Fackelzug Zentralrat der Juden kritisiert Nürnberg nach Neonazi-Aufmarsch

Polizisten waren vor Ort, als Rechtsextreme in Nürnberg eine Propagandaaktion auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände durchführten. Der Präsident des Zentralrats der Juden kritisiert die Stadt, die solche Aufmärsche nicht verhindert.

Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände
DPA

Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände


Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat einen Aufmarsch von Neonazis in Nürnberg als "unerträgliche Provokation" bezeichnet. Schuster übte dabei auch Kritik an der Polizei. Die Neonazis hätten an dem Abend weiter im Blick behalten werden müssen.

Da die Beteiligten der Polizei bekannt sein müssten, sollten sie zur Verantwortung gezogen werden. "Es geht nicht darum, einzelne Polizisten an den Pranger zu stellen, sondern solche Aufmärsche künftig zu verhindern. Dies war schließlich nicht der erste Vorfall dieser Art in Nürnberg", sagte Schuster.

Mitglieder einer rechtsextremen Gruppe hatten in Nürnberg auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände einen Fackelzug abgehalten. Später verbreiteten sie ein Propaganda-Video im Netz, in dem auch die erste Strophe des Deutschlandlieds zu hören ist.

Josef Schuster (Archivfoto)
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Josef Schuster (Archivfoto)

Die Polizei hatte zunächst bestätigt, die Männer wenige Hundert Meter vom früheren Reichsparteitagsgelände aufgehalten zu haben - dort befindet sich eine Unterkunft für Asylbewerber. Die Versammlung sei nicht angemeldet gewesen, die Beamten hätten die insgesamt 18 Teilnehmer kontrolliert und ihre Identität festgestellt. Anschließend sprachen sie den Männern einen Platzverweis im Umkreis von 200 Metern aus, wohl um die Bewohner der Unterkunft zu schützen - und ließen sie gehen.

Doch die Männer zogen weiter zum früheren Reichsparteitagsgelände. Das Video zeigt, wie sie dort mit Fackeln auf der Haupttribüne posieren. Die Polizei erklärte, die Situation "nicht ausreichend erkannt" zu haben.

Nun ist bekannt geworden, dass der Fackelmarsch von zwei Zivilbeamten beobachtet worden war. Das teilte ein Sprecher der Polizei mit. Die beiden Beamten hätten die weitere Beobachtung der Rechtsextremisten übernommen, nachdem diese von der Flüchtlingsunterkunft abgewandert und mit brennenden Fackeln zu dem einstigen Aufmarschgelände der NSDAP gezogen waren.

Dort posierten sie auch auf der Zeppelintribüne, von der in den 1930er-Jahren Adolf Hitler gesprochen hatte. Ein unmittelbares Eingreifen sei aus Gründen des Eigenschutzes der Beamten "taktisch nicht zielführend" gewesen, so der Sprecher.

Joachim Herrmann (Juli 2018)
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Joachim Herrmann (Juli 2018)

Bayerns Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete den Polizeieinsatz im Bayerischen Rundfunk als "nicht sehr glücklich". Dass sich Neonazis an diesem Ort inszenierten, sei "völlig indiskutabel" und müsse in Zukunft strikt unterbunden werden. Es werde an einem Konzept für den als Mahnmal der NS-Geschichte gedachten Ort gearbeitet. Die Stadt müsse aber überlegen, ob der Zugang zu der Tribüne beschränkt werden soll.

asa/dpa



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