Schröder im Visier der NSA Der Anti-Technik-Kanzler

Die NSA soll Gerhard Schröder abgehört haben. Die Frage ist nur: Wann? Und wie? Beim Telefonieren war der Kanzler nämlich speziell. Anders als Handy-Fan Angela Merkel konnte Schröder mit mobilen Geräten wenig anfangen.

REUTERS

Von


Berlin - Angela Merkel kann man sich ohne Handy nicht vorstellen. Schon bevor sie Kanzlerin wurde, schien es fast, als wäre sie mit ihrem Mobiltelefon verwachsen. Mit präzisen SMS dirigiert sie Parteifreunde, Minister und Mitarbeiter, die knappen Nachrichten passen zu ihrem nüchternen Stil wie kaum ein anderes Kommunikationsmittel.

Die Nachricht, dass der US-amerikanische Geheimdienst NSA Merkels Handy bereits seit Jahren abgehört haben soll, traf auch deshalb einen Nerv: Eine Kanzlerin, die intime Weisungen ihrem Mobiltelefon anvertraut, bietet Geheimdiensten eine entsprechend große Angriffsfläche. Schließlich lassen sich die Funkwellen besonders leicht anzapfen.

Nicht nur Merkel, auch ihr Vorgänger Gerhard Schröder soll von der NSA belauscht worden sein. Ein großer Aufreger - klar. Aber man fragt sich schon, wo und wie die NSA den Kanzler eigentlich anzapfte. Sein Kommunikationsverhalten, so viel lässt sich im Rückblick sagen, war nicht ganz so modern wie das der Kanzlerin.

Das lag natürlich auch an der Zeit. Smartphones, Surfen auf dem Handy - das gab es alles nicht. Bevor Schröder 1998 ins Kanzleramt zog, waren Mobiltelefone noch schwere Klumpen mit Schwarz-Weiß-Displays, deren Klingeltöne nach Game-Boy-Musik klangen. Der SPD-Aufsteiger hatte ein ganz eigenes Verhältnis zur neuen Technik - zumindest lässt sich das erahnen, wenn man einen Blick ins Archiv wirft.

"Ich besitze gar kein Handy"

Schröder nutzte zu seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen angeblich ein Klappgerät, in dessen Deckel sogar sein Name eingraviert gewesen sein soll. Und wie das so ist bei Handys - man ist dann auch für unangenehme Botschaften erreichbar. Als Schröder im Sommer 1995 an der Nordsee weilte, soll ihn auf dem Gerät der damalige SPD-Chef Rudolf Scharping angerufen haben, um ihn als Wirtschaftssprecher der Partei zu entlassen. So schrieb es einst die "Bild am Sonntag".

Fotostrecke

7  Bilder
Abhöraffäre: Darüber stritt Schröder mit den USA
Bestätigt ist das alles nicht. Schröder hat sich am Mittwoch zum ersten Mal zu den neuen Enthüllungen geäußert. Der "Bild"-Zeitung sagte er, ein Kanzler-Handy abzuhören, gehe "eindeutig zu weit".

Gesichert ist aber, dass er als Kanzler kein eigenes Handy mehr besaß. Bei einer Bürgerveranstaltung im Jahr 2005 sagte Schröder auf die Frage einer Teilnehmerin, welchen Klingelton er nutze: "Ich besitze gar kein Handy. Meine Frau und meine Tochter haben eins, aber ich glaube, ohne Klingeltöne. Wenn mich jemand auf dem Handy erreichen will, ruft er meine BKA-Beamten oder einen Mitarbeiter an, der mich begleitet. Die geben das Handy dann weiter, wenn es nötig ist." Bei Geheimgesprächen, so schilderte es 2005 die "Bild", würde ihm angeblich ein abhörsicheres "Zerhacker-Handy" gereicht.

Uralt-Handy in Museumsbesitz

Kein Handy als Kanzler? Kann das sein? Ja - sagt zumindest sein ehemaliger Sprecher Bela Anda. Der inzwischen zur "Bild"-Zeitung zurückgekehrte Journalist gab sich am Dienstagabend auf Twitter angesichts der mutmaßlichen Überwachung durch die NSA verwundert. Denn, so ließ Anda wissen: "Gerhard Schröder hatte nie ein eigenes Handy, wechselte immer."

Ob eigenes Handy oder nicht: Hin und wieder kam er nicht daran vorbei, zum Mobilgerät zu greifen. Auch für private Zwecke, natürlich, ein Kanzler hat schließlich auch noch ein Leben abseits der Politik. Ein SPIEGEL-Reporter beobachtete 2001, dass der Kanzler sein Handy auf Reisen immer öfter zum SMS-Flirt mit Gattin Doris (Kosename: "Spatzl") nutzte. Das soll die Journalisten-Kollegen geärgert haben: Schröder war nun nicht mehr so leicht zu belauschen.

