AfD-Kommentar über Nürnberger Christkind "Die hämische Fratze des Rassismus"

Nach der Wahl des neuen Nürnberger Christkinds veröffentlichte ein AfD-Kreisverband ein rassistisches Statement. Bayerns Innenminister Herrmann und Ministerpräsident Söder reagieren mit deutlichen Worten.

Joachim Herrmann (CSU) über die AfD: Rassismus als Geisteshaltung
Lino Mirgeler/ DPA

Joachim Herrmann (CSU) über die AfD: Rassismus als Geisteshaltung


Mit einem rassistischen Kommentar zum neuen Nürnberger Christkind löste ein AfD-Kreisverband schnell Empörung aus. Jetzt haben sich auch bayerische Spitzenpolitiker zu dem Vorfall gemeldet - mit scharfer Kritik.

"Hier begegnet uns die hämische Fratze des Rassismus, den die AfD als ihre Geisteshaltung immer gerne leugnen möchte", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kritisierte bei Twitter ein schäbiges Verhalten einzelner AfD-Funktionäre und warnte: "Diese Hetze dürfen wir nicht zulassen."

Der AfD-Kreisverband München-Land hatte am Donnerstag bei Facebook ein Bild der 17 Jahre alten Benigna Munsi veröffentlicht und augenscheinlich in Anspielung auf die Ausrottung der Ureinwohner Amerikas geschrieben: "Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen."

AfD-Kreisverband hat den Post gelöscht

Munsi war zuvor von einer Jury einstimmig zum neuen Christkind von Nürnberg für die nächsten zwei Jahre gewählt worden. Sie ist gebürtige Nürnbergerin, ihr Vater ist indischer Herkunft und besitzt seit vielen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft, die Mutter ist Deutsche. Ihre wichtigste Aufgabe als Christkind wird es sein, am 29. November den weltberühmten Nürnberger Christkindlesmarkt zu eröffnen.

Benigna Munsi: Neues Christkind für zwei Jahre
Daniel Karmann/ DPA

Benigna Munsi: Neues Christkind für zwei Jahre

Hunderte Internetnutzer verteidigten die junge Frau mit Kommentaren in sozialen Netzwerken. Der AfD-Kreisverband löschte den umstrittenen Post später und bat um Entschuldigung.

Die AfD-Kreisvorsitzende München-Land, Christina Specht, sagte auf Anfrage, der Kommentar entspreche nicht den Werten der Partei und sei von einem Redakteur des Kreisverbands eigenmächtig gepostet worden. Dieser sei inzwischen zurückgetreten. Im Kreisverband seien Iraner und Chinesen Mitglied. Als Konsequenz aus dem Posting gelte nun im Kreisverband bei Kommentaren in sozialen Netzwerken ab sofort das Vieraugenprinzip, sagte sie.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Munsis Vater sei Inder. Unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa haben wir korrigiert, dass er deutscher Staatsbürger indischer Herkunft ist.

aev/dpa



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