Nukleardeal Prominente wollen Hanauer Atomanlage kaufen
Berlin - Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) starteten am Donnerstag die Initiative "Hanau selber kaufen". Die Aktion soll 50 Millionen plus ein Euro bringen. Dazu kommen noch einmal 20 Millionen für die sachgerechte Entsorgung. Der Kaufpreis, den Siemens von China erhalten würde, beträgt angeblich 50 Millionen Euro.
Wer sich an der Zeichnungsaktion beteiligt, muss erst zahlen, wenn der Betrag tatsächlich zusammen kommt. Er wolle die "Doppelzüngigkeit der Regierung" nicht mitmachen, sagte Sodann ("Tatort"-Kommissar Bruno Ehrlicher), der in Halle Theaterintendent ist zur "taz": "In der DDR habe ich lange genug in einem System gelebt, in dem es zwei Wahrheiten gab."
Zu den Erstunterzeichnern der Initiative, die von Umweltverbänden unterstützt wird, gehören neben Sodann weitere Prominente: Sänger Konstantin Wecker, der Kabarettist Martin Buchholz und Schriftsteller Erich Loest.
Die Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer (SPD), Winfried Nachtwei und Hans-Christian Ströbele (Grüne) sowie das SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles zählen ebenfalls zu den Unterstützern. Scheer forderte die Bundesregierung auf, das Atomgeschäft zu untersagen. "Die Zusammenarbeit mit China muss sich auf die Mobilisierung erneuerbarer Energien beziehen", sagte er. Ströbele erwägt angeblich, den Restschrott der Anlage weltweit in kleinen Stücken zu Verkaufen - wie die Berliner Mauer.
"Wir wissen nicht, was China mit der Apparatur machen wird. Auf irgendwelche Garantien gebe ich gar nichts", sagte Loest. Nachtwei hält den Export der Anlage für "sicherheitspolitisch verantwortungslos".
Das Auswärtige Amt hatte am Mittwoch mitgeteilt, die Prüfung des umstrittenen Atomgeschäfts mit China sei noch nicht abgeschlossen. Mit einer Entscheidung wird erst nach der Hamburger Bürgerschaftswahl am Sonntag gerechnet.