Übrigens: Eines von Schröders wie auch immer genutzten Mobiltelefonen lässt sich in einer privaten Sammlung in Dortmund bestaunen. Heinz Sänger, ein ehemaliger Betriebsinspektor der Telekom, konnte ihm auf einem SPD-Parteitag Ende der neunziger Jahre ein altes Nokia 6210 abluchsen. So erzählt es sein Sohn Olaf. Sänger, der inzwischen verstorben ist, hatte Schröders Handy des öfteren zusammen mit denen anderer Prominenter ausgestellt.

In seiner Sammlung, so heißt es in Berichten über Sänger, soll sich auch das erste deutsche Politiker-Handy überhaupt befinden: Das 18 Kilo schwere A-Netz Funktelefon aus Konrad Adenauers Dienstwagen, Baujahr 1958. Unklar, ob auch damals schon die NSA mithörte.



insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kdshp 05.02.2014
1.
Zitat von sysopREUTERSDie NSA soll Gerhard Schröder abgehört haben. Die Frage ist nur: Wann? Und wie? Beim Telefonieren war der Kanzler nämlich speziell. Anders als Handy-Fan Angela Merkel konnte Schröder mit mobilen Geräten wenig anfangen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nsa-ueberwachung-wie-gerhard-schroeder-in-seiner-amtszeit-telefonierte-a-951682.html
Ich gehe davon aus das der BND den USA dabei geholfen hat. Der BND kann alle telefongespräche in deutschland abhören wenn er will oder es wohl auch tut. Ich gehe auch immer noch davon aus das die NSA zusammen mit dem BND arbeitet und auch heute noch alles abhört was geht auch das handy von frau merkel (CDU). Alles andere zu vermuten wäre wie ich meine naiv.
redbayer 05.02.2014
2. Handy völlig daneben
Die Story bringt nichts, zu glauben weil er kein Handy hatte wurde er nicht abgehört. Die alten Telefonknochen wurden auch schon immer abgehört (Anm.: so hatte die Überwachung begonnen). Im öffentlichen Netz durch Fangschaltungen bei den Betreibern (damals Post) und durch Überwachung und Steuerung der privaten Telefonanlagen z. B. über angeschlossene Computer CTI. Die deutschen Dienste haben dabei immer kräftig Hilfe geleistet. Das tun sie übrigens noch heute. Aber auch das interessiert in D keinen. Es genügt allen wenn ein "Beamtenfuzzi" sagt wir halten uns an gültige Gesetze. Es wird auch niemand einfallen, aus Justiz oder Sonstigen irgend etwas zu ermitteln oder Anzeige zu erstatten. Nein es findet einfach statt und basta (Anm.: ähnlich wie gerade mit der katholischen Kirche; hunderte Missbrauchsfälle von Kindern durch Priester, aber in keinem Land gibt es eine Strafverfolgung, nur der Papst regt sich auf, dass ihn die UNO verfolgt)
Thomassimo 05.02.2014
3. Als nach Lafontaines Abgang unklar war..
..wer sein Nachfolger werden sollte, engagierte ein Privatsender einen Stimmenimitator, der sich als Bundespräsident ausgab. Und der wurde - so die damaligen Meldungen - auf Schröders Handy durchgestellt und erfuhr so, dass Eichel Finanzminister werden solle. The rest is history.
wühlmaus_reloaded 05.02.2014
4. Toller Artikel
Riesen Story gewiittert, wie blöd recherchiert, aber nur Belanglosigkeiten gefunden über die ach so lebensunwerte Prä-Handy-Epoche. Wow ! Ich leiste mir übrigens noch heute den Luxus, zumindest auf dem Klo kein Handy dabei zu haben. Wer kann das heute noch von sich glauben, wo jeder doch selbst an diesem beschaulichen Ort noch twittern muss: "Leutz, ihr ahnt nicht, wo ich gerade bin !"
mr.sniff 05.02.2014
5. Unglaublich
Zitat von sysopREUTERSDie NSA soll Gerhard Schröder abgehört haben. Die Frage ist nur: Wann? Und wie? Beim Telefonieren war der Kanzler nämlich speziell. Anders als Handy-Fan Angela Merkel konnte Schröder mit mobilen Geräten wenig anfangen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nsa-ueberwachung-wie-gerhard-schroeder-in-seiner-amtszeit-telefonierte-a-951682.html
[QUOTE=sysop;14827487]Die NSA soll Gerhard Schröder abgehört haben. Die Frage ist nur: Wann? Und wie? Beim Telefonieren war der Kanzler nämlich speziell. Anders als Handy-Fan Angela Merkel konnte Schröder mit mobilen Geräten wenig anfangen. Wenn Herr Schröder jetzt erst anfängt sich darüber aufzuregen, dass er ausspioniert und abgehört wurde muss ich ihm ganz einfach "Dummheit und Naivität" unterstellen. Was glaubt der Mann was BND und NSA die letzten Jahre gemacht haben ??? Natürlich ist das Verhalten der "Dienste" nicht zu tolerieren und absolut inakzeptabel, aber wie wir alles sehen können ändert sich wohl in naher Zukunft nichts daran. So kümmert man sich in der BRD um die Bürgerrechte ...sie werden mit Füssen getreten, das muss ein Ende haben !!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.