tatsächlich scheint ihm die Situation fast ein bisschen unangenehm zu sein.

Vielleicht hat er selbst nicht wirklich damit gerechnet, dass es so kommt, wie es nun gekommen ist: Knapp sieben Prozentpunkte hat seine Partei gegenüber 2012 zugelegt. Damals hatte die Partei unter Landeschef Norbert Röttgen einen historischen Tiefpunkt erreicht, verlor krachend gegen die SPD und Hannelore Kraft.

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Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Laschet übernahm - erst den Landes- und dann auch den Fraktionsvorsitz seiner Partei. Wiederaufbau lautete das Ziel. Der ist gelungen.

Das nackte Ergebnis ist zwar gar nicht so sensationell, es ist sogar das zweitschlechteste seit dem Zweiten Weltkrieg. Aber wen soll das stören bei der CDU an diesem Wahlabend, an dem man Kraft und die SPD aus der Staatskanzlei vertrieben hat und alles dafür spricht, dass der nächste Ministerpräsident von NRW Armin Laschet heißt, an dem Angela Merkel sich über einen enormen, nicht erwarteten Schub für den Bundestagswahlkampf freuen kann.

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Der Titel Ministerpräsident klinge "noch ein bisschen ungewohnt", sagt Laschet später in einem TV-Interview. Er weiß, in der Partei hat ihm so mancher nicht zugetraut, die CDU wieder aufzurichten. Aber jetzt steht er als Sieger da und setzt sein Laschet-Lächeln auf, das die einen verlegen, die anderen verschmitzt nennen.

Am Spitzenkandidaten allein hat es aber wohl nicht gelegen, dass die Christdemokraten nun wieder den Regierungschef stellen. Aber es war nicht ungeschickt von ihm, die rot-grüne Bilanz ins Zentrum seiner Kampagne zu rücken - das bloße Versprechen, es besser machen zu wollen, reichte am Ende für den Sieg und dafür, eine Kraft-Müdigkeit in der Bevölkerung zu schüren.

Tatsächlich lief einiges schief in den vergangenen fünf Jahren im bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik. Ärger an Schulen über die Umsetzung des Turbo-Abiturs, Unzufriedenheit beim Thema Inklusion, ausfallender Unterricht. Dazu ein Industrieland, das im Bundesdurchschnitt meist im unteren Mittelfeld rumdümpelt und in dem 17,5 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet gelten.

Nicht zuletzt ging es um das Thema innere Sicherheit. Besonders im Wahlkampfendspurt setzte die Union auf dieses emotionale Feld, verglich gebetsmühlenartig die hohen Einbruchszahlen in NRW mit den niedrigen in Bayern, beklagte die Versäumnisse im Fall des Berlin-Attentäters Anis Amri. Laschet, wahrlich nicht als Law-and-Order-Mann in der CDU bekannt, schlüpfte in die Rolle des Hardliners, attackierte Krafts umstrittenen Innenminister Ralf Jäger als "Sicherheitsrisiko". Rot-Grün sei nicht fähig, Recht und Ordnung zu wahren - das war seine Botschaft, und sie kam wohl an.

Dieser andere Laschet hat auch Wolfgang Bosbach überrascht. "Er hat am Ende des Wahlkampfs klare Kante gezeigt", sagt der Innenexperte der CDU auf der Wahlparty. Wenige Wochen vor der Wahl hatte Laschet mit dem populären Bosbach einen besonderen Wahlkampfjoker präsentiert, der sein Glaubwürdigkeitsdefizit in der Sicherheitspolitik ausgleichen sollte. Bosbach soll nun eine Kommission anführen, die der Landesregierung Verbesserungsvorschläge unterbreitet. "Wir haben auf die richtigen Themen gesetzt", sagt der CDU-Innenexperte.

Unklar ist noch, mit wem Laschet künftig regieren wird. Am liebsten wäre ihm eine Koalition mit der FDP, und die kommt sogar infrage, weil die Linke den Einzug ins Parlament laut vorläufigem amtlichen Endergebnis knapp verpasst. Und die FDP ziert sich, will sich teuer verkaufen: Er sei "nicht der Wunschkoalitionspartner von Herrn Laschet, und er nicht meiner", sagt FDP-Chef Christian Lindner am Abend. Wird es nichts mit Schwarz-Gelb, muss Laschet eine Große Koalition schmieden.

